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Künstler der Renaissance

Giorgio Vasari: Künstler der Renaissance - Kapitel 26
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authorGiorgio Vasari
titleKünstler der Renaissance
publisherTransmare Verlag Berlin
illustratorH. Tannhaeuser
editorFritz Schillmann
year1948
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correctorreuters@abc.de
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Fra Bartolommeo di San Marco

Geboren am 18. März 1475 zu Savignano, gestorben am 13. Oktober 1517 zu Florenz

In der Nähe von Prato, zehn Meilen von Florenz, in einem Ort namens Savignano wurde Bartolommeo, nach toskanischem Sprachgebrauch Baccio genannt, geboren.Richtiger Name Bartolommeo Pagholo del Fattorino, vertraulich Baccio genannt. Er zeigte in seiner Kindheit ebensoviel Neigung als Geschick für die Zeichenkunst. Deshalb verschaffte Benedetto da MaianoBenedetto da Maiano, Florentiner Bildhauer und Architekt (1442 bis 1497). ihm Gelegenheit, daß er zu Cosimo RosselliCosimo Rosselli (1439 bis 1507), Maler; mehrere Bilder in den Florentiner Kirchen. in die Lehre und zu einigen Verwandten vor dem Tore von San Pier Gattolini ins Haus kam, wo er viele Jahre wohnte, weshalb man ihn nicht anders als Baccio della Porta nannte. Nachdem er sich von Cosimo Rosselli getrennt hatte, begann er mit großem Eifer die Werke des Leonardo da Vinci zu studieren und machte so rasche Fortschritte, daß er bald in Zeichnung und Malerei für einen der besten jungen Künstler galt. Baccio genoß wegen seiner Vorzüge in Florenz große Liebe. Er war emsig bei der Arbeit, friedlich, gut und gottesfürchtig, hatte Gefallen an einem ruhigen Leben, vermied lasterhaften Umgang, hörte gern das Wort Gottes und suchte immer die Gesellschaft ernster und gelehrter Leute. Selten erschafft die Natur einen vorzüglichen Geist und geduldigen Künstler, ohne ihm nach einiger Zeit ruhiges Leben und Besitz zu verleihen. Es verbreitete sich der Ruf, er sei ebenso gut wie geschickt, und sein Name wurde so gerühmt, daß Gerozzo di Mona Venna Dini ihm Auftrag gab, eine Begräbniskapelle auf dem Friedhof des Spitals von Santa Maria Nuova in Fresko zu malen. Dort begann er das Weltgericht darzustellen mit so viel Fleiß und in so schönem Stil, daß sein Name immer mehr Glanz erhielt. Besonders rühmte man die sinnreiche Anordnung der Herrlichkeit des Paradieses, wo Christus mit den zwölf Aposteln über die zwölf Stämme Gericht hält: lauter Gestalten in schönen Gewändern, aufs zarteste koloriert.Jetzt im Museum von San Marco in Florenz.

Im Kloster von San Marco befand sich zu jener Zeit der Bruder Girolamo Savonarola aus Ferrara vom Predigerorden, ein sehr gerühmter Theologe. Baccio wohnte aus andächtiger Verehrung seinen Predigten bei. Er stand in häufigem Verkehr mit ihm, schloß auch mit den anderen Mönchen Freundschaft und hielt sich fast ständig im Kloster auf. Unterdessen fuhr Fra Girolamo fort zu predigen und ereiferte sich jeden Tag auf der Kanzel darüber, daß wollüstige Gemälde, Musik und Liebesbücher die Gemüter zum Unrecht verleiten, weshalb es nicht gut sei, in Häusern, wo Mädchen sind, Bilder von nackten männlichen und weiblichen Gestalten aufzubewahren. Die Bewohner der Stadt gerieten durch seine Reden in Eifer. Da in Florenz der alte Brauch herrschte, zum Karneval auf dem Markt ein paar Hütten von Reisig und Holz zu bauen, die man am Fastnachtsabend verbrannte, während Männer und Frauen einander bei den Händen faßten, Liebestänze und Gesänge aufführten, wußte Fra Girolamo es dahin zu bringen, daß an jenem Tag eine große Zahl Malereien und Bildwerke, die nackte Gestalten enthielten und zum Teil von trefflichen Meistern ausgeführt waren, samt einer Menge Bücher, Lauten und Lieder nach dem Markt gebracht und zu großem Schaden besonders für die Malerei verbrannt wurden. Hierzu trug Baccio alle Studien herbei, die er von nackten Gestalten gezeichnet hatte, und seinem Beispiel folgten Lorenzo di Credi und viele andere, die den Namen »Klagebrüder« führten. Baccio aber verfertigte infolge der großen Liebe, die er für Fra Girolamo hegte, das sehr schöne Bildnis jenes Mönches.In San Marco, Zelle 13. Nach einiger Zeit erhob sich die Gegenpartei Girolamos, in der Absicht, ihn gefangenzunehmen und ihn wegen des vielfachen Aufruhrs, den er in jener Stadt erregt hatte, der Justiz zu übergeben. Auf die Nachricht davon vereinigten sich die Freunde des Mönches, fünfhundert an der Zahl, und schlossen sich im Kloster San Marco ein, mit ihnen Baccio, wegen der absonderlichen Liebe, die er für jene Partei empfand.

Sein Mut jedoch war nicht groß. Zu schüchtern für solche Lage, verlor er das Selbstvertrauen, als bald nachher das Kloster belagert und mehrere der Eingeschlossenen getötet oder verwundet wurden. Deshalb tat er das Gelübde, wenn er aus dieser Bedrängnis erlöst werde, wolle er sogleich in den Dominikanerorden eintreten. Dies Gelübde erfüllte er später genau, denn als der Aufstand vorüber, der Mönch gefangen und zum Tode verdammt war, begab sich Baccio nach Prato und wurde Mönch in San Domenico. Man ersieht dies genau aus den Chroniken des Klosters, wo er sich am 26. Juli 1500 einkleiden ließ, zum großen Mißvergnügen aller seiner Freunde, denen es sehr naheging, ihn zu verlieren, um so mehr, als sie hörten, er habe die Absicht, sich nicht mehr mit der Malerei zu beschäftigen. Nachdem Fra Bartolommeo viele Monate in Prato gewesen war, schickten ihn seine Oberen als Mönch in das Kloster San Marco in Florenz, wo er um seiner Vorzüge willen von den Brüdern sehr freundlich aufgenommen wurde.

Bernardo del Bianco hatte in jener Zeit in der Badia von Florenz eine Kapelle aus Sandstein mit sehr reichen und schönen Skulpturverzierungen erbauen lassen. Verschiedene runde Figuren und Engel in Nischen sowie mehrere Friese mit Cherubim und Wappenschilder der Familie Bianco waren daselbst zu größerer Zierde von Benedetto Buglioni in gebranntem glasiertem Ton gearbeitet. Da Bernardo ein der Umgebung würdiges Gemälde in jener Kapelle stiften wollte, bot er alle erdenkliche Freundlichkeit auf, um Fra Bartolommeo für seinen Zweck zu gewinnen. Dieser lebte im Kloster einzig mit gottesdienstlichen Übungen und Erfüllung der Gebote seines Ordens beschäftigt, obwohl der Prior und seine vertrautesten Freunde ihn dringend baten, er solle irgendein Bild ausführen. Schon war ein Zeitraum von vier Jahren verflossen, ohne daß er irgend etwas gearbeitet hätte, als er endlich, von Bernardo del Bianco gedrängt, das Bild des heiligen Bernhard zu malen begann. Der Heilige schreibt, und ihm erscheint die Madonna mit dem Sohne auf dem Arm, von vielen schön kolorierten Engeln und Kindern getragen.Jetzt in der Akademie zu Florenz. Mit gleicher Liebe und gleicher Sorgfalt malte er in Fresko einen Bogen über diesem Bild. Andere Gemälde verfertigte er bald nachher für den Kardinal Giovanni de' Medici, und für Angelo Doni ein Madonnenbild von seltener Schönheit. Zu dieser Zeit kam Raffael von Urbino nach Florenz, um die Kunst zu erlernen. Er lehrte den Fra Bartolommeo die Regeln richtiger Perspektive und war beständig bei ihm, weil er den Wunsch hatte, in dem Stil des Mönches zu malen, dessen Behandlung und Verschmelzung der Farben ihm wohlgefiel.

Fra Bartolommeo hörte später oftmals die trefflichen Werke rühmen, die Michelangelo und der anmutige Raffael in Rom hervorbrachten, und schließlich bewog ihn der Ruf von den Wundern jener beiden göttlichen Meister, mit Bewilligung des Priors nach Rom zu gehen. Dort wurde er von dem Frate del Piombo, Mariano Petti, aufgenommen und malte für ihn im Kloster San Silvestro auf Monte Cavallo, dem er angehörte, zwei Bilder mit den Heiligen Petrus und Paulus. Was er unternahm, wollte ihm jedoch in jener Luft nicht so gut gelingen wie in Florenz. Die übergroße Menge der verschiedenen alten und neuen Werke jener Stadt erschreckte ihn, und die Kunst und Trefflichkeit, die er zu besitzen glaubte, schien ihm sehr gering. Deshalb beschloß er von dannen zu gehen und überließ es dem Raffael, das Bild des heiligen Petrus zu vollenden, das jener bewunderungswürdige Künstler ganz überarbeitet an Fra Mariano übergab.Jetzt in der Galerie des Laterans in Rom.

So kehrte Fra Bartolommeo nach Florenz zurück, und weil man ihm dort öfter den Vorwurf gemacht hatte, er könne keine nackten Gestalten malen, wollte er zeigen, daß er gleich anderen Meistern jene treffliche Arbeit in seiner Kunst ausführen könne. In dieser Absicht stellte er in einem Bild den heiligen Sebastian unbekleidet dar, mit einer Farbe, die dem lebendigen Fleische ähnlich sah, mit angenehmen, der Schönheit des Körpers entsprechenden Gesichtszügen, wodurch er sich bei den Künstlern das größte Lob erwarb. Als aber dies Werk in der Kirche aufgestellt war, fanden die Mönche in den Beichten, daß die Frauen bei seinem Anblick durch die reizende und sinnliche Darstellung des Lebens, die Fra Bartolommeos Talent hier erreicht hatte, zu sündhaften Gedanken erregt worden waren. Deshalb wurde es von den Mönchen aus der Kirche weggenommen und in das Kapitel gebracht. Dort kaufte es bald nachher Giovan Battista della Palla und schickte es dem König von Frankreich.Im Schloß zu Pézenas in Südfrankreich.

Fra Bartolommeo hatte sich mit den Tischlern erzürnt, die die Verzierungen um seine Tafeln und Leinwandbilder arbeiteten, weil sie damals – wie noch heute – mit den Vorsprüngen der Rahmen ein Achtel der Figuren zu bedecken pflegten. Er beschloß, eine Erfindung zu machen, durch die sie diese Zieraten entbehren könnten, und ließ zu dem Bilde des heiligen Sebastian eine Tafel im Halbkreis arbeiten, zog darauf in Perspektive eine Nische, so daß sie auf der Tafel im Relief vertieft scheint, und malte so einen Rahmen umher, der der Gestalt in der Mitte als Verzierung dient. Man hatte Fra Bartolommeo vorgeworfen, er habe eine kleine Art, daher kam ihm der Einfall, zu zeigen, daß er auch große Figuren zeichnen könne. Er malte für die Wand, wo die Tür des Chores ist, die Gestalt des Evangelisten Markus, fünf Ellen hoch, auf einer Tafel mit guter Zeichnung und großer Meisterschaft.Im Palazzo Pitti in Florenz. Fra Bartolommeo pflegte alle Gegenstände nach der Natur zu zeichnen, selbst Gewänder und Waffen wollte er nicht ohne Vorbild malen. Deshalb ließ er sich eine Holzfigur in Lebensgröße arbeiten mit biegsamen Gliedern, umgab sie mit Kleidern und vollführte hiernach treffliche Arbeiten, da er bis zum Schluß ruhig festhalten konnte, was er darzustellen gedachte.

Piero Soderini gab ihm Auftrag, eine Tafel für den Ratssaal zu malen, und er legte sie in Hell-Dunkel an, so schön, daß er sich große Ehre erworben hätte, wenn er sie vollendet haben würde. Unvollendet wie er sie ließ, wird sie jetzt in San Lorenzo aufbewahrt, und man sieht darauf alle Beschützer der Stadt Florenz und alle Heiligen, an deren Tagen von der Republik Siege erkämpft worden sind. Unter vielen verschiedenen Gestalten befindet sich auch Fra Bartolommeo selbst, der sich nach dem Spiegelbild zeichnete. Er hatte dieses Werk angefangen und ganz entworfen, als durch beständiges Arbeiten unter einem Fenster, durch das das Licht ihm in den Rücken schien, eine Seite seines Körpers ganz steif wurde und er sich nicht regen konnte. Die Ärzte gaben ihm den Rat, nach dem Bade San Filippo zu gehen. Er blieb lange dort, doch es wurde nur um weniges besser. Fra Bartolommeo war ein großer Freund von Früchten, sie schmeckten seinem Gaumen so wohl, daß er seiner Gesundheit sehr dadurch schadete. Eines Morgens aß er unter anderem viele Feigen und zog sich dadurch neben dem Übel, das er schon hatte, ein heftiges Fieber zu. Er starb nach vier Tagen bei vollem Bewußtsein im dreiundvierzigsten Jahre seines Lebens. Seinen Freunden, besonders den Klosterbrüdern, tat sein Tod sehr weh, und sie gaben ihm in San Marco ein ehrenvolles Begräbnis. Die Mönche hatten ihn von allen Chordiensten entbunden, dagegen fiel der Gewinn seiner Arbeiten dem Kloster zu, und er behielt nur so wenig Geld in Händen, um Farben und anderes Nötige zum Malen zu kaufen. Fra Bartolommeo gab seinen Gemälden ein so herrliches Kolorit und verlieh ihnen so viel neue Schönheit, daß er zu, den Meistern gezählt werden muß, die der Kunst zum Segen gereichen.

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