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Künstler der Renaissance

Giorgio Vasari: Künstler der Renaissance - Kapitel 25
Quellenangabe
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authorGiorgio Vasari
titleKünstler der Renaissance
publisherTransmare Verlag Berlin
illustratorH. Tannhaeuser
editorFritz Schillmann
year1948
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correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Antonio da Correggio

Geboren um 1494 zu Coreggion, gestorben den 5. März 1534 daselbst

Parteiisch kann die Natur nicht sein, und so hat sie auch in dem Land, in dem wir eben verweilten, der Welt herrliche Menschen von der gleichen Art geschenkt, wie sie in Toskana seit langen Jahren schon viele geschaffen hat. Unter den Meistern jener Gegend war Antonio aus CorreggioEigentlich Antonio Allegri di Pellegrino aus Correggio. durch seltene Gaben ausgezeichnet. Er drang in die neue Malweise mit solcher Vollkommenheit ein, daß er, von der Natur begünstigt wie durch das Studium gefördert, nach wenigen Jahren ein bewundernswerter Künstler wurde. Sein Wesen war schüchtern, und voll Beschwerde und Mühseligkeit übte er die Kunst für seine Familie, deren Erhaltung ihm schwerfiel. Von Natur zum Guten geneigt, fühlte er sich mehr als billig durch die Leidenschaften, die meist auf den Menschen lasten, bedrückt. Er war in Ausübung seiner Kunst schwermütig und den Mühen seines Berufes hingegeben, und er forschte besonders eifrig nach allen möglichen Schwierigkeiten. Davon zeugen eine Menge Figuren, die an der Kuppel im Dom von Parma in Fresko gemalt, sehr gut vollendet und in der Ansicht von unten herrlich verkürzt dargestellt sind. Correggio war der erste, der in der Lombardei Werke nach neuem Stil vollendete. Hätte er seine Heimat überschritten und Rom gesehen, so würde er Wunder getan und denen viel Verdruß gemacht haben, die zu seiner Zeit für groß galten. Seine Arbeiten waren herrlich, obgleich er weder Altertümer noch die guten neueren Werke kannte. Deshalb ist wohl zu behaupten, daß er durch ihre Anschauung noch viel größere Vollkommenheit erlangt, nach dem Guten das Bessere geleistet und das höchste Ziel erreicht haben würde. Sicher jedenfalls ist, daß kein Künstler die Farben besser behandelte, keiner mit mehr Reiz und Rundung gemalt hat als er, so groß war die Weichheit, die er dem Fleische gab, so selten die Anmut, mit der er seine Werke vollendete.

Im Dom von Parma sieht man außer den genannten Figuren zwei große Ölbilder von demselben Meister, auf dem einen die Gestalt des toten Christus, die sehr gerühmt wird. In San Giovanni derselben Stadt malte er die Kuppel in Fresko und stellte darin die Himmelfahrt der Madonna dar mit einer Menge von Heiligen.Die Krönung der Maria aus der Kuppel von San Giovanni Evangelista, jetzt abgelöst in der Bibliothek in Parma. Es scheint fast unglaublich, daß seine Phantasie dieses Werk erschaffen konnte mehr noch, als daß seine Hände es auszuführen vermochten, denn von ganz seltener Schönheit ist der Fall der Gewänder wie der Ausdruck der Gestalten.

Hätte Antonio seine Arbeiten nicht so vollkommen ausgeführt, wie sie nunmehr vor uns stehen, so würden seine Zeichnungen, obwohl sie auch in gutem Stil mit Reiz und großer Übung gemacht sind, ihm doch unter Künstlern nicht den Namen erworben haben, den seine Werke nunmehr behaupten. Die Kunst ist schwer und hat viele Hauptaufgaben, daher geschieht es häufig, daß ein Meister nicht alle mit Vollkommenheit lösen kann. Viele haben göttlich gezeichnet, ihre Malerei aber war mangelhaft. Andere haben bewunderswert gemalt, doch nicht halb so gut gezeichnet. Alles dies ist durch die Veranlagung und durch die Übung bedingt, die in der Jugend auf Zeichnung und Farbgebung verwendet wird. In der Barfüßerkirche von San Francesco derselben Stadt malte er in Fresko eine wunderbar schöne Verkündigung. Als an jenem Ort notwendigerweise, einige Ausbesserungen vorgenommen werden mußten, bei denen das Werk Correggios zugrunde gegangen wäre, ließen die Mönche jene Mauer mit Holz und Eisen binden, das Bild vorsichtig herausschneiden und, auf diese Weise gerettet, an einem anderen sicheren Ort des Klosters einmauern. In Sant' Antonio in Parma malte er ein Bild der Madonna mit Maria Magdalena. Darauf sieht man ein Engelchen, das ein Buch in der Hand hält und lacht. Dieses Lachen ist so natürlich, daß es auch den Beschauer zum Lachen anregt, und nur ein von Natur aus melancholischer Mensch würde dadurch nicht erheitert werden.Jetzt in der Galerie zu Parma. Dort befindet sich auch ein heiliger Hieronymus, der in einer so wunderbaren und überraschenden Weise gemalt ist, daß alle Künstler dieses herrliche, unübertreffliche Kolorit bewundern.

Antonio verfertigte zahlreiche Bilder und andere Malereien für verschiedene Herren der Lombardei, darunter in Mantua zwei Gemälde für den Herzog Friedrich II., die dieser dem Kaiser schickte ein Geschenk, solches Fürsten würdig. Giulio Romano, der sie sah, versichert, er habe nie ein so zart verarbeitetes Kolorit gesehen. Das eine war die nackte Gestalt der Leda,Die Leda bisher im Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin; die Danae (nicht Venus) in der Galleria Borghese in Rom. das andere eine Venus, mit einer Weichheit gemalt und in den Schatten so schön, daß es nicht Farbe, sondern Fleisch zu sein schien. Auf dem einen Bild erblickte man eine köstliche Landschaft, denn darin wurde Correggio von keinem Lombarden übertroffen. Auch malte er die Haare in schönster Färbung und einer Sauberkeit und Vollkommenheit, daß man es besser nicht sehen konnte.

Über die Arbeiten dieses Künstlers ließe sich noch viel sagen, weil aber die vorzüglichsten Meister unseres Berufes alles als göttlich anerkennen, was wir von ihm besitzen, so will ich mich nicht weiter darüber verbreiten. Er selbst hatte keine große Meinung von sich, noch bildete er sich ein, die Kunst, deren Schwierigkeiten er kannte, mit der Vollkommenheit zu üben, die er gerne erreichen wollte. Er begnügte sich mit wenigem und lebte als ein guter Christ. Seine Familie machte ihm, wie erwähnt, viel Sorge. Deshalb suchte er immer zu sparen und wurde zuletzt ganz geizig. Man erzählt sich, es seien ihm einst in Parma sechzig Skudi in Kupfermünze ausgezahlt worden, und da er sie einiger Zahlungen wegen nach Correggio bringen wollte, habe er sich, mit der ganzen Last beladen, zu Fuß dorthin auf den Weg gemacht. Die Hitze war groß, und von der Sonne durchgebrannt, suchte er sich mit einem Trunk Wasser zu erfrischen, wodurch er erkrankte. Von einem heftigen Fieber befallen, mußte er sich zu Bett legen und stand nicht wieder auf. Im vierzigsten Jahre endete sein Leben. Die Kunst empfing von ihm ein großes Geschenk, denn er behandelte die Farben wie ein wahrhafter Meister und öffnete zuerst den Lombarden die Augen, worauf dann viele treffliche Meister ihres Landes rühmliche, des Gedächtnisses würdige Werke vollführten. Antonio, der die schwierige Aufgabe löste, schöne Haare mit Leichtigkeit zu malen, hat gelehrt, wie man dabei verfahren müsse. Hierfür sind die Meister unseres Berufes ihm dauernden Dank schuldig.

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