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Künstler der Renaissance

Giorgio Vasari: Künstler der Renaissance - Kapitel 12
Quellenangabe
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authorGiorgio Vasari
titleKünstler der Renaissance
publisherTransmare Verlag Berlin
illustratorH. Tannhaeuser
editorFritz Schillmann
year1948
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correctorreuters@abc.de
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Fra Giovanni da Fiesole (Fra Angelico)

Geboren um 1387 in Castel Vicchio im Mugello gestorben am 18. März 1455 in Rom

Der Ordensbruder Giovanni Angelico aus Fiesole, mit seinem weltlichen Namen Guido genannt,Mit weltlichem Namen Guido da Pietro, nannte sich bei seinem Eintritt in das Dominikanerkloster in Fiesole (1407) Fra Giovanni. ist ein ebenso trefflicher Maler und Miniator wie ein vorzüglicher Geistlicher gewesen, und er verdient um des einen wie um des andern willen ein ehrenvolles Andenken. Er hätte bequem im Laienstande leben und durch seine Kunst, in der er jung schon Erfahrung besaß, sich zu seinem Vermögen noch so viel verdienen können, wie er wollte. Als Mann von gutem und stillem Gemüt jedoch beschloß er, zu seiner Befriedigung und Ruhe und um seine Seele zu retten, in den Orden der Predigermönche zu treten. Denn obwohl man in jedem Beruf Gott dienen kann, meinen doch einige, sie könnten im Kloster besser als in der Welt für ihr Seelenheil sorgen. Den Guten gelingt dies leicht, wer aber aus anderen Ursachen Geistlicher wird, bei dem ist es wirklich ein elendes und unmögliches Leben.

Dieser Pater wurde wegen seiner Verdienste von Cosimo de' Medici sehr geliebt, und als dieser das Kirchen- und Klostergebäude von San Marco errichtete, ließ er ihn auf eine Wand des Kapitelsaales die ganze Passion Christi malen. Im ersten Klosterhof schuf er in Fresko in einigen Bogenfeldern eine Menge herrlicher Figuren und ein Kruzifix, an dessen Fuß der heilige Domenikus steht, ein sehr gerühmtes Bild. Außer einer Menge von Darstellungen in den Zellen und auf der Mauer ist im Schlafsaal eine Begebenheit aus dem Neuen Testament so schön von ihm dargestellt, daß man es nicht genug rühmen kann. Bewundernswert schön aber ist vor allem die Tafel auf dem Hauptaltar jener Kirche, denn die Madonna in diesem Bild erweckt durch ihre schlichte Einfalt bei jedem, der sie betrachtet, Verehrung und Andacht. In San Marco sind auch von ihm einige Chorbücher so schön in Miniatur gemalt, als man nur denken kann, und in San Domenico zu Fiesole einige andere, diesen ähnlich, mit unendlicher Sorgfalt ausgeführt. Bei diesen Büchern ließ er sich jedoch von seinem älteren Bruder helfen, der gleich ihm Miniaturmaler und in dieser Kunst sehr geübt war.

Sich selbst aber übertraf er und bewies die größte Fähigkeit und Geschicklichkeit bei einer Tafel in der Kirche San Domenico zu Fiesole. Auf dieser sieht man Christus, der inmitten eines Chores von Engeln die Madonna krönt, und darunter eine unendliche Menge von heiligen Männern und Frauen. Diese sind aufs herrlichste gemalt, haben die mannigfaltigsten Stellungen und ganz verschiedenen Gesichtsausdruck, so daß es eine unendliche Freude bereitet, sie zu betrachten, ja es scheint, als könnten jene Geister im Himmel, wenn sie von körperlicher Beschaffenheit wären, nicht anders anzuschauen sein. Denn alle jene Männer und Frauen haben nicht nur Leben und einen zarten und lieblichen Ausdruck, sondern auch die Farbgebung des ganzen Werkes ist so, als wäre sie von der Hand eines Heiligen oder eines Engels ausgeführt, wie sie selbst sind. Deshalb wurde dieser wahrhaft gottesfürchtige Geistliche mit Recht Fra Giovanni Angelico, das heißt der engelgleiche Bruder Giovanni genannt. An der Staffel sind Begebenheiten aus dem Leben der Mutter Gottes und des heiligen Domenikus wunderbar schön gemalt, und was mich persönlich betrifft, kann ich wirklich sagen, daß dieses Werk, sooft ich es betrachte, mir immer wieder wie neu erscheint und ich mich nie daran satt sehe.Jetzt im Louvre in Paris.

In der Kapelle der Nunziata zu Florenz, die im Auftrage des Piero di Cosimo de' Medici ausgebaut wurde, verzierte er die Tür des Silbergeräteschrankes mit kleinen Figuren, die sehr sorgfältig gearbeitet sind.Jetzt im Museo San Marco. Außerdem malte er eine große Menge von Dingen, die sich in den Häusern der Florentiner Bürger zerstreut finden, so daß ich bisweilen erstaune, wie ein einziger Mensch, wenn auch in vielen Jahren, dieses alles zu Ende führen konnte. Auch ist von demselben Meister eine Tafel mit der Kreuzabnahme in der Sakristei von Santa Trinitä, bei der er so großen Fleiß aufwandte, daß man sie unter seine besten Arbeiten zählen kann.Jetzt im Museo San Marco. In San Francesco, außerhalb des Tores von San Miniato, malte er eine Verkündigung, und in Santa Maria Novella sind von ihm neben anderen Dingen die kleinen Bilder für die Osterkerze und einige Reliquienkästchen, die an den höchsten Feiertagen auf den Altar gestellt werden. In der Badia stellte er über der Tür des Kreuzganges den heiligen Benedikt dar, der Stillschweigen gebietet. Im Dom von Orvieto fing er am Gewölbe der Kapelle der Madonna einige Propheten an, die später Luca da Cortona vollendete.Zwei Gewölbefelder im Dom von Orvieto: Christus als Weltenrichter und Chor der Propheten. Luca Signorelli setzte die Arbeiten fort. Für die Tempelbrüder von Florenz malte er eine Tafel mit dem toten Christus und in der Klosterkirche Santa Maria degli Angeli das Paradies und die Hölle mit lauter kleinen Figuren.Beide Bilder im Museo San Marco in Florenz. Durch alle diese Arbeiten wurde der Name Fra Giovannis in ganz Italien berühmt. Daher sandte Papst Nikolaus V. nach ihm und ließ ihn nach Rom kommen, wo er in der Kapelle des Palastes, in der der Papst Messe hört, eine Kreuzabnahme sowie einige schöne Bilder vom heiligen Laurentius ausführte und ein paar Bücher mit sehr wohlgelungenen Miniaturen schmückte. Für denselben Papst verzierte er im Palast die Kapelle des Sakraments, die Paul III. zerstörte, um die Treppe nach jener Seite zu führen. Er hatte bei diesem in seiner Art herrlichen Werk in Fresko einige Begebenheiten aus dem Leben Jesu gemalt, wo er viele merkwürdige Personen jener Zeit nach der Natur darstellte. Diese Bildnisse würden heutigen Tages verloren sein, wenn sie nicht Paolo Giovio für sein Museum hätte abzeichnen lassen. Der Papst hielt mit Recht Fra Giovanni für einen Mann von sehr heiligem Lebenswandel, friedlich und bescheiden, und beschloß, das Erzbistum von Florenz, das damals erledigt war, ihm zu übertragen. Als Giovanni dieses hörte, bat er Seine Heiligkeit dringend, es einem anderen zu übergeben; er fühle sich nicht geschickt, Menschen zu beherrschen. In seinem Orden aber befinde sich ein Bruder, der gottesfürchtig, liebreich gegen Arme, erfahren in Führung von Geschäften und weit besser als er geeignet sei, diese Würde zu übernehmen. Der Papst sah die Wahrheit jener Worte ein und erfüllte seinen Wunsch, indem er zum Erzbischof von Florenz den Fra Antonino vom Orden der Predigermönche ernannte, einen wegen seiner Frömmigkeit und Gelehrsamkeit berühmten Mann, der es wohl verdiente, daß in unseren Tagen Hadrian VI. ihn kanonisierte.

Es war wirklich eine seltene Handlung und zeugt von großer Gutmütigkeit, daß Fra Giovanni die Würden und Ehren und das bedeutende Amt, das ein mächtiger Fürst ihm antrug, dem abtrat, den er mit richtigem Blick und offenem Herzen für würdiger erachtete als sich selbst. Ein so hohes und seltenes Können in der Kunst aber, als Giovanni besaß, konnte sich wirklich nur bei einem Menschen von frommem Lebenswandel entfalten, denn wer geistliche und heilige Gegenstände darstellen will, muß geistlich und fromm gesinnt sein. Werden dagegen solche Dinge von Menschen ausgeführt, die wenig Glauben und Liebe zur Religion haben, so erwecken sie oft unziemliche Begierden und leichtfertige Neigungen. Dadurch kommt es, daß solche Werke wegen Mangels an Sittsamkeit Tadel finden, während man sie als Kunstwerke rühmt. Hierdurch will ich nicht veranlassen, daß jemand für heilig halten möchte, was plump und ungeschickt ist, das Schöne und Gute aber für verderbt, wie es einige tun, die, sobald sie männliche oder weibliche oder sogar jugendliche Gestalten sehen, die mit mehr als gewöhnlicher Schönheit geschmückt sind, solche gleich für schlüpfrig erklären. Noch schlimmer ist, daß solche Menschen die Verderbtheit ihres eigenen Herzens bekunden, da sie in Dingen Übles finden und durch sie zu bösen Begierden gereizt werden, die, wenn die Sittsamkeit in der Tat so von ihnen geehrt würde, wie sie in törichtem Eifer gern zeigen möchten, in ihrem Herzen nur Verlangen nach dem Himmel erwecken könnten und den Wunsch, sich in allen Dingen dem Schöpfer angenehm zu machen.

Fra Giovanni war ein Mann von so schlichtem Wesen und frommen Sitten, daß er sich eines Tages, als Papst Nikolaus V. ihm zu essen geben wollte, ein Gewissen daraus machte, Fleisch ohne Erlaubnis seines Priors zu genießen, der Autorität des Papstes gar nicht gedenkend. Er verachtete alle weltlichen Dinge, lebte rein und fromm und war den Armen ein treuer Freund. Deshalb, glaube ich, wird seine Seele nun ganz dem Himmel angehören. Unausgesetzt übte er sich in der Malerei und wollte nie andere als heilige Gegenstände darstellen. Er hätte reich sein können, kümmerte sich aber nicht darum, sondern behauptete vielmehr, wahrhaft reich sei nur, wer sich mit wenigem begnüge. Er hätte viele beherrschen können, wollte es aber nicht, indem er sagte: anderen gehorchen, sei mit weniger Mühe und Gefahr verbunden. Er war menschenfreundlich und mäßig, lebte keusch und fern von den Lockungen der Welt, indem er oft sagte, es solle, wer unsere Kunst übe, ruhig und ohne grübelnde Gedanken bleiben; wer die Werke Christi darstellen wolle, müsse immer bei Christo sein. Kurz, dieser niemals genug zu rühmende Ordensbruder war demütig und bescheiden in all seinem Tun und Reden, in seinen Malereien gewandt und andächtig, und die Heiligen, die er malte, haben mehr das Aussehen und die Ähnlichkeit von Heiligen, als die irgendeines anderen Meisters. Seine Gewohnheit war, das, was er gemalt hatte, nie zu verbessern oder zu überarbeiten, sondern es stehenzulassen, wie es beim ersten Male geworden war, weil er glaubte, so habe es Gott gewollt. Einige sagen, Fra Giovanni habe nie den Pinsel in die Hand genommen, ohne vorher gebetet zu haben, und nie ein Kruzifix gemalt, ohne daß ihm die Tränen über die Wangen strömten. In den Gesichtern und Stellungen seiner Gestalten erkennt man aber seinen redlichen und starken Christenglauben. Er starb im Jahre 1455 in seinem achtundsechzigsten Lebensjahr.Er starb in Rom, sein Grab in Santa Maria sopra Minerva.

Fra Giovanni wurde von seinen Ordensbrüdern in der Kirche der Minerva zu Rom beigesetzt, an der Längswand des Seiteneingangs bei der Sakristei, in einem länglichen Marmorgrabmal. Darüber findet sich sein Abbild nach der Natur. Auf dem Marmor liest man eingeschnitten folgende Inschrift:

Spendet nicht Lob mir, daß ich ein zweiter Apelles gewesen,
Sondern daß allen Erwerb, Christus, den Deinen ich gab.
Anders verhalten sich Werke der Erde als Werke des Himmels.
Tuskiens Blüte, die Stadt, hat mich, Johannes, gehegt.

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