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Künstler der Renaissance

Giorgio Vasari: Künstler der Renaissance - Kapitel 10
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authorGiorgio Vasari
titleKünstler der Renaissance
publisherTransmare Verlag Berlin
illustratorH. Tannhaeuser
editorFritz Schillmann
year1948
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correctorreuters@abc.de
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Filippo Brunelleschi

Geboren 1377 zu Florenz, gestorben 1446 daselbst

Es gibt viele Leute, denen die Natur eine kleine Gestalt, aber einen großen Geist verliehen hat und ein so starkes Herz, daß, wenn sie nicht schwierige, fast unmögliche Dinge beginnen und zur Bewunderung anderer vollenden, ihre Seele keine Ruhe hat. Ja vieles, was der Zufall in ihre Hände spielt, so gering und unbedeutend es auch sein mag, wird durch sie groß und rühmenswert. Deshalb sollte man nie ein schiefes Gesicht ziehen, wenn man jemandem begegnet, dessen Äußeres nicht mit jener Schönheit und Anmut geziert ist, welche die Natur denen bei der Geburt verleiht, die irgend etwas Herrliches vollbringen. Denn es besteht kein Zweifel, daß unter Erdschollen die Goldadern verborgen sind. Oft besitzt, wer unansehnlich gestaltet ist, so viel Kühnheit und Seelengröße, daß, wenn edler Sinn sich damit verbindet, von solchen Menschen nur Wunderbares zu erwarten ist. Denn sie strengen sich an, den häßlichen Körper durch die Kraft des Verstandes zu verschönen. Dies erkennt man bei Filippo Brunelleschi, der ein unscheinbares Äußeres hatte, dagegen aber einen solch hohen Geist besaß, daß man wirklich sagen kann, er sei uns vom Himmel geschenkt worden, der Baukunst eine neue Form zu geben, die schon seit Jahrhunderten erloschen war. Denn in jener Zeit wurden von den Menschen viele Reichtümer schlecht verwendet und Bauten ohne Regel nach schlechtem Stil und armseliger Zeichnung mit seltsamen Erfindungen, mit gesuchter Zierlichkeit und noch schlechteren Verzierungen errichtet. Da gefiel es Gott, nachdem die Erde viele Jahre keinen herrlichen und göttlichen Geist besessen hatte, daß Filippo der Welt das großartigste und schönste aller Gebäude hinterließ, die zur Zeit der Alten und der Neueren aufgeführt worden sind. Dadurch zeigte sich, daß Geschick und Einsicht bei den toskanischen Künstlern zwar eine Zeitlang verschwunden, aber nicht ausgestorben waren. Ihn schmücken außer seinem Talent noch herrliche Tugenden, darunter besonders die der Freundschaft, denn nie ist ein Mensch gütiger und liebevoller gewesen als er. In seinem Urteil war er frei von Leidenschaft, und wo er die Vorzüge von anderen anerkannte, opferte er ihnen seinen Vorteil und den Gewinn seiner Freude auf. Er kannte sich selbst, lehrte viele Künstler seine Art und stand in jeder Not seinem Nächsten bei, erklärte sich für einen Erzfeind der Laster und für einen Freund der Tugendhaften, ließ seine Zeit nie müßig verstreichen, sondern mühte sich immer, seine oder fremde Arbeiten zu fördern und den Sorgen anderer abzuhelfen. Er suchte häufig seine Freunde auf und war ihnen immer hilfsbereit.

In Florenz lebte, wie man erzählt, ein Mann von sehr gutem Ruf, rühmenswerten Sitten und tätig in seinen Geschäften, der Ser Brunellesco di Lippo Lapi hieß. Dieser wählte sich zur Frau ein Mädchen von sehr guten Sitten, die aus der edlen Familie der Spini stammte. Er erhielt als Heiratsgut ein Haus, in dem er und seine Kinder bis zu seinem Tode wohnten. Während Brunellesco fleißig seinen Beruf ausübte und vergnügt lebte, wurde ihm im Jahre 1377 ein Sohn geboren, dem er den Namen Filippo gab, zum Andenken an seinen Vater. Er feierte diese Geburt so fröhlich, wie er nur konnte. Als der Knabe heranwuchs, unterrichtete er ihn eifrigst in den Wissenschaften. Dabei zeigte Filippo so viel Einsicht und seltenen Verstand, daß es oft verwunderlich schien, warum er seine Gedanken schweifen ließ und nicht danach trachtete, darin ganz vollkommen zu werden. Ser Brunellesco, der wünschte, er möchte gleich ihm den Beruf eines Notars wählen, war darüber sehr mißvergnügt. Weil er jedoch sah, daß jener stets den sinnreichen Gegenständen der Kunst und Mechanik nachjagte, ließ er ihn rechnen und schreiben lernen und übergab ihn sodann der Goldschmiedezunft, damit er von einem seiner Freunde im Zeichnen unterrichtet werde. Filippo empfand darüber große Befriedigung, und wenige Jahre, nachdem er angefangen hatte in jener Kunst zu arbeiten, verstand er schon besser als viele alte Meister, edle Steine zu fassen. Er führte Niello- und Grosseriearbeiten aus, darunter zwei sehr schöne Propheten aus Silber in halber Figur für den Altar von San Jacopo zu Pistoia, im Auftrag der dortigen Kirchenvorsteher. Auch einige halberhabene Arbeiten, bei denen er zeigte, wie er jene Kunst so wohl verstand, daß sein Geist ihre Grenzen überschreiten müsse. Als er dann einige gelehrte Leute kennengelernt hatte, beschäftigte sich seine Phantasie mit der Zeitrechnung und mit der Bewegung der Räder und Gewichte. Er sann nach, wie man es zu machen habe, daß sie sich drehen, und verfertigte einige sehr gute und schöne Uhren. Doch auch dies stellte ihn nicht zufrieden, und es erwachte in ihm ein großes Verlangen nach der Bildhauerkunst. Dadurch trat er mit Donatello in nahe Freundschaft, der zwar noch jung, in dieser Kunst aber schon sehr vorzüglich war und zu hohen Erwartungen berechtigte. Beide Künstler faßten wegen der Vorzüge, die jeder besaß, eine so große Liebe zueinander, daß es schien, als könne keiner ohne den andern leben. Filippo aber, der viele Dinge zugleich ergreifen konnte, betätigte sich immer in mehreren Gewerben, und es dauerte gar nicht lange, so galt er auch bei Sachverständigen für einen guten Baumeister. Dies bewies er bei vielen Gelegenheiten, da man Gebäude zu verschönern suchte. Außerdem beschäftigte er sich viel mit Perspektive, worin man damals gar keine Übung hatte und eine Menge Dinge falsch ausführte. Auf dieses Studium verwendete er einen großen Teil seiner Zeit, bis er eine vollkommen richtige Methode fand: ihre Ableitung vom Grundriß, Aufriß und Durchschnitt durch die Sehpyramide, eine sinnreiche und der Zeichenkunst sehr nützliche Sache. Filippo fand daran ein solches Vergnügen, daß er den Platz von San Giovanni mit allen Abteilungen der schwarzen und weißen Marmorfelder an der Kirche aufzeichnete, worin die entfernteren Teile sich auf eine sehr eigenartige Weise verkürzten. Von Künstlern und Sachverständigen sehr gelobt, gab diese Arbeit ihm Mut, bald nachher eine Ansicht vom Palast, dem Platz, der Loggia der Signoren und dem Dach der Pisani samt allem, was man dort umher gebaut sieht, aufzunehmen, und diese Zeichnungen erweckten den Geist anderer Künstler, die sich sofort diesem Studium widmeten. Besonders lehrte er diese Kunst den Maler Masaccio, seinen Freund, der damals noch sehr jung war und ihm viel Ehre machte durch das, was er darin leistete, wie die Gebäude in seinen Gemälden bezeugen. Ebenso ließ Filippo nicht nach, diejenigen besser zu unterrichten, die sich mit Einlegarbeiten beschäftigten, das heißt der Kunst, buntes Holz zusammenzusetzen.

Nach Florenz kehrte damals Herr Paolo dal Pozzo Toscanelli zurück, und als dieser eines Abends mit mehreren Freunden in seinem Garten saß, lud er auch Filippo ein, der ihn dort viel über Mathematik reden hörte. Beide wurden bald bekannt und vertraut, und Filippo ließ sich von Toscanelli in der Geometrie unterrichten. Dabei wußte er, wenn auch nicht in den Wissenschaften bewandert, doch durch Praxis und Erfahrung in allen Dingen so gute Beweise zu führen, daß er jenen oft in Verlegenheit brachte.Paolo dal Pozzo Toscanelli (1397 bis 1482), berühmter Naturwissenschaftler, Freund des Columbus, der eine von ihm gezeichnete Seekarte benutzte. So mühte sich auch Filippo, der nicht rasten konnte und immer weiterschritt, um Auslegung der Heiligen Schrift und ließ nicht ab, den Streitigkeiten und Predigten gelehrter Leute beizuwohnen. Dabei hatte er durch sein vortreffliches Gedächtnis großen Gewinn. Gleichzeitig wandte er auch viel Studium auf die Werke Dantes, die er in bezug auf die Schilderung der Örtlichkeiten und ihre Entfernungen sehr wohl verstand und oft im Gespräch anbrachte, da er sich ihrer Gleichnisart bediente.

Nachdem der Auftrag, die Tür der Taufkapelle anzufertigen, dem Lorenzo Ghiberti gegeben war, beschlossen im Jahre 1401 Donato und Filippo, auf einige Jahre nach Rom zu gehen. Filippo, um sich in der Baukunst, Donato, um sich in der Bildhauerkunst zu vervollkommnen. Filippo tat dies, damit er Lorenzo und Donato um soviel mehr übertreffe, als die Baukunst den Menschen mehr Nutzen bringt, denn die Bildhauerkunst und die Malerei. Er verkaufte sein Gütchen in Settignano, verließ zugleich mit Donato Florenz und begab sich nach Rom, wo er im Anschauen der mächtigen Gebäude, der Vollkommenheit der Tempel oft so versunken war, daß er außer sich zu sein schien. Er ließ die Gesimse messen und nahm die Grundrisse der Gebäude auf, und er sowohl wie Donato waren unermüdlich und scheuten weder Zeit noch Kosten. Keinen Ort in Rom und außerhalb in der Campagna ließen sie unbesehen, nichts ungemessen, was gut und erreichbar war. Filippo, der keine häuslichen Sorgen hatte, ergab sich ganz dem Studium und kümmerte sich nicht um Essen und Schlafen, sondern richtete sein Augenmerk einzig auf die Baukunst, in der der gute alte Stil erloschen war. Ich sage ausdrücklich: die gute Bauweise der Alten und meine nicht die barbarische der Deutschen, die zu jener Zeit sehr geübt wurde. Er verfolgte dabei zwei große Gedanken: der eine, die gute Baumethode wieder ans Licht zu führen, da er hoffte, wenn ihm dies gelinge, ein ebenso rühmliches Andenken von sich zu hinterlassen, wie Cimabue und Giotto, – der zweite, ein Mittel zu finden, wie er die Kuppel von Santa Maria del Fiore wölben könne. Denn die Schwierigkeiten waren so groß, daß nach dem Tode von Arnolfo Lapi kein Baumeister Mut genug besessen hatte, sie anders als mit einem großen Gerüst von Holzwerk wölben zu wollen. Diesen Gedanken teilte er weder Donato noch sonst einer Seele mit, ließ aber nicht nach, alle Schwierigkeiten zu erwägen, unter denen die RotondaMittelalterliche Bezeichnung für das Pantheon. in Rom gewölbt worden war. Er hatte alle Wölbungen und Kuppeln des Altertums betrachtet und gezeichnet und studierte sie dauernd. Wenn die beiden Künstler zufällig in der Erde verschüttete Überreste von Kapitellen fanden, Säulen, Gesimse und Postamente von Gebäuden, so ließen sie nachgraben, um das Fundament zu finden. Auf solchen Wanderungen gingen sie nachlässig gekleidet durch die Straßen Roms und wurden deshalb »Schatzgräber« genannt. Die Leute glaubten, sie trieben die Punktierkunst und wollten verborgene Reichtümer suchen. Schuld daran war besonders, daß sie eines Tages einen antiken irdenen Krug mit Münzen gefunden hatten. Als Filippo das Geld ausging, schaffte er sich Hilfe, indem er für Goldarbeiter, mit denen er befreundet war, Edelsteine faßte, eine Arbeit, die gut bezahlt wurde. Als Donato nach Florenz zurückkehrte, blieb er allein in Rom, wo er mit noch größerem Eifer als früher den Überresten der alten Bauten nachforschte und sich unausgesetzt übte. Ja, er hatte keine Ruhe, bis er alle Arten von Gebäuden gezeichnet hatte: runde, viereckige, achteckige, Basiliken, Wasserleitungen, Bäder, Bogen, Kolosseen, Amphitheater und alle Arten Tempel von Backsteinen, bei denen er herausbrachte, wie sie verbunden und verkettet und zugleich wie sie in den Wölbungen gelegt waren. Er zeichnete alle Arten von Schnitten, Verkeilungen und Verzahnungen, und weil er bei allen runden Steinen auf der unteren Seite ein Loch gewahrte, entdeckte er, daß dies zu einem Eisen diente, das wir die Steinzange nennen und mit dem die Steine aufgezogen werden. Er erneuerte diese Erfindung und führte ihren Gebrauch wieder ein. Er war es, der dorische, korinthische und ionische Bauart sonderte und dies Studium so eifrig trieb, daß sein Geist ihn befähigte, Rom vor sich zu sehen, wie es vor seiner Zerstörung gestanden hatte.

Im Jahre 1407 litt Filippo sehr unter der Luft in dieser Stadt, und als seine Freunde ihm rieten, den Ort zu verändern, begab er sich nach Florenz. Dort hatten in seiner Abwesenheit viele Bauwerke Beschädigungen erlitten, für die er bei seiner Heimkehr eine Menge Zeichnungen machte und mancherlei Rat gab. In demselben Jahre wurde in Florenz eine große Zahl Baumeister und Sachverständiger von den Werkmeistern von Santa Maria del Fiore und der Zunft der Wollweber einberufen, um zu überlegen, wie man die Kuppel der Kirche zu wölben habe. Unter diesen war Filippo, und er erteilte den Rat, man müsse den Bau über das Dach hinausführen, nicht nach der Zeichnung Arnolfos, sondern einen Fries errichten und in der Mitte jeder Wand ein großes Fenster anbringen. Dadurch würde nicht nur das Gewicht von den Pfeilern der Tribüne genommen, auch die Kuppel ließe sich leichter wölben. Er arbeitete hierfür Modelle und schickte sich an, sie auszuführen.

Einige Monate nachher stand Filippo mit Donato und anderen Künstlern auf dem Platz von Santa Maria del Fiore, und sie redeten von den Bildhauerwerken des Altertums. Da erzählte Donato, bei seiner Rückkehr von Rom sei er über Orvieto gekommen, um daselbst die Marmorverzierung der berühmten Fassade des Domes zu sehen, die von verschiedenen Meistern gearbeitet und für damalige Zeit sehr merkwürdig sei. Auf dem Wege durch Cortona habe er dann in der Pfarrkirche daselbst ein wunderschönes antikes Marmorbecken mit Bildwerken gefunden, eine damals seltene Sache, weil noch nicht jene große Menge von Dingen ausgegraben war wie in unseren Tagen. Donato fuhr fort zu schildern, in welcher Weise der Künstler dieses Werk ausgeführt habe, welche Feinheit, Vollkommenheit und Meisterschaft man darin erkenne, und erweckte in Filippo ein solches Verlangen, es zu sehen, daß er, wie er war, im Mantel mit der Kapuze und den Holzschuhen von ihnen fort und zu Fuß nach Cortona ging, von mächtiger Liebe zur Kunst getrieben. Als er das Becken sah und es ihm gut gefiel, zeichnete er es mit der Feder nach und ging damit nach Florenz zurück, ohne daß Donato oder sonst jemand gewahr geworden wäre, daß er fortgewesen. Sie glaubten, er zeichne etwas oder sinne irgendeiner Sache nach. In Florenz zeigte er dann die Zeichnung des Beckens vor, die er mit Sorgfalt gefertigt hatte, und Donato wunderte sich sehr über seine große Liebe zur Kunst. Filippo aber blieb viele Monate in Florenz und arbeitete insgeheim Modelle und Maschinen, alle für den Bau der Kuppel. Dabei trieb er mit den Künstlern manchen Scherz. Oftmals auch half er zu seinem Vergnügen Lorenzo Ghiberti beim Ausputzen der Bronzetür und brachte so seine Zeit hin. Als er eines Tages hörte, es sei die Rede davon, Ingenieure kommen zu lassen, die die Kuppel ausführen sollten, brachte ihn das auf den Einfall, nach Rom zurückzugehen. Denn er glaubte, man werde ihn von einem anderen Ort mit besserer Meinung berufen, als wenn er in Florenz bliebe. Während er in Rom weilte, gedachte man seiner Vorschläge und seines durchdringenden Verstandes, der ihn bei den Beratungen eine Sicherheit und einen Mut zeigen ließ, wie er bei den andern Meistern nicht zu finden war. Denn diese traten erschreckt mit den Maurern zusammen und hatten alle Kraft verloren, in der Überzeugung, sie würden kein Mittel finden, die Kuppel zu wölben, noch ein Holz zum Gerüst, das stark genug wäre, das Sparrwerk und die Last eines so mächtigen Baues zu tragen. Um daher ein Ende der Sache zu sehen, beschloß man, daß an Filippo nach Rom geschrieben und er gebeten werden sollte, sich nach Florenz zu begeben. Filippo, der kein anderes Verlangen hatte, kam sehr freudig, und bei seiner Ankunft versammelten sich sogleich die Werkmeister von Santa Maria del Fiore samt den Konsuln von der Zunft der Wollweber, um ihm alle Schwierigkeiten von der größten bis zur geringsten mitzuteilen, welche die Meister in der Versammlung bei dieser Sache vorbrachten. Filippo erwiderte darauf: »Meine Herren Werkmeister, es ist kein Zweifel, daß die Ausführung bedeutender Unternehmungen immer Schwierigkeiten hat. Und war es so jemals bei einer, dann ist es, mehr vielleicht als Ihr denkt, hier bei der Euren der Fall. Denn ich wüßte nicht, daß selbst die Alten je ein so ungeheures Gewölbe aufgeführt hätten, wie dieses hier werden wird. Ich, der oft daran dachte, welche Verschalung man innen und außen anbringen könnte und wie man es machen müsse, um sicher daran zu arbeiten, habe nie einen Entschluß fassen können, und es schreckt mich ebenso die Breite wie die Höhe des Gebäudes. Könnte die Kuppel rund gewölbt werden, so möchte man sie errichten, wie die Römer das Pantheon wölbten, doch hier muß man den acht Wänden folgen und Ketten und Verzahnungen von Steinen bringen, was eine sehr schwierige Sache sein soll. Nur wenn ich daran denke, daß diese Kirche Gott und der Jungfrau geweiht ist, so habe ich das Vertrauen, daß sie bei einem Werke zu ihrer Ehre nicht unterlassen werden, das Wissen zu erweitern, wo es fehlt, und Geist, Kraft und Kenntnisse dessen zu stärken, der eine solche Sache unternimmt. Was jedoch kann ich Euch hierbei helfen, da es nicht mein Werk ist? Ich sage Euch frei: würde es mir übertragen, so würde ich sicherlich Mut genug besitzen, um die Mittel zu finden, daß man jene Kuppel ohne solche Schwierigkeiten wölben könne. Noch habe ich mir nichts überlegt – und Ihr wollt, ich soll sagen, wie man es machen soll? – Wenn Ihr, meine Herren, beschließt, daß dieser Bau vollführt werden soll, werdet Ihr nicht nur genötigt sein, mich zu prüfen, der ich nicht glaube, bei solchem großen Werk genügend raten zu können, sondern Ihr werdet auch Geld anwenden müssen und bestimmen, daß in Jahresfrist an einem festgesetzten Tag außer den toskanischen und italienischen Baumeistern auch solche aus Deutschland, Frankreich und von anderen Nationen in Florenz zusammenkommen. Ihr werdet ihnen dieses Werk vorlegen müssen, damit nach Beratung und Beschluß so vieler Meister die Arbeit dem gegeben werde, der bei der Probe am richtigsten zu Werke geht oder die beste Beurteilung und Einsicht zeigen wird, solchen Bau zu errichten. Einen anderen und besseren Rat kann ich nicht geben.«

Dieser Vorschlag gefiel den Konsuln und Obermeistern, nur wäre ihnen lieb gewesen, Filippo hätte unterdes schon ein Modell gearbeitet und darüber nachgedacht. Er aber schien dies nicht zu achten, sondern beurlaubte sich, indem er sagte: man treibe ihn in Briefen sehr, nach Rom zu kommen. Die Konsuln, die sahen, daß weder ihre noch der Werkmeister Bitten Filippo zu halten vermochten, ließen ihn durch viele seiner Freunde dazu auffordern, und als auch diese ihn nicht bewegen konnten, wurde ihm am Morgen des 26. Mai 1417 von den Werkmeistern ein Geschenk gemacht, das sich als an Filippo gezahlt in den Büchern der Domverwaltung eingetragen findet. Dies alles geschah, um ihn für die Sache zu gewinnen. Filippo jedoch blieb bei seinem Vorsatz, verließ Florenz und kehrte nach Rom zurück, wo er ununterbrochen für dieses Werk Studien machte und sich vorbereitete, es zu vollenden. Denn er war überzeugt, daß außer ihm kein anderer es vermöchte. Den Rat, noch mehr Baumeister kommen zu lassen, hatte er nur gegeben, damit sie die Größe seines Geistes bewundern möchten, nicht aber weil er glaubte, sie würden Auftrag erhalten, diese Kuppel zu wölben und eine Last auf sich zu nehmen, die allzu schwierig war. Es verging viel Zeit, bevor aus verschiedenen Gegenden die Künstler kamen, die man durch florentinische Kaufleute hatte berufen lassen, die in Frankreich, Deutschland, England und Spanien wohnten und Anweisung hatten, kein Geld zu sparen, um von den Fürsten jener Länder die erfahrensten und besten Meister zu erhalten und diese zu schicken. Im Jahre 1420 endlich waren alle fremden und toskanischen Künstler und alle erfindungsreichen Meister der Zeichenkunst von Florenz in dieser Stadt beisammen, und auch Filippo kehrte von Rom dahin zurück. Im Hause der Domvorsteher kamen sie zusammen im Beisein der Konsuln, der Vorsteher und einer Auswahl der verständigsten Bürger, damit man die Meinung eines jeden vernehme und beschließen könne, wie jene Kuppel gewölbt werden solle.

Dort rief man einen nach dem andern vor und vernahm von einem jeden, was er über die Führung des Baues ersonnen hätte. Dabei war es sehr interessant, die seltsamen und verschiedenen Ansichten zu vernehmen, denn einer meinte, man müsse, um die Last zu stützen, Pfeiler vom Boden aufmauern, darauf die Gerüste stellen und darüber die Bogen wölben. Andere sagten, es würde gut sein, mit Schwammstein zu bauen, um dadurch die Last zu vermindern. Viele stimmten darin überein, in der Mitte einen Pfeiler zu errichten und die Kuppel ähnlich der von San Giovanni zu Florenz gleich einem Zeltdach zu bauen. Und endlich fehlte es nicht an einem, der meinte, man solle sie mit Erde ausfüllen und Pfennige darunter mischen, wenn sie aber gewölbt sei, Erlaubnis geben, daß jeder, der wolle, von dort Erdreich holen könne, wodurch in kurzem das Volk ohne Kosten den Schutt wegbringen würde. Filippo allein sagte, man könne sie ohne eine solche Menge Holzwerk, ohne Pfeiler und Erdreich, mit weit weniger Aufwand, als Bogen erfordern würden, und sehr leicht ohne Verstrebungen aufführen.

Die Konsuln, Werkmeister und Bürger, die glaubten, sie würden einen schönen Plan vernehmen, meinten, Filippo habe etwas Albernes gesagt und machten sich darüber lustig, verspotteten ihn, wandten sich von ihm ab und sagten, er solle von etwas anderem reden, dies sei der Rat eines Toren, wie er selbst einer wäre. Beleidigt durch solches Benehmen antwortete Filippo: »Meine Herren, überlegt, daß es nicht möglich ist, sie in anderer als in dieser Weise zu wölben, und ob Ihr mich auch verlacht, so werdet Ihr dennoch, wenn Ihr nicht hartnäckig sein wollt, anerkennen müssen, daß sie nur so und nicht anders ausgeführt werden darf und kann. Soll sie aufgeführt werden, wie ich es meine, so muß sie in weiten Spitzbogen laufen und muß doppelt werden, die eine Wölbung innen, die andere außen, so daß man zwischen beiden gehen kann. Auf den Ecken der acht Wände muß der Bau durch die Stärke der Steinverzahnungen verbunden werden, und ebenso muß an den Seiten eine Kette von Eichenholz hinlaufen. Ferner ist nötig, an Lichter, an Treppen und an die Wasserrohre zu denken, durch die der Regen abfließen kann, und keinem von Euch ist eingefallen, darauf zu achten, daß innen das Gerüst zur Mosaikarbeit angebracht werden muß und daß sonst noch eine Menge schwieriger Dinge zu erwägen sind. Ich aber, der ich sie gewölbt schaue, weiß, daß es kein anderes Mittel und keinen anderen Weg gibt, sie zu erbauen, als den, welchen ich gezeigt habe.« Filippo, der sich im Reden erhitzte und seine Gedanken klarzumachen suchte, damit man ihn verstehen möchte, brachte mehr und mehr Zweifel vor, so daß er immer weniger Glauben fand und für einen Toren und Schwätzer gehalten wurde. Mehrmals wurde ihm gesagt, er möchte gehen, weil er es aber nicht tat, ließ man ihn endlich als verrückt von den Gerichtsdienern aus der Versammlung führen, und diese Beschimpfung war schuld, daß er später sagte, er wage nicht, sich in irgendeinem Teil der Stadt sehen zu lassen, aus Furcht, man könnte rufen: Seht den Narren!

Die Konsuln blieben in der Versammlung zurück, verwirrt durch die schwierigen Vorschläge, welche die anderen Meister zuerst gemacht, und durch den letzten Rat Filippos, der ihnen albern vorkam. Denn sie meinten, er mache dies Werk durch zwei Dinge unausführbar, einmal weil er es doppelt bauen wollte, wodurch es ein übermäßig großes Gewicht bekommen werde, und zweitens, weil er es ohne Verschalung auszuführen gedenke. Filippo dagegen, der so viele Jahre Studien aufgewandt hatte, damit er diesen Bau vollführen könne, wußte nicht, was er tun sollte und hatte mehrmals die Absicht, von Florenz fortzugehen. Einzig der Wunsch, den Sieg davonzutragen, gab ihm Mut, sich mit Geduld zu wappnen, und er hatte genug gesehen, um zu wissen, daß die Einwohner unserer Stadt nicht lange bei einer Sache festbleiben. Ein kleines Modell hätte er zeigen können, wollte es aber nicht, weil er die geringe Einsicht der Obermeister, den Neid der Künstler und den Wankelmut der Bürger kannte, von denen einer diesen, ein anderer jenen begünstigte, wie es ihnen gefiel. Darüber wundere ich mich nicht, da in Florenz jeder einen Beruf daraus macht, in diesen Dingen Kenner zu sein gleich geübten Meistern, obwohl nur wenige davon etwas verstehen.

Was Filippo im Magistrat nicht vermocht hatte, suchte er unter der Hand zu betreiben, indem er bald mit einem der Konsuln oder Werkmeister, bald mit einem der Bürger redete, einen Teil seiner Zeichnungen vorwies und sie endlich dahin brachte, daß sie beschlossen, dies Werk entweder ihm oder einem jener fremden Künstler zu übertragen.

Hierdurch mutig geworden, versammelten sich die Konsuln, Werkmeister und Bürger, und die Künstler stritten über diesen Gegenstand, wurden aber alle durch genügend Gründe von Filippo besiegt, wobei man erzählt, daß der Streit mit dem Ei entstand: jene Meister hatten verlangt, Filippo möchte seine Meinung aufs genaueste sagen und sein Modell zeigen, wie sie es mit dem ihren getan hatten. Er aber wollte nicht, sondern schlug den fremden und einheimischen Künstlern vor, es solle die Kuppel bauen, wer auf einer Marmortafel ein Ei aufstellen könne – daran könne man ihren Verstand wahrnehmen. Ein Ei wurde geholt, und alle versuchten, es aufrecht zu stellen, keiner aber fand das Wie. Als daher Filippo gesagt wurde, so möge er es tun, nahm er es zierlich in die Hand, gab auf der Marmortafel der Spitze einen Druck und stellte es aufrecht hin. Die Künstler, welche dies sahen, lärmten und riefen, so hätten sie es auch gekonnt. Doch Filippo erwiderte lachend: »Ihr würdet auch wissen, wie die Kuppel zu wölben sei, wenn Ihr die Zeichnung oder das Modell gesehen hättet.« – Demnach wurde beschlossen, Filippo solle dies Werk zur Ausführung bringen. Es wurde ihm aufgetragen, die Konsuln und Werkmeister genauer zu unterrichten, und er ging nach Hause und schrieb so offen, als er nur immer konnte, seine Meinung auf ein Blatt, um es dem Magistrat in folgender Form zu übergeben:

»Da ich, geehrte Herren Obermeister, die Schwierigkeit dieses Baues beachtet habe, finde ich, daß man die Kuppel nicht völlig rund wölben kann. Die obere Fläche, wo die Laterne ist, würde dadurch so groß werden, daß sie sehr bald einstürzen müßte, wenn man eine Last darauf legen würde, und es scheint mir, daß jene Meister, die nicht an die ewige Dauer dieses Werkes denken, weder Liebe zum dauernden Gedächtnis zeigen, noch wissen, wozu sie es tun. Ich nun habe mich entschlossen, diese Wölbung innen in Zwickeln nach der Stellung der Wände zu bauen und ihnen das Maß und den Schnitt des Spitzbogens zu geben, denn dieses ist ein Bogen, der immer nach oben treibt. Setzt man nun hierauf die Last der Laterne, so wird eins dem anderen Dauer verleihen. Die Dicke des Gewölbes muß unten, wo es anfängt, drei und dreiviertel EllenDie Florentiner Elle mißt ungefähr 0,583 m. betragen, dann sich allmählich verjüngen, bis dahin, wo es sich schließt und wo die Laterne darüber kommt, und hier muß die Dicke ein und einviertel Ellen betragen. Von der äußeren Seite wird nun noch ein anderes Gewölbe darüber gebaut, um das innere vor dem Regen zu schützen. Dies wird unten zwei und eine halbe Elle dick und muß wiederum allmählich nach Verhältnis abnehmen, so daß es sich beim Anfang der Laterne schließt wie das andere und in der höchsten Höhe die Stärke von zwei Dritteln seiner unteren Dicke hat. Auf jedem Winkel errichte man einen Strebepfeiler, im ganzen acht, in der Mitte jeder Wand zwei, insgesamt sechzehn, und zwar müssen diese sechzehn Strebepfeiler auf der inneren und äußeren Seite der acht Wände jeder unten vier Ellen stark sein; die beiden Wölbungen lasse man verjüngt gemauert in gleichem Verhältnis nebeneinander hinlaufen bis zur Höhe des runden Fensters, das durch die Laterne geschlossen ist. Man führe die vierundzwanzig Strebepfeiler auf, baue umher die Wölbung und sechs starke und lange Bogen von Sandstein, gut mit verzinntem Eisenwerk befestigt, und bringe über jenem Sandstein eiserne Klammern an, welche die Gewölbe mit den Wandpfeilern verbinden. Von Grund auf muß man, ohne einen Zwischenraum zu lassen, bis in die Höhe von fünf und ein viertel Ellen im Vollen mauern, dann die Strebepfeiler weiterführen und die Wölbungen trennen. Der erste und der zweite Kreis von unten auf müssen beide überall durch lange, der Quere nach gelegte Sandsteine Festigkeit bekommen, so daß beide Wölbungen der Kuppel auf den letzteren ruhen. Und in der Höhe von neun Ellen zu neun Ellen in der Wölbung bringe man zwischen jedem Pfeiler kleine Gewölbchen an mit Verkettungen von starkem Eichenholz, welche die Strebepfeiler verbinden, die das innere Gewölbe tragen, und überdecke dann diese Eichenholzverkettungen mit Eisenplatten, was wegen der Treppen geschehen muß. Die Strebepfeiler baue man alle von Sand- oder Mergelsteinen und ebenso von Mergelsteinen die Wände der Kuppel bis in die Höhe von vierundzwanzig Ellen, wo sie mit den Wandpfeilern verbunden bleiben. Von da an aber muß mit Backsteinen oder Schwammsteinen gemauert werden, und zwar je nachdem der Meister, der das Werk zu vollenden hat, sie am leichtesten befindet. Außen umher über den Fenstern lasse man einen Gang laufen, der unten eine Galerie mit durchbrochener Brustwehr, zwei Ellen hoch, nach Verhältnis von denen der unteren Tribüne – oder vielmehr zwei Gänge bildet, einer über dem anderen über einem wohlverzierten Gesims, so daß der obere Gang unbedeckt bleibt. Um das Regenwasser von der Kuppel aufzufangen, baue man eine Marmorrinne, die ein drittel Elle Breite hat und das Wasser auf einer Seite ausspeit, die unter der Rinne mit Mergelsteinen gemauert ist. Außen auf der Oberfläche der Kuppel bringe man an den Ecken acht Marmorrippen von gehöriger Dicke an, die eine Elle hoch über die Kuppel emporstehen, mit Dachgesimsen versehen und zwei Ellen breit sind, so daß von allen Seiten First und Dachrinne ist, und diese müssen von ihrer Verzahnung bis zum Ende verjüngt laufen. Die Kuppel baue man nach der Art, wie oben gesagt ist und ohne Stützwerk dreißig Ellen hoch, von da an nach oben aber in der Weise, die von den Meistern geraten werden wird, die sie aufbauen, weil erst die Erfahrung lehrt, was man zu tun hat.«Die ganze Darstellung ist von Vasari einseitig zugunsten Brunelleschis verfaßt. Es lagen bereits mehrere Vorschläge vor. Die Denkschrift ist nicht in dieser Form von Brunelleschi allein eingereicht worden, sondern war gemeinsam mit Ghiberti und Battista de' Antonio verfaßt. Diese drei wurden denn auch 1420 gemeinsam zu Bauleitern bestimmt. Auch hat Ghiberti Modelle für Einzelheiten ausgeführt. Trotzdem bleibt Brunelleschi der Ruhm, der eigentliche Schöpfer der Domkuppel zu sein.

Als Filippo dies geschrieben, begab er sich des Morgens zum Magistrat und übergab sein Blatt den Vorstehern, die das Ganze überlegten. Zwar vermochten sie nicht alles zu verstehen, weil sie aber den kühnen Mut Filippos erkannten und sahen, wie keiner der anderen Meister auf festeren Füßen stand, er hingegen Sicherheit in seinen Reden zeigte und immer dasselbe so wiederholte, daß es schien, als habe er sicherlich schon zehn Kuppeln gewölbt, traten sie zusammen und beschlossen, ihm das Werk zu übergeben. Nur hätten sie zuvor gern eine geringe Probe gesehen, wie er das Gewölbe ohne Stützwerk mauern wolle; alle anderen Dinge billigten sie.

Diesem Wunsche war das Glück günstig, denn da Bartolommeo Barbadori in Santa Felicità eine Kapelle bauen lassen wollte und schon deshalb mit Filippo geredet hatte, begann er sogleich und ließ sie ohne alles Gerüst bauen. Dies verschaffte ihm mehr Glauben als seine Worte, und die Konsuln und Werkmeister, durch die Schrift und durch die Arbeiten, die sie von ihm gesehen hatten, sicher gemacht, übertrugen ihm den Bau der Kuppel. Sie ernannten ihn durch Wahlstimmen zum obersten Bauaufseher, gestatteten ihm jedoch nur, zwölf Ellen hoch zu gehen. Denn sie sagten, sie wollten erst sehen, wie das Werk gelinge; glücke es, wie er behaupte, so würden sie nicht unterlassen, ihm seine Vollendung zu übertragen. – Filippo erschien es seltsam, so viel Hartnäckigkeit und solchen Unglauben bei den Konsuln und Werkmeistern zu finden, und hätte er nicht gewußt, daß er allein dieses zu vollführen vermöge, würde er die Arbeit nicht übernommen haben. Voll Verlangen indes, solchen Ruhm zu gewinnen, begann er das angebotene Werk und verpflichtete sich, es vollkommen zu Ende zu bringen.

Als die Künstler und Bürger hörten, Filippo sei das Werk übertragen, erschien es den einen gut, den anderen schlimm, wie dies zu allen Zeiten mit den Meinungen des Volkes, der Schwätzer und der Neider gewesen ist. Während man daher die Steine herbeischaffte, um das Mauerwerk anzufangen, erhob sich unter den Künstlern und Bürgern eine Partei, die den Konsuln und Werkmeistern entgegentrat. Sie sagten, dies sei ein unüberlegter Schritt, und eine solche Arbeit dürfe nicht nach dem Gutdünken eines einzelnen unternommen werden. Wenn sie keine vorzüglichen Männer hätten, wie deren in Menge da wären, so möchte es ihnen zu verzeihen sein. So aber könne es nicht zur Ehre der Bürger ausschlagen. Denn wenn irgendein Unglück geschehe, wie es bei Bauten zuweilen zu kommen pflege, so werde man sie tadeln als Leute, die eine zu große Verantwortung einem einzigen auferlegt hätten, ohne den Schaden zu beachten und die Schande, die für die Gesamtheit daraus hervorgehen könnten. Es sei gut, Filippo einen Amtsgenossen zu geben und dadurch seinem Ungestüm Schranken zu setzen. In jener Zeit stand Lorenzo Ghiberti in gutem Ruf, da er schon bei den Türen von San Giovanni seine Geschicklichkeit und Einsicht bewiesen hatte, und es zeigte sich nunmehr deutlich genug, wie sehr er bei einigen der Machthaber beliebt war. Denn als sie sahen, wie der Ruf Filippos wuchs, brachten sie es unter dem Vorwand, als hätten sie große Liebe und Teilnahme für jenen Bau, bei den Konsuln und Werkmeistern dahin, daß Lorenzo ihm bei seinem Unternehmen an die Seite gegeben wurde. Welchen Verdruß Filippo empfand und wie er in Verzweiflung geriet, als er hörte, was die Werkmeister getan hatten, geht daraus hervor, daß er nahe daran war, aus Florenz zu entfliehen. Und wären nicht Donato und Luca della Robbia gewesen, die ihm Trost zusprachen, so würde er außer sich geraten sein. Denn eine ganz unmenschliche und grausame Wut steckt in denen, die, vom Neide blind gemacht, im Wettkampf des Ehrgeizes Ruhm und herrliche Werke in Gefahr bringen, und sicherlich waren nicht sie es, die verhinderten, daß Filippo seine Modelle zerschlug, seine Zeichnungen verbrannte und in weniger als einer halben Stunde verdarb, was er in einer Reihe von Jahren mit großem Fleiß ausgeführt hatte. Die Werkmeister entschuldigten sich bei Filippo und ermutigten ihn, vorwärts zu schreiten, indem sie erklärten, er und kein anderer sei der Erfinder und Urheber dieses Baues. Doch zahlten sie bei alledem Lorenzo dasselbe Gehalt wie Filippo. Dieser setzte das Werk mit weniger Lust fort, denn er wußte, daß er sich aller damit verbundenen Mühe unterziehen müsse, Ehre und Ruhm aber mit Lorenzo zu teilen habe. Einzig die Überzeugung machte ihm Mut, daß er Mittel finden werde, dies Verhältnis nicht allzulange dauern zu lassen. Und daher betrieb er mit Lorenzo zusammen fortwährend alles in der Weise, wie auf dem Blatt verzeichnet stand, das er den Vorstehern gegeben hatte. Unterdes entschloß sich Filippo, ein Modell auszuführen, was bis dahin noch nicht geschehen war. Er legte Hand daran und ließ es von einem Tischler arbeiten, der Bartolommeo hieß und seiner Werkstätte gegenüber wohnte. In diesem Modell, dessen Größenverhältnisse genau nach dem Gebäude selbst bemessen waren, brachte er alle schwierigen Dinge an: beleuchtete und dunkle Treppen, alle Lichtöffnungen, Türen, Strebepfeiler und Ketten und auch ein Stück der Galerie.

Lorenzo, der solches hörte, verlangte es zu sehen, und als Filippo es ihm verweigerte, wurde er zornig und machte Anstalten, auch ein Modell auszuführen, damit es nicht scheinen möchte, als werde ihm sein Gehalt umsonst bezahlt, sondern um zu beweisen, daß er auch zu etwas nutze sei. Für das Modell des Filippo wurden fünfzig Lire und fünfzehn Soldi bezahlt, dem Lorenzo Ghiberti gab man dreihundert Lire für Mühen und Kosten, die er bei seinem Modell aufgewandt habe. Und dies geschah mehr aus Freundschaft und Gunst, als daß es für jenen Bau nützlich und nötig gewesen wäre.

Diese Quälerei mußte Filippo bis zum Jahre 1426 aushalten, da Lorenzo stets gemeinsam mit ihm als Erfinder genannt wurde. Der Verdruß darüber war in Filippo so mächtig, daß er in großem Kummer lebte, und da er verschiedene neue Gedanken gehabt hatte, beschloß er, sich Lorenzo ganz vom Halse zu schaffen, denn er wußte, wie wenig er zu diesem Werke tauge.

Filippo hatte schon die Kuppel in beiden Wölbungen zwölf Ellen hoch mauern lassen; dort mußten nun die Ketten von Holz und Steinen gelegt werden. Darüber wollte er mit Lorenzo reden, um zu prüfen, ob er an diese Schwierigkeit gedacht habe. Lorenzo war aber so wenig in die Sache eingedrungen, daß er sagte, er überlasse dies ihm als dem Erfinder. Eine solche Antwort war Filippo sehr willkommen, weil ihm schien, dies sei der Weg, Lorenzo von der Arbeit zu entfernen und zu beweisen, daß er nicht jene Einsicht besitze, die ihm durch seine Freunde und durch die Gunst derer beigemessen wurde, die ihm zu dieser Stelle verholfen hatten. Alle Maurer waren zu dieser Arbeit bestellt und warteten auf Anweisung, wie sie den Bau oberhalb der zwölf Ellen fortsetzen und die Wölbungen befestigen sollten. Die Kuppel fing schon an, nach oben zusammenzudrängen, und es mußten die Gerüste gebaut werden, auf denen Maurer und Handwerker ohne Gefahr würden arbeiten können, da die mächtige Höhe beim bloßen Herunterschauen einen sonst sicheren Geist erschrecken und schwindeln machte. Die Maurer erwarteten von Filippo und den anderen Meistern zu vernehmen, wie diese Gerüste aufgeführt und die Ketten gelegt werden sollten. Weil aber weder von Lorenzo noch von Filippo etwas beschlossen war, entstand ein Murren unter den Handwerkern, daß die Sache nicht beschleunigt werde wie vordem. Da sie arme Leute waren, welche von ihrer Hände Werk lebten, und glaubten, es habe weder der eine noch der andere Mut genug, dies Werk höher zu führen, so schien ihnen das beste, wenn sie sich beim Bau weiter zu tun machten und alles, was bis jetzt gearbeitet war, noch einmal bewarfen und überputzten. Eines Morgens aber kam Filippo nicht zur Arbeit, legte sich mit umwickeltem Kopf ins Bett, schrie beständig und ließ sich in aller Eile Teller und Tücher wärmen, indem er sich stellte, als habe er Leibschmerzen. Die Meister, die dies hörten und in Erwartung standen, neue Anweisungen zu erhalten, fragten Lorenzo, was sie tun sollten. Doch dieser antwortete, Filippo habe die Anordnungen zu treffen, man müsse auf ihn warten. »Wie«, fragte einer, »kennst du seine Meinung nicht?« – »Ja«, antwortete er, »aber ich werde nichts ohne ihn tun.« Dies sagte er zu seiner Entschuldigung, weil er nie das Modell Filippos gesehen und nie gefragt hatte, welche Anordnungen jener treffen wolle, damit er nicht als unwissend erscheine. Als er daher von dieser Sache redete, war er auf sich allein gestellt und brachte lauter unsichere Worte vor, um so mehr, als er wußte, daß er wider den Willen Filippos an der Arbeit teilhatte. Das Übelsein des letzteren dauerte nun schon über zwei Tage, und der Bauinspektor und eine Menge von Maurermeistern, die ihn besuchten, fragten ihn ohne Unterlaß, was sie zu tun hätten. Er aber sprach: »Ihr habt Lorenzo, mag er einmal etwas schaffen.« Anderes konnten sie nicht aus ihm herausbringen. Als dies bekannt wurde, entstanden viele nachteilige Reden und Urteile über diesen Bau. Einige meinten, Filippo habe sich ins Bett gelegt aus Kummer, daß er nicht Mut genug besitze, die Kuppel zu wölben, und es ihn reue, sich dieser Aufgabe unterzogen zu haben. Seine Freunde dagegen verteidigten ihn und sagten, sein Verdruß komme von der Beschimpfung, daß Lorenzo ihm beigegeben wäre, sein Leibweh aber von der großen Anstrengung bei der Arbeit. Während so hin und her geredet wurde, stockte das Werk, und fast alle Arbeiten der Maurer und Steinmetze blieben liegen. Diese murrten nun über Lorenzo und sagten: »Den Lohn zu nehmen ist er gut, den Bau zu ordnen aber nicht. – Wäre nicht Filippo oder läge er lange krank, was würde er anfangen? Was kann jener dafür, daß er sich, so schlecht fühlt?« – Die Werkmeister, die sahen, wie ihnen dieses Verhalten Schande brachte, beschlossen, zu Filippo zu gehen, trösteten ihn erst wegen seines Krankseins und erklärten dann, in welche Verwirrung der Bau geraten sei und in welche Not seine Krankheit sie gebracht hätte. Da rief Filippo voll Leidenschaft, sowohl weil er krank zu sein heuchelte, als aus Liebe zu seinem Werk: »Was? Ist nicht Lorenzo da? Warum tut er nichts? Ich muß mich wirklich sehr über euch wundern!« – »Er will«, antworteten die Werkmeister, »ohne dich nichts unternehmen.« – »Ich aber wohl ohne ihn!« sprach Filippo mit Heftigkeit. Diese scharfe und doppelsinnige Antwort genügte ihnen. Sie erkannten, daß er krank war, weil er allein arbeiten wollte, schickten seine Freunde, ihn aus dem Bett zu holen und planten, Lorenzo nicht länger bei dem Unternehmen zu lassen. Filippo, der wieder auf den Bauplatz kam, sah, wie Lorenzo durch Begünstigung große Macht hatte und den Lohn ernten würde, ohne irgend Mühe aufzuwenden. Darum sann er auf ein anderes Mittel, ihn zu beschämen und ihn als wenig sachverständig in dieser Kunst hinzustellen. In dieser Absicht sagte er in Gegenwart Lorenzos zu den Vorstehern: »Meine Herren, wenn die Zeit, die wir zu leben haben, so sicher wäre, wie es schnell kommen kann, daß wir sterben müssen, würden wir sicher viele Dinge beendet sehen, die begonnen sind und jetzt unvollendet liegenbleiben. Das Übel, von dem ich befallen war, hätte dies Werk aufhalten und mir das Leben kosten können. Damit nun, wenn ich jemals wieder krank werde oder Lorenzo, was Gott verhüte – damit dann der eine oder andere von uns imstande ist, das Werk fortzusetzen, wie es ihm zukommt, habe ich gedacht, es möchte, wie Ihr das Gehalt zwischen uns geteilt habt, auch die Arbeit geteilt werden, so daß jeder von uns sich angetrieben fühlt, zu zeigen, was er kann, und nach Kräften unserer Republik Ehre und Nutzen zu schaffen. Zwei schwierige Dinge sind jetzt zu tun: das eine, die Gerüste für die Mauern zu errichten, die innen und außen beim Bau nötig sind und auf denen nicht nur die Menschen, sondern auch Steine und Kalk, die Winden, um Lasten heraufzuziehen, und andere ähnliche Werkzeuge Platz finden müssen. Das zweite, die Kette zu legen, die nun kommt, nachdem zwölf Ellen in die Höhe gebaut sind, denn diese muß die acht Wände der Kuppel umschließen und den Bau so zusammenhalten, daß alle Last, die darauf gestützt wird, gegeneinander drängt und nicht das ganze Gebäude von dem Gewicht Schaden leidet oder auseinandertreiben kann, sondern vielmehr gleichmäßig auf sich selbst ruht. Lorenzo mag von diesen beiden Dingen wählen, was er glaubt, am leichtesten ausführen zu können; Ich werde das andere nehmen und will es ohne Schwierigkeiten zu Ende bringen, damit keine Zeit mehr verlorengeht.« Lorenzo, der dies mit angehört hatte, konnte seiner Ehre wegen nicht ablehnen, eine der beiden Arbeiten zu übernehmen, und obwohl er es ungern tat, entschloß er sich doch, die Kette zu legen. Es schien ihm das leichtere, weil er sich dabei auf die Ratschläge der Maurer verließ und sich erinnerte, die Wölbung von San Giovanni von Florenz sei von einer Steinkette umschlossen, nach der er sich zum Teil, wenn auch nicht ganz, richten könne. Demzufolge begann der eine die Gerüste zu bauen, der andere die Kette zu legen, und beides wurde beendet. Die Gerüste Filippos waren mit so viel Sinn und Einsicht angeordnet, daß man wirklich dadurch das Gegenteil von dem erreicht sah, was viele sich vorher eingebildet hatten. Denn die Handwerker arbeiteten darauf völlig sicher, zogen Lasten auf und standen so fest, als ob sie auf ebener Erde wären. Die Modelle dazu blieben in dem Vorstehergebäude. Lorenzo dagegen führte auf einer der acht Wände die Kette mit großer Schwierigkeit auf, und als sie fertig war, zeigten die Vorsteher sie dem Filippo, der ihnen nichts sagte, mit einigen seiner Freunde aber davon redete und ihnen erklärte, es wäre ein anderes Band notwendig als dieses, und es müßte in anderer Weise gelegt werden, als es geschehen wäre. Dieses genüge nicht für die Last, welche darauf komme, weil es nicht genügend zusammenhalte. Das Gehalt, das Lorenzo gezahlt werde, sei mitsamt der Kette, die er gebaut habe, weggeworfenes Geld.

Die Rede Filippos wurde bekannt, und er erhielt nun den Auftrag zu zeigen, wie man es anfangen müsse, um eine solche Kette anzubringen. Da er Zeichnungen und Modelle schon fertig hatte, wies er sie sogleich vor. Hieraus erkannten die Vorsteher und andere Meister, in welchen Irrtum sie durch die Begünstigung Lorenzos geraten waren, und bestimmten, damit ihr Fehler wiedergutgemacht werde und man sehe, daß sie wüßten, was vorzüglich sei, Filippo solle lebenslänglich Aufseher und Leiter des Baues sein und nichts dabei geschehen, außer nach seinem Willen. Als Zeichen ihrer Anerkennung gaben sie ihm hundert Gulden und bestimmten ihm überdies ein lebenslängliches Gehalt von hundert Gulden. Nachdem er nunmehr Anordnung getroffen hatte, den Bau wieder in Gang zu bringen, führte er ihn mit solcher Genauigkeit und Pünktlichkeit fort, daß kein Stein gemauert wurde, denn er nicht angesehen hätte. Lorenzo aber, der sich besiegt und fast beschimpft sah, wurde von seinen Freunden so begünstigt und beschützt, daß er unter dem Vorwand, man könne ihn nicht einfach fortschicken, noch drei Jahre lang Gehalt bezog. Filippo machte ohne Unterlaß Zeichnungen und Modelle zu den kleinsten Dingen, für die Arbeiten der Maurer und für das Stützwerk, um Lasten aufzuziehen. Dennoch wurde von einigen boshaften Menschen, Freunden Lorenzos, nicht nachgelassen, ihn zur Verzweiflung zu bringen. Aber allmählich hörten die Gerüchte, die über den Künstler in Umlauf waren, auf, man sah, wie leicht sich der Bau wölbte, und seine leidenschaftlichen Gegner mußten schließlich zugeben, er habe einen Mut bewiesen, wie vielleicht kein Baumeister vor ihm in alten und neuen Zeiten. Denn er brachte jetzt sein Modell zum Vorschein, woran jeder sehen konnte, welche große Einsicht und Erfindung er bei der Anlage der Treppen gezeigt habe und bei den Fenstern innen und außen, damit man nicht im Dunkeln Schaden leide, welche verschiedenen Eisenstangen er an steilen Stellen zum Aufsteigen angebracht und wie er sogar an die Eisen gedacht hatte, die Gerüste im Innern zu befestigen, wenn dort jemals Mosaik oder Malereien ausgeführt werden sollten. Ferner hatte er genau bestimmt, wie die Wasserrinnen verteilt werden, wo sie bedeckt und wo unbedeckt laufen sollten, wo man Luftlöcher und Öffnungen anbringen müsse, damit die Luft durchstreichen und weder Dünste noch Erdbeben dem Werk Schaden bringen könnten. Kurz, er zeigte in allem, wie sehr seine Studien in Rom ihm von Nutzen gewesen waren. Wenn man außerdem überlegte, was er beim Schneiden, Fugen, Binden und Befestigen der Steine getan hatte, so sah man fast mit Beben, wieviel ein einziger Geist zu leisten vermag. Seine Fähigkeiten wuchsen immer mehr, und es gab keinen Gegenstand, wenn er auch noch so schlimm und schwierig war, den er nicht leicht und einfach bewältigt hätte. Unter anderem zeigte er dies beim Aufziehen der Lasten, die er durch Gegengewichte und Räder emporwinden ließ, die ein einziger Ochse zog, während sonst kaum sechs Paar dazu genügt haben würden. Der Bau war nunmehr schon so emporgewachsen, daß es große Unbequemlichkeiten machte, wieder herunterzukommen, wenn man einmal hinaufgestiegen war. Die Meister und Bauleute verloren nicht nur viel Zeit, wenn sie zum Essen und Trinken gingen, sondern litten auch sehr unter der Hitze des Tages. Deshalb traf Filippo Anordnungen, daß in der Kuppel Weinschenken und Küchen eingerichtet wurden und keiner früher als am Abend nach Hause zu gehen brauchte, was für jene große Bequemlichkeit brachte und für die Arbeit höchst vorteilhaft war.

Filippo, der das Werk schnell wachsen und wohl gelingen sah, wurde immer eifriger und war in rastloser Tätigkeit. Er selbst ging nach der Brennerei, wo die Backsteine gestrichen wurden, wollte, die Erden sehen, wie sie gemischt und gebrannt wurden und suchte sie mit aller Sorgfalt selbst aus. Bei den Steinen, die zugehauen wurden, sah er nach, ob sie ohne Risse und hart wären, und gab den Steinmetzen Modelle von Holz oder Wachs oder in der Eile nur aus Rüben geschnitten, um die Durchschnitte und Fugen danach zu arbeiten. Dasselbe tat er mit dem Eisenwerk bei den Schmieden; er erfand die Haspen, die Widerhaken und Wandhaken und schaffte der Baukunst großen Vorteil, indem er sie zu einer Vollkommenheit brachte, die bei den Toskanern noch nicht erreicht worden war.

Man sah nunmehr schon die beiden Wölbungen gegen das runde Fenster zu, wo die Laterne anfangen sollte, sich schließen, und Filippo, der in Rom und Florenz viele Modelle in Erde und Holz hierfür gearbeitet hatte, ohne sie jemandem zu zeigen, mußte sich endlich entscheiden, welches er zur Ausführung bringen wollte. Deshalb beschloß er, die Galerie zu beenden und entwarf dazu verschiedene Zeichnungen, die nach seinem Tode den Vorstehern blieben, durch die Nachlässigkeit der Verwalter jetzt aber nicht mehr vorhanden sind. In unseren Tagen erst wurde, um das Werk zu beenden, auf einer der acht Wände ein Stück der Galerie gebaut, wurde aber, weil es nicht mit jener Anordnung übereinstimmte, auf den Rat von Michelangelo nicht ausgeführt. Filippo arbeitete außerdem mit eigener Hand ein Modell zur achtseitigen Laterne genau im Verhältnis zur Kuppel, das wirklich in Erfindung, Mannigfaltigkeit und Ausschmückung außerordentlich gelungen ist. Darin brachte er die Treppe an, die nach der Kugel hinaufführt, eine höchst bewundernswerte Sache. Weil er aber mit ein wenig Holz unten die Stelle verstopft hatte, wo man hineinging, kannte diese Treppe niemand als er selbst. Doch obgleich er sehr gerühmt wurde und den Neid und Dünkel vieler niedergeschlagen hatte, konnte er, als sein Modell gesehen worden war, doch nicht verhindern, daß alle Meister in Florenz nach verschiedener Weise auch solche ausführten, ja sogar eine Dame aus dem Hause Gaddi wagte es, mit Filippo in Wettbewerb zu treten. Dieser lachte über den Eigendünkel der anderen, und als viele seiner Freunde ihm den Rat gaben, keinem Künstler mehr sein Modell zu zeigen, damit sie nicht daran lernen mögen, antwortete er: »Eins nur ist das richtige Modell, die anderen sind zu nichts nütze.« Ja, als er sah, daß einige Meister bei ihren Modellen seines zum Teil nachgeahmt hatten, sagte er: »Das veränderte Modell, das dieser auszuführen verspricht, wird mein eigenes sein.«

Filippo wurde sehr gerühmt. Nur weil man die Treppe nicht sah, um zu der Kugel hinaufzusteigen, beschuldigte man ihn, sein Plan sei fehlerhaft, und die Vorsteher beschlossen zwar, ihm die Arbeit zu übertragen, jedoch unter der Bedingung, daß er ihnen die Treppe zeige. Da nahm Filippo bei seinem Modell das Stückchen Holz weg, das er unten vorgemacht hatte, und zeigte seine Treppe in einem der Pfeiler, der das Aussehen eines leeren Blasrohres, auf der einen Seite der Länge nach aber eine Vertiefung hat, in der Bronzestäbe sind, auf denen man vom einen zum andern allmählich nach oben steigt. Filippo, der zu alt war, als daß er während seines Lebens noch hätte die Laterne vollendet sehen können, verlangte in seinem Testament, sie solle nach seinem Modell und dem, was er schriftlich hinterlassen habe, gemauert werden, sonst müsse, so versicherte er, der Bau zusammenstürzen. Denn da er im Spitzbogen gewölbt sei, müßte er durch die Last gedrückt und stärker gemacht werden.

Vollendet sah er vor seinem Tode dies Werk nicht, doch führte er die Laterne mehrere Ellen in die Höhe und ließ fast alle Marmorarten, welche dazugehörten, schön bearbeiten und hinbringen. Die Leute sahen diese mächtigen Blöcke anlangen, sie erstaunten, wie es möglich sei, daß er dem Gewölbe eine solche Last auflegen wolle, und viele verständige Menschen meinten, es könne sie nicht tragen. Es schien ihnen ein großes Glück, daß er den Bau bis dahin geführt habe, ihn aber mit solchem Gewicht zu beschweren, meinten sie, hieße Gott versuchen. Filippo lachte darüber, setzte alle Maschinen und Werkzeuge in Bereitschaft, welche dienen sollten, sie zu mauern und ließ nicht ab, alle Kleinigkeiten vorher zu bedenken und Vorkehrungen dazu zu treffen.

Wie schön dies Gebäude ist, bezeugt es selbst, und man kann zuversichtlich sagen, daß die Alten niemals ihre Bauten so hoch geführt noch sich der Gefahr ausgesetzt haben, mit dem Himmel wetteifern zu wollen, wie es dies Gebäude in Wahrheit zu tun scheint. Es ragt so weit empor, daß man meint, es sei den Bergen von Florenz gleich, und fast scheint es, als ob der Himmel deshalb eifersüchtig wäre, denn seine Blitze fallen täglich darauf nieder.

Während die Kuppel von Santa Maria del Fiore errichtet wurde, führte Filippo noch viele andere Bauten aus. Zunächst arbeitete er mit eigener Hand im Auftrage der Familie Pazzi das Modell zum Kapitelsaal von Santa Croce zu Florenz, eine vielfältige und sehr schöne Sache;Die sogenannte Pazzi-Kapelle. dann das Modell zum Hause der Busini, eine Zweifamilienwohnung,Palazzo Conte Bardi in Florenz (Via de' Benci No. 3) mit schönem Hof, zu Unrecht dem Brunelleschi zugeschrieben. und das Modell zum Haus und der Loggia der Innocenti,Das Findelhaus. deren Wölbung ohne Gerüst gebaut wurde, ein Verfahren, das heutigen Tages von jedermann beobachtet wird. Man sagt, Filippo sei nach Mailand berufen worden, um für den Herzog Filippo Maria das Modell zu einer Festung auszuführen, und habe deshalb seinem sehr nahen Freunde Francesco della Luna die Sorge für den Bau des Findelhauses in Florenz übertragen. Jener Francesco brachte als Einfassung einen Architrav an, der sich von oben nach unten verstärkt, was nach der Regel der Baukunst falsch ist. Als daher Filippo bei seiner Rückkehr ihn schalt, sagte er: »Ich habe es vom Tempel San Giovanni entnommen, der antik ist.« – »Ein einziger Fehler«, rief Filippo, »ist an jenem Gebäude, und den hast du nachgeahmt!«

In derselben Zeit wurde in Florenz die Kirche San Lorenzo angefangen, welche die Einwohner erbauen ließen. Sie ernannten bei diesem Werk den Prior zum Obermeister, weil er angab, sachverständig zu sein und sich zum Zeitvertreib mit der Baukunst beschäftigte.Matteo di Bartolommeo Dolfini.. Schon hatte man begonnen, einige Pfeiler von Backsteinen auszuführen, als Giovanni di Bicci aus dem Hause der Medici, der den Einwohnern und dem Prior versprochen hatte, auf seine Kosten die Sakristei und eine Kapelle zu erbauen, Filippo eines Tages zum Essen bei sich sah. Nach mancherlei Gesprächen fragte er, was dieser zum Bau der Kirche San Lorenzo meine. Filippo, durch die Bitten Giovannis gezwungen, seine Ansicht kundzugeben, mußte, um der Wahrheit treu zu bleiben, dieses Werk in vielen Stücken tadeln: es sei von jemand angeordnet, der in derlei Dingen vielleicht mehr Gelehrsamkeit als Erfahrung besitze. Giovanni fragte Filippo, ob man wohl etwas Besseres und Schöneres ausführen könne, worauf jener erwiderte: »Sicherlich kann man das, und ich wundere mich, daß Ihr als das Haupt dieses Unternehmens nicht einige tausend Skudi aufwendet und ein Kirchenschiff errichten laßt, des Ortes und der vielen ehrenvollen Grabmäler würdig. Bedenkt, daß, wenn Ihr in dieser Weise anfangt, die anderen bei ihren Kapellen Euch nach besten Kräften werden nachzuahmen versuchen, und besonders, daß dann keine Erinnerung von uns bleibt als die Mauern, die nach Jahrhunderten und Jahrtausenden noch von dem, der ihr Urheber war, Zeugnis geben.« Durch die Worte Filippos angefeuert, beschloß Giovanni, die Sakristei, die Hauptkapelle und das ganze Schiff der Kirche aufzubauen, obgleich nur sieben Familien dem beitraten, da die anderen nicht die Mittel dazu hatten. Die Sakristei war das erste, was von dem Bau vorwärts ging, hierauf auch allmählich die Kirche, und weil sie sehr lang war, wurden nach und nach auch anderen einheimischen Bürgern Kapellen zugestanden. Noch war die Sakristei nicht ganz eingedeckt, als Giovanni de' Medici in ein anderes Leben überging. Sein Sohn Cosimo jedoch besaß noch höheren Eifer als der Vater und fand Vergnügen an Denkmälern. Deshalb wurde dieses Werk von ihm fortgesetzt. Es war das erste, was er baute, und dieses machte ihm so viel Freude, daß er fortan bis zu seinem Tode immer wieder mauern und bauen ließ. Durch seinen Eifer angeregt, besorgte Filippo den Ausbau der Sakristei und Donato die Stuckverzierung, die Steinzieraten der kleinen Türen und die Bronzetüren. Inmitten der Sakristei, in der die Geistlichen ihre Meßgewänder anlegen, ließ er das Grabmal seines Vaters Giovanni unter einer Marmortafel errichten, die vier kleine Pfeiler tragen, und an demselben Ort ließ er sein Familienbegräbnis bauen, das der Frauen von dem der Männer gesondert. In einer der kleinen Zellen, die in der Sakristei zu beiden Seiten des Altars liegen, brachte er in einer Ecke einen Brunnen und ein Becken zum Händewaschen an, kurz, alles ist bei diesem Werk mit großer Einsicht geordnet. Giovanni und die anderen Bauherren hatten bestimmt, der Chor solle in die Mitte unter die Kuppel kommen. Cosimo aber ließ dies ändern und mit Zustimmung Filippos die Hauptkapelle, die erst eine kleine Nische werden sollte, größer ausführen, damit der Chor gebaut werden könne, wie man ihn nunmehr sieht. Als dies beendet war, blieb noch die mittlere Kuppel und der Rest der Kirche zu vollenden. Beides jedoch wurde erst nach dem Tode Filippos gearbeitet.

Während jener Bau ausgeführt wurde, wollte Cosimo de' Medici einen Palast für sich errichten lassen. Er teilte Filippo seine Absicht mit, und dieser stellte alles andere zurück und arbeitete ein wunderbar schönes und großes Modell, nach dem jener Palast, ringsum freistehend, auf dem Platz gegenüber San Lorenzo erbaut werden sollte. Sein Talent zeigte sich dabei so herrlich, daß es Cosimo ein zu prächtiges und großes Gebäude schien und er es nicht aufführen ließ, weniger um der Kosten willen, als um nicht Neid zu erwecken. Während Filippo sein Modell arbeitete, pflegte er zu sagen: er wisse dem Schicksal für die Gelegenheit Dank, denn er solle nun ein Haus bauen, wie er es viele Jahre schon gern getan hätte, und er habe jemand gefunden, der es ausführen lassen wolle und könne. Als er dann aber hörte, daß es nicht geschehen werde, zerriß er voll Zorn seine Zeichnung in tausend Stücke, und Cosimo bereute, als er seinen Palast nach einem anderen Plan erbaut hatte, nicht lieber der Angabe Filippos gefolgt zu sein, von dem er oft zu sagen pflegte, er habe nie mit einem Manne von größerer Einsicht und mehr Mut geredet. Für die vornehme Familie der Scolari arbeitete Filippo das Modell des sehr eigenartigen Tempels der Angeli, der unvollendet blieb.Santa Maria degli Angeli. Wäre wirklich jene Kirche nach diesem Modell beendet worden, dann würde sie eins der ungewöhnlichsten und erlesensten Bauwerke Italiens sein, denn was man davon sieht, ist nicht genug zu rühmen. Auf Anordnung Filippos wurde auch der reiche und herrliche Palast von Herrn Luca Pitti außerhalb des Tores San Niccolò von Florenz an einem Orte erbaut, der Rucciano heißt. Noch viel schöner jedoch ist ein anderer, den er innerhalb der Stadt für denselben Herrn anfing und in solcher Größe und Pracht bis zum zweiten Stockwerk führte, daß man in toskanischer Bauart nichts gesehen hat, was herrlicher und reicher wäre. Herr Luca ließ jenen Palast wegen der Lasten, die er für den Staat tragen mußte, unvollendet.Der Palazzo Pitti ist kein Werk Brunelleschis, sondern erst zwölf Jahre nach seinem Tode begonnen worden. Der ursprüngliche Bau blieb 1466 liegen, da Luca Pitti an einer Verschwörung gegen die Medici teilgenommen hatte. Die Erben, denen es an Mitteln fehlte ihn fortzuführen, waren zufrieden, ihn schließlich der Herzogin zu überlassen, damit er nicht verfiel.Eleonora von Toledo, die Gemahlin des Herzogs Cosimo I., hat ihn 1549 erworben.

Als Filippo neunundsechzig Jahre alt geworden war, ging am 16. April 1446 sein Geist zu einem besseren Leben über, nachdem er sich bemüht hatte, die Arbeiten zu vollbringen, die ihm auf Erden Ruhm erwarben und den Frieden des Himmels verdienten. Sein Tod versetzte seine Vaterstadt in große Trauer, die ihn nach seinem Sterben weit mehr ehrte, als sie während seines Lebens getan hatte. Er wurde mit feierlichem Leichengepränge in Santa Maria del Fiore beigesetzt, obgleich seine Familiengruft in San Marco gelegen war.

Filippo wurde von einer großen Zahl von Künstlern beweint, die seine Freunde waren, besonders aber von den Ärmsten, denen er immer Gutes getan. Da er ein so christliches Leben führte, blieb der Welt das Gedächtnis seiner Güte und seiner seltenen Fähigkeiten. Mir scheint, man kann wohl sagen, es habe seit den Tagen der alten Griechen und Römer keinen seltneren und herrlicheren Geist gegeben als ihn, und er verdient um so größeres Lob, als zu seinen Lebzeiten in ganz Toskana der deutsche Stil allgemein verehrt und von allen Künstlern geübt wurde. Er fand die antiken Gesimse wieder und führte die toskanische, korinthische, dorische und ionische Säulenordnung zu ihrer ursprünglichen Form zurück.

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