Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Egon Friedell >

Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 93
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
Schließen

Navigation:

Die Bilderschrift

Es gibt dreierlei Möglichkeiten, Vorstellungen durch die Schrift zum Ausdruck zu bringen. Die eine ist die reine Bilderschrift, bei der man wieder die eigentliche Bilderschrift oder Piktographie und die symbolische Bilderschrift oder Ideographie unterscheiden kann. Die Piktographie ist die einfachste und natürlichste Form; sie wird bereits von jedem Kind gehandhabt. Wenn es Wörter wie »Blatt«, »Zimmer«, »Teller« wiedergeben will, so zeichnet es ein gestieltes Oval, ein Viereck, einen Kreis. Aber bei vielen, besonders bei den abstrakten Begriffen erweist sich diese Übertragungsweise als unzulänglich. Hier muß die symbolische Bildersprache aushelfen. Sie ist auch in unserer Welt noch nicht ganz ausgestorben. Sie findet zum Beispiel bei Aushängeschildern noch bisweilen Verwendung: 186 eine Kanne bezeichnet ein Wirtshaus, eine Schüssel eine Rasierstube, ein Schlüssel eine Schlosserwerkstatt; ferner in Wörterbüchern: Dort bedeutet ein Komet, daß ein Wort selten ist, ein Galgen, daß es der Gaunersprache angehört, eine Münze, daß es ein kaufmännischer, ein Anker, daß es ein nautischer Fachausdruck ist. Jedermann bekannt sind auch die Zeichen in Kursbüchern. Viele Völker haben mit Ideogrammen ihr Auskommen gefunden, unter anderen die Azteken, aber auch die Chinesen besitzen viele: So bedeutet zum Beispiel Mund + Vogel: »singen«, Flamme + tanzen: »Irrlicht«, ja manche Zusammensetzungen sind geradezu humorvoll, wie Hand + Stock = Vater, zwei Weiber = Zank, Tugend + Weib = Geschwätzigkeit (die Tugend des Weibes).

Die zweite Methode kann man als Rebusschrift bezeichnen. Sie arbeitet mit Phonogrammen, die den bloßen Lautwert einer Silbe darstellen. Nach diesem System vermag ein aufgezeichneter Arm auch die Vermögenslage »arm« zu bedeuten oder ein gebückter Mann am Stabe: XXX (das Zeichen für »alt«) auch die Stimmlage Alt. Solche Phonogramme besitzen die Chinesen ebenfalls in großer Anzahl, und außerdem benützen sie Determinative oder Deutzeichen, die angeben, zu welcher Begriffsgruppe ein Wort gehört. Die Silbe ma, »Pferd«, zum Beispiel bedeutet mit dem Deutzeichen für Edelstein »Achat«, mit Wurm »Blutegel«, mit Holz »Brett«, mit Mund »schelten«.

 << Kapitel 92  Kapitel 94 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.