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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 92
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Der Stein von Rosette

Zur Heliopolitenzeit gab es sicher auch schon eine ägyptische Schrift. Man glaubte lange, die Hieroglyphen seien eine reine Bilderschrift, in der jedes Zeichen ein geheimnisvolles Symbol bedeute, und erging sich in den abenteuerlichsten Lesungen. Dies änderte sich mit einem Schlage durch den »Stein von Rosette«, einen großen schwarzen Granitblock, der von den Soldaten Bonapartes bei Schanzarbeiten zufällig entdeckt wurde. Er enthielt eine lange Dankadresse des Priesterkollegiums von Memphis an einen der ptolemäischen Könige, und zwar, wie sie selbst am Schlusse hervorhebt, »in heiliger, in 185 landesüblicher und in griechischer Schrift«. Damit war zunächst erwiesen, daß das Ägyptische ebenso eine Buchstabenschrift ist wie das Griechische, und auf Grund einiger Eigennamen vermochte man auch eine Art Alphabet aufzustellen. Aber erst 1822 gelang es dem Genie François Champollions nach zehnjährigem Studium, die volle Lösung zu finden. Nachdem er einmal den Schlüssel in der Hand hielt, schritt die Arbeit rüstig vorwärts und ihre Frucht war eine vollständige ägyptische Grammatik und ein reichhaltiges Wörterbuch. Spätere Forschungen und Entdeckungen haben diese Resultate nur zu bestätigen vermocht, und heute, nach rastlosem Weiterdringen der neuen, besonders durch deutsche Gelehrte geförderten Wissenschaft, bietet ein ägyptisches Schriftstück dem Eingeweihten keine größeren Entzifferungsschwierigkeiten als ein altgriechisches oder japanisches; es ist zwar noch heute vielfach der Glaube verbreitet, die Erlernung der Hieroglyphen sei sehr mühsam, sie ist aber sogar besonders leicht und dabei überaus amüsant. So haben durch das Zusammentreffen eines einzigen Fundes und eines einzigen Kopfes Jahrstausende eine Stimme bekommen.

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