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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 84
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Die vordynastische Zeit

Flinders Petrie, der sowohl der Zeit als dem Range nach als der erste Kenner der ägyptischen Vorgeschichte gelten darf, läßt die »vordynastische« Zeit um 8000 vor Christus beginnen; es hat danach also schon vor zehntausend Jahren eine ägyptische Kultur gegeben. Die ältesten Funde gehen bis hinter das Jahr 5000 zurück. Der untersten Schicht entspricht die Badarikultur, so genannt nach ihrem Hauptfundort in Oberägypten, die der Jungsteinzeit angehörte und sich mit der Kultur der Nubier berührte. Es gibt daher auch eine Theorie, die 168 annimmt, daß die Ägypter mit diesen ursprünglich eine gemeinsame, die protoägyptische oder urägyptische Rasse gebildet haben. Die Bestattungsform war das Schachtgrab, in der frühesten Zeit war aber höchstwahrscheinlich die Verbrennung der Leichen mitsamt ihren Beigaben das Übliche gewesen. Die mittlere Schicht bildet die sogenannte »erste Kultur« aus Nagada in der Nähe von Theben. In dieser waren Jagd und Fischfang vorherrschend. Es war bereits eine Steinkupferzeit, denn die Hockerleichen, die der Salzgehalt des Wüstenbodens bis heute konserviert hat, waren in Ziegenfelle gehüllt, die mit Kupfernadeln zusammengehalten waren. In den Gräbern fanden sich meist mehrere Leichen, auch Hunde und einmal sogar drei Esel. Die alten Ägypter haben den Hund, der schon damals »auau« hieß, sehr geliebt, und besonders das Windspiel war auf der Jagd und im Garten ihr ständiger Begleiter; heute hat sich das vollkommen geändert: dem mohammedanischen Fellachen gilt der Hund als unrein, nur schakalähnliche, herrenlose Tiere treiben sich noch im Lande herum, und »Hundesohn« ist eines der gebräuchlichsten Schimpfwörter, mit dem ein zorniger Vater auch bisweilen unüberlegt sein eigenes Kind apostrophiert. Aus der Nagadazeit stammt auch die Statuette einer Frau aus gebranntem Nilschlamm mit dicken Schenkeln, starkem Gesäß und Hängebrüsten: das Schönheitsideal war also damals noch ein anderes. Außerdem ist sie tätowiert und geschminkt: die letztere Sitte hat bei den Ägyptern zu allen Zeiten geherrscht und sich bei den Frauen bis zum heutigen Tage erhalten; sie haben sich immer die Augen leuchtend mit Farbe unterlegt wie in der Großen Oper: spätere Gräber haben auch Paletten aus Schiefer mit Schminke aus Malachit zutage gefördert.

Den Übergang zur historischen Zeit bildet die »zweite Kultur«, in der bereits Ackerbau und Viehzucht im Vordergrund stehen. Sie unterscheidet sich auch dadurch von der ersten 169 Kultur, daß sie vom Nordosten Ägyptens ausging, während diese ihr Zentrum im Süden hatte. Ob sich die zweite Kultur erobernd oder kolonisierend über die erste schob, ist nicht mehr festzustellen. Gewisse Hieroglyphen tragen deutlich den Stempel der zweiten Kultur (zum Beispiel hat die Keule die Birnenform, der Pfeil die querschneidige Spitze, beides Waffenarten, die nur dieser Kultur eigentümlich sind), und man glaubt daraus schließen zu dürfen, daß erst sie die Schrift brachte. Doch kann das auch ebensogut in einer politischen und kulturellen Vorherrschaft seinen Grund haben, die diese Zeichen gegen frühere durchsetzte.

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