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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 74
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Die ägyptische Wirtschaft

An Bauholz hat der Ägypter immer Mangel gelitten, da die Palmen dafür zu wertvoll, die Stämme der Akazie und Sykomore aber knorrig und krumm waren. Schon aus diesem Grunde konnte seine Wirtschaft nicht isoliert bleiben. Er bezog alle möglichen Sorten Hölzer, von den rohesten bis zu den kostbarsten, aus Asien; aus Nubien Ebenholz. Vom Libanon kam, zusammen mit dem hochgeschätzten Zedernöl, vortreffliches Nadelholz. Uralte Beziehungen bestanden zur Sinaihalbinsel, die, ein gleichschenkeliges Dreieck von der Größe Siziliens, den Riegel zwischen Asien und Afrika bildet. Ihre 147 Bergwerke lieferten Türkise, Kupfer und Kupferspat, den die Griechen Malachit, die Ägypter Grünstein nannten, während der »Blaustein«, unser Lapislazuli, aus den medischen Bergen kam. Seeverkehr bestand schon im Alten Reich, aber fast nur mit Phönizien, so daß man die Meerschiffe, die stärker und größer waren als die Nilsegler, nach dem phönizischen Haupthandelsort, »Byblosfahrer« nannte. Die Hauptartikel, die dort eingetauscht wurden, waren Weine und Buckelrinder. Auf dem Seeweg wurde auch Punt erreicht, das »Weihrauchland« am Südausgang des Roten Meeres, dem Golf von Aden. Seine Bewohner lebten in bienenkorbförmigen, auf Pfählen erbauten Rundhütten und exportierten nach Ägypten wohlriechende Hölzer und Harze, Windhunde, Affen, Pantherdecken, vor allem aber die Myrrhe, das Öl von der »Weihrauchsykomore«, denn das Räuchern spielte im ägyptischen Leben eine große Rolle: im Tempel, beim Totenkult, bei der Huldigung vor dem König, aber auch im Hause zur Ehrung des Gastes. Unternubien, das Land zwischen dem ersten und zweiten Katarakt, wo die Berge meist dicht an den Fluß herantreten, nannten die Ägypter Wewet; beim zweiten Katarakt beginnt der Sudan, auf deutsch »Land der Schwarzen«, das ägyptische Kusch. Die Nubier, die von den Griechen Äthiopier genannt wurden (während die moderne Ethnologie unter diesem Sammelbegriff die Nordafrikaner versteht) fungierten als Sklaven, Soldaten, Polizisten (sie dienen auch heute noch zahlreich im ägyptischen Heer) und lieferten neben dem bereits erwähnten Ebenholz und Elfenbein Löwen- und Tigerfelle, Straußenfedern, Akazienbretter, vor allem Gold. Selbst die Pygmäen Innerafrikas waren von alters her in Ägypten zu finden; sie bekleideten nicht selten den Posten des Hofzwergs.

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