Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Egon Friedell >

Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 51
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
Schließen

Navigation:

Undine

Das Mittelmeer ist ein sogenanntes »geschlossenes Meer«. Dadurch erhält die Geschichte des Altertums gleichfalls etwas Geschlossenes und Übersichtliches, Prägnantes und Dichtes, Klares und Ebenmäßiges; auch infolge ihrer feinen und scharfen Gliederung sowohl in räumliche wie in zeitliche Abschnitte, die sich einprägsam voneinander abheben. Die Volksindividualitäten des Altertums waren profilierter, umrissener, »charaktervoller« als die heutigen, weil sie noch auf sich selbst und ihre Heimaten mehr angewiesen waren als wir. Sie waren in höherem Maße Gewächse und vollkommenere Gewächse, aber dafür auch erdiger, bodengebundener, ungeistiger. »Alles Schöne ist ein Herausschneiden« sagt Friedrich Theodor Vischer. Dies gelingt bei den antiken Objekten und Subjekten viel besser als bei den modernen. Sie sind dankbarere Gegenstände der ästhetischen Betrachtung, simpler, bildhafter, porträtabler. Gerade ihre Einfachheit ist es, die uns veranlaßt, ihnen eine eigentümliche Größe zuzubilligen. Gestalten wie Homer und Hiob, Zarathustra und Cäsar hat schon das Mittelalter nicht mehr hervorgebracht. Der Mensch Mediterraniens war durchsichtig wie das glasblaue Meer, das ihn geboren hat. Aber er ist auch darin ein Kind des Wassers, daß er gleich Undine, der schönen Seenixe, keine Seele besitzt.

 << Kapitel 50  Kapitel 52 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.