Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Egon Friedell >

Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 467
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
Schließen

Navigation:

Apelles

Parallel mit dem erwachenden Geist der Wissenschaftlichkeit ging im ausgehenden Mittelalter die Ausbildung der Ölmalerei, und eine ähnliche Erscheinung findet sich auch im Zeitalter des Aristotelismus. Es ist die Enkaustik, die »Einbrennmalerei«, bei der Wachsfarben mit einem glühenden Stäbchen dem Malgrund eingebrannt wurden, ein verlorengegangenes Verfahren, das die Wärme, Leuchtkraft und Dauerhaftigkeit des Ölbilds erzielte, ohne den Nachteil des Nachdunkelns. Eine Vorstellung von dieser Art von Gemälden gibt die Aldobrandinische Hochzeit, die 1606 aufgefundene Kopie nach einem Vorbilde des vierten Jahrhunderts, entstanden in der augusteischen Zeit, bis 1818 in der Villa Aldobrandini. In Freskofarben auf Stuck sind die Vorbereitungen zu einer Hochzeit dargestellt; in der Mitte die schamhaft zögernde Braut und Aphrodite, die ihr liebevoll zuredet; danebengelagert ein Jüngling mit feurigen Blicken: Hymenaios, der Hochzeitsgott; rechts musizierende und opfernde Mädchen, links die Brautmutter, mit Dienerinnen das Bad bereitend. Die goldbraunen, dunkelgrünen, bläulichweißen und lichtvioletten Töne sind sehr delikat gegeneinander abgestimmt. Als legitimer König im Reiche des Pinsels galt unbestritten Apelles, geboren um 370, der Maler Philipps und Alexanders: besonders an seinem Alexander als Zeus mit dem Blitz in der Rechten wurde die übermächtige Gewalt der Erscheinung und die erschreckende 950 Naturwahrheit der Hand gerühmt, und seinem Reiterbildnis des Königs sollen die Pferde zugewiehert haben. Seine Aphrodite Anadyomene für den Asklepiostempel der Insel Kos, die, das nasse Haar mit den Händen auspressend, aus der leuchtenden Meerflut emportauchte, wurde in unzähligen Versen gepriesen. Ein interessantes und malerisches Experiment war es, daß man ihren Unterkörper durchs Wasser schimmern sah, während der Alexander mit dem Blitz das Problem des Widerscheins behandelte. Derlei Aufgaben lagen offenbar in der Zeit: Pausias, ein Mitschüler des Apelles, malte einen feueranblasenden Knaben, und bei Antiphilos, dem Nebenbuhler des Meisters, konnte man das Gesicht seiner trinkenden Methe durch das Glas des Bechers erblicken.

 << Kapitel 466  Kapitel 468 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.