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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 43
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Die Metallzeit

Hier befinden wir uns bereits im Übergang zur Metallzeit. Das erste Metall, das bearbeitet wurde, war das Kupfer; es ist aber bekanntlich sehr weich und vermag gediegen bearbeiteten Stein nicht völlig aus dem Felde zu schlagen. Man spricht daher von einer »Steinkupferzeit«. Die Erfindung der Bronze geschah wahrscheinlich um 2500 vor Christus. Sie bestand einfach darin, daß man dem Kupfer Zinn beimischte; der Zusatz war anfangs gering und stieg allmählich bis zu zehn Prozent, welches Verhältnis sich als das vorteilhafteste erwies und die 93 Regel blieb. Die neue Legierung war nicht nur härter, sondern auch schmelzbarer. Die klassische Ära der Bronzekultur ist erst das zweite Jahrtausend. Sie ist, sehr allgemein gesprochen, das Zeitalter der erwachenden Schiffahrt, der »heliolithischen Kultur«, die im Kultus der Sonnenscheibe wurzelt, und der Gräber in Bergkammern. Wiederum finden sich Similiwaren: gebuckelte, mit Goldglimmer überzogene Tongefäße, die täuschend Bronze nachahmen; ein Zeichen für die Weltherrschaft dieses Metalls, die von Mexiko und Peru bis Indien und China reichte.

In Amerika dauerte die Bronzezeit bis zu seiner Entdeckung. In Ägypten gab es nach Funden aus prähistorischer Zeit Eisen schon im fünften Jahrtausend; aber bis etwa 1000 vor Christus wurde es dort nur als Zahlungsmittel und kostbarer Schmuckstein verwendet. Obgleich in Europa die Kultur während der Bronzezeit weit niedriger stand als im Orient, ist dort trotzdem der Übergang zum Eisen nicht später, wahrscheinlich sogar früher erfolgt. Aber das ganze erste Jahrtausend der mitteleuropäischen Eisenzeit, das letzte vor Christus, ist für uns, wie gesagt, noch Vorgeschichte. In der Eisenzeit befinden wir uns noch heute oder vielmehr: befanden wir uns noch vor kurzem; denn seit zwei oder drei Menschenaltern darf man von einer Stahlzeit sprechen.

Das Hauptgebiet der prähistorischen Eisenkultur ist in Europa die Alpen- und Donaugegend. Die ältere Eisenzeit wird als Hallstattkultur bezeichnet, nach dem bedeutendsten Fundort Hallstatt in Oberösterreich. Ihre charakteristischsten Produkte sind Töpferwaren mit Figurenschmuck in einem »geometrischen« Stil, wie er sich ähnlich in Griechenland findet, und »Fibeln«: Schnallen und Sicherheitsnadeln in vielfältigster Broschenform. Ihr Grundzug ist eine gewisse archaische Pracht, wie sie uns etwa im Nibelungenlied entgegentritt, an das sie auch in Schmuck und Tracht erinnert. Man hat an 94 Hallstätter Schwertgriffen Elfenbein, an südeuropäischen derselben Zeit Bernsteineinlagen gefunden, woraus hervorgeht, daß der Handelsverkehr damals schon von Afrika bis zur Nordsee reichte. Die jüngere Eisenzeit, die die zweite Hälfte des ersten Jahrtausends vor Christus umspannt, wird, nach La Tène am Neuenburger See, La-Tène-Kultur genannt. Sie gehört in erster Linie den Kelten, die, vielleicht von den Britischen Inseln stammend, sich in Gallien, Mitteldeutschland, Spanien festsetzten, 390 Rom plünderten, im dritten Jahrhundert über Österreich und Ungarn auf die Balkanhalbinsel vordrangen und sich in Kleinasien als »Galater« festsetzten. Vindobona ist ein keltischer Name. Im übrigen muß man sich davor hüten, mit dem Begriff der Vorgeschichte ohne weiteres den der Vorkultur zu verknüpfen: die wundervollen kunstgewerblichen Erzeugnisse der Hallstattzeit belehren uns eines Besseren.

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