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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 409
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Platos Gegenstaat

Die vernichtendste Kritik der athenischen Demokratie ist Platos Idealstaat, der ihr vollkommenes Gegenstück darstellt. Plato fordert die Heranzüchtung eines stabilen Beamtenkörpers nach dem Prinzip der Arbeitsteilung, die ihre natürliche Grundlage in der besonderen Veranlagung der Menschen, ihrem Spezialwissen und der ungleichen Stärke ihres sittlichen 816 Charakters habe. Männer, die öffentliche Funktionen ausüben, sollen überhaupt kein Privatvermögen besitzen; aber auch bei den übrigen Bürgern hat die Regierung darüber zu wachen, »daß sich in den Staat weder Armut noch Reichtum einschleiche«. Die Frauen werden den Männern in Erziehung und Lebensweise vollkommen gleichgestellt und haben Zutritt zu sämtlichen Berufen; Weiber und Kinder sollen Gemeingut sein (offenbar weil durch Ehe und Erben Besitztrieb und Eigennutz entsteht). Der Staat soll fern vom Meer liegen, das die Bürger mit Handelsgeist und Gewinnsucht erfüllt und den Volkscharakter arglistig und unzuverlässig macht. Aus den Künsten ist alles zu verbannen, was den Sinnen schmeichelt, bloßem Prunk dient oder ein schlechtes Beispiel gibt (daher Homer wegen seiner unwürdigen Vorstellungen von den Göttern und das Drama, weil darin böse Menschen vorkommen). Mit Recht hat Aristoteles bemerkt, die von Plato geforderte »Symphonie« aller Bürger sei eine Monotonie. Die Wirklichkeit war nun freilich nichts weniger als eintönig. Der Politiker hieß »Rhetor«, die Gerichtsverhandlung »Agon«. Es war eine permanente Theatervorstellung, und noch dazu fanden diese Kunststücke vor dem athenischen Volk statt, das das beste Publikum der Welt war, und zwar für alles.

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