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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 407
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Die Frauen

Diese extremste aller Demokratien war also im Grunde eine Oligarchie der gerade herrschenden Partei und wußte weder etwas von »Menschenrechten« noch von einer Gleichberechtigung der Frauen. Diese durften weder wählen noch Ämter bekleiden, weder politische Versammlungen noch Festaufführungen besuchen und sich sogar am Sport nur in Sparta beteiligen. Sie standen ihr Leben lang unter Vormundschaft: des Vaters, des Bruders, des Gatten, des erwachsenen Sohnes; hingegen blieben sie im Besitz ihrer Mitgift, von der der Ehemann nur den Nießbrauch hatte. Bei geselligen Veranstaltungen erschienen niemals die Hausfrauen, sondern bloß Tänzerinnen und 814 Flötenspielerinnen, Philosophinnen und Hetären, die beide ungefähr für dasselbe galten, denn die Hetären waren meist geistreich und gebildet, und die Philosophinnen pflegten, zumindest in ihrem äußeren Auftreten, sehr frei zu leben. Perikles sagt bei Thukydides: »Am größten ist der Ruhm der Frau, von der bei den Männern in Lob und Tadel am wenigsten die Rede ist.« Die ehrbare Bürgerin zumal der höheren Schichten führte ein Haremsleben. Sie betrat die Straße nur in Begleitung eines älteren Sklaven, des Gynaikonomos, ja sie ging nicht einmal auf den Markt; ärmere Frauen freilich waren dort häufig zu sehen, sowohl als Käuferinnen wie als Hökerinnen, aber auch sie arbeiteten niemals in Fabriken. Die Frau wurde in der Öffentlichkeit höchstens einmal als Priesterin bei einem Opfer, das weibliche Bedienung erheischte, oder als Figurantin in einem Festzug bemerkt, und im übrigen bestand ihre Lebensaufgabe darin, zuerst Geld und dann Kinder in die Ehe zu bringen.

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