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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 40
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Die Cromagnards

Am Beginn der letzten Eiszeit erscheint die Cromagnon-Rasse (genannt nach der Höhle Cro Magnon in der Dordogne), in Skelett und Schädelbildung dem heutigen Menschen sehr ähnlich. Sie repräsentiert bereits die Stufe des homo sapiens fossilis. War der Neandertaler ein selbständiger Zweig der 86 Menschenform, der völlig ausstarb, oder war der Cromagnon-Mensch sein vollkommener Enkel? Das wissen wir nicht; aber jedenfalls war dieser eine ausgesprochene Schönheit. War er ein Atlantier, ein Urindianer, ein Urindogermane? Er liebte es, die Leichen zu bemalen oder ihnen Rötelstifte zur Selbstbemalung ins Grab zu legen. Daraus kann man schließen, daß er auch im Leben diese Sitte übte. Das Haupt schmückte er gern mit einer Federkrone. Vielleicht war er also eine Art »Rothaut«, denn auch die Indianer führen ja diesen Namen nur von ihrer Körperbemalung, und in der Tat hat er auf den Abbildungen ein bartloses Antlitz und lichtbraune Hautfarbe wie diese. Die Frauen hinwiederum trugen Glockenröcke und Pagenfrisuren, die an Kreta erinnern. Man hat auch auf Kieseln und Höhlenwänden Buchstaben gefunden, die den früheuropäischen Alphabetformen nicht unähnlich sind.

Das Baskische, das noch heute in den westlichen Pyrenäen gesprochen wird, das letzte Überbleibsel der Sprache der Iberer, eines Volkes unbekannter Rasse, das zur »Steinkupferzeit« in Spanien und Britannien lebte, steht als ein vollkommener Fremdkörper innerhalb aller europäischen Sprachen (die Südfranzosen behaupten, der Teufel habe sieben Jahre lang Baskisch gelernt, aber schließlich nur zwei Worte behalten, und die falsch), hat aber in Form und Syntax eine unverkennbare Ähnlichkeit mit den altamerikanischen Sprachen. Nach unserer (natürlich völlig hypothetischen) Ansicht waren die Cromagnards der Seitenstamm einer sehr edlen Rasse, die über Amerika, Atlantis und große Teile der Alten Welt verbreitet war und deren letzte Zweige im Westen die Inkas, im Osten jene geheimnisvollen Völker gewesen sind, die man bisher in Ermangelung einer anderen Charakteristik als »nichtindogermanisch« registriert hat, die aber vielleicht besser als vorindogermanisch zu bezeichnen wären.

Man pflegt dieses »jüngere Paläolithikum« in mehrere 87 Kulturkreise einzuteilen: in das Aurignacien (nach einer Höhle bei Aurignac in Südfrankreich), das spätere Solutréen (Freilandstation Solutré bei Mâcon) und das noch spätere Magdalénien (Höhlen bei La Madeleine in der Dordogne). Im Aurignacien finden sich besonders reichlich Erzeugnisse der Glyptik: kleine Darstellungen in Elfenbein, Speckstein, Pferdezähnen, ferner »Kommandostäbe«: mit Schnitzereien verzierte Geweihstücke, die auch bei manchen Indianerstämmen als Zeichen der Häuptlingswürde galten; am Magdalénien ist es besonders interessant, daß es schon steinerne Lampen kannte, die mit Tierfett gespeist wurden. In den Grimaldigrotten bei Mentone hat man Skelette aus dem Aurignacien vorgefunden, die in »Hockerlage«: mit angezogenen Armen und Beinen begraben waren; es ist dies die »Wärmestellung«, die der Mensch unwillkürlich beim Schlafen einnimmt. Der »Grimaldimensch«, der übrigens von den Anthropologen dem Negertypus zugewiesen wird, hielt also den Tod für einen Schlaf.

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