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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 392
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Zweites Kapitel

Der Welttag Athens

Wir blicken durch den Schleier der Kunst auf die Zeiten
zurück, und die Kunst hat es zum Glück immer noch
verstanden, die Wahrheit zu verbergen.
Oscar Wilde

Die Maske

Wir nähern uns jetzt der sogenannten »klassischen Periode«, dem Zeitalter des Perikles und Plato, einer völlig unwirklichen Welt aus Gips und Verbalformen. Woher kommt diese merkwürdige Tatsache, daß eines der lebensvollsten Antlitze des Weltgeists in der Erinnerung der Menschheit nichts zurückgelassen hat als den Abdruck einer starren, augenlosen Totenmaske? Man könnte darauf antworten, daß dies eben leider das Schicksal alles Lebens sei. Aber die Geschichte widerlegt diese traurige Weisheit. Es gibt eine ganze Reihe von Zeitaltern, die uns ein sehr dramatisches, blutvolles Bild vermacht haben, vielleicht sogar ein farbigeres, als es der Wirklichkeit entspricht. Oder ist es die Schuld der sogenannten »Höheren Schulen« und ihrer geheimnisvollen Alchimistengabe, jedes Element in Blei zu verwandeln? In der Tat genießt ja die Blütezeit der griechischen Kultur seit vielen Jahrhunderten den zweideutigen Vorzug, das Lieblingskind aller Magister zu sein. Aber auch daran kann es nicht liegen, denn wir begegnen denselben bleichen Griechen in der bunten Regenbogenwelt unseres Theaters: auch über die Bretter wandeln sie als körperlose Gespenster, und niemandem fällt es im Ernst ein, Goethes Iphigenie oder Grillparzers Sappho für wirkliche Lebewesen zu halten. 780

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