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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 384
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Die persische Kunst

Im Gegensatz zu Babylonien besaß Persien ein dauerhaftes einheimisches Baumaterial in dem vorzüglichen marmorartigen Kalkstein, der in den Gebirgen gebrochen wurde. Der freie Geist der Lichtreligion zeigt sich auch in der Anlage der Paläste, die, aus riesigen Säulenhallen zusammengesetzt, nach außen durch keinerlei feste Wände, nur durch Vorhänge abgeschlossen sind. Teppiche und Girlanden, bunte Malereien und reiche Täfelungen verliehen den Räumen ein heiteres Aussehen. Von den tiefen Baugedanken der Griechen findet sich natürlich bei den Persern nichts: Die Proportionen der überschlanken und viel zu hohen Säulen sind ganz zufällig, die Kapitelle: kniende Pferde, Löwen und Stiere nichts als ein ausschweifendes Ornament. Die Skulptur Irans ist sowohl im Rhythmus und Aufbau wie in ihrem ganzen Phrasenschatz ein bloßer Ableger der babylonischen, doch weht auch durch sie der belebende Feueratem Ahuramazdas. Rings um die Paläste erstreckten sich weite Gärten mit Jagdtieren und Badebassins, die im Altpersischen paradeza (oder so ähnlich) hießen, was so viel bedeutet wie »vorzügliche Gegend«; daraus machten die Griechen »paradeisos«, und dieser Ausdruck ist dann in die Septuaginta gelangt. Die wenigsten Menschen dürften sich bewußt sein, daß sie, wenn sie eine Landschaft »paradiesisch« nennen, persisch reden, und daß der Aufenthalt der ersten Menschen seinen Namen von einem sehr künstlich und kunstvoll angelegten Park führt.

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