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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 373
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Die Könige

Von Romulus berichtet die Überlieferung, daß er am linken Ufer des Tiber, etwa fünf Stunden vom Meer entfernt, auf dem Palatin das älteste Rom, die Roma quadrata, mit der Burg, dem Capitolium, und dem vornehmsten Heiligtum der Stadt, dem Tempel des Jupiter Capitolinus, gegründet und den Senat der hundert patres, den populus oder die Gemeinde und die Stände geschaffen habe. Den zweiten König, Numa Pompilius, der das Sakralwesen geordnet und, zum Schutz der Kleinbauern, die Ackergrenzen fixiert haben soll, nennt Pöhlmann den »mythischen Vorläufer der Gracchen«. Sein Nachfolger Tullus Hostilius eroberte Alba longa und gliederte die Albaner der römischen Bürgerschaft ein. Ancus Marcius fügte die Latiner hinzu und gründete am Ausfluß des Tiber Ostia, die Hafenstadt Roms. Tarquinius Priscus (was soviel bedeutet wie Tarquinius der Erste oder Tarquinius senior) erbaute den Zirkus und den 749 Abzugskanal, die cloaca. Servius Tullius gliederte die Bürgerschaft nach Klassen auf Grund eines Vermögenszensus und erweiterte die Wehrpflicht von den Patriziern auf alle Begüterten, eine zweischneidige Maßregel, die früher oder später zur Folge haben mußte, daß diese zu den Pflichten auch Rechte forderten. Als der letzte König gilt Tarquinius Superbus, der »Übermütige«. Er fiel unter dem doppelten Ansturm der Republikaner und der Nationalisten, die dem Geschlecht der Tarquinier, das, wie schon aus dem Namen hervorgeht, etruskischer Herkunft war, Opposition machten. Die Legende erzählt, daß, nachdem Tarquinius sich schon mancherlei Übergriffe erlaubt hatte, einer seiner Söhne Lucretia, die Gattin des Collatinus, entehrt habe, worauf Brutus einen Aufstand anzettelte, dem das Heer sich anschloß. Wiederholte mit Hilfe der Etrusker unternommene Restaurationsversuche scheiterten. An die Stelle der Könige traten zwei jährlich gewählte Konsuln mit königlicher Gewalt, die nur dadurch beschränkt war, daß der eine die Anordnungen des andern aufheben konnte. In Zeiten dringender Kriegsgefahr wurde einem Diktator, der aber nicht länger als sechs Monate im Amt bleiben durfte, der alleinige Oberbefehl übertragen. Die Tarquinier sollen genau in demselben Jahr vertrieben worden sein wie die Pisistratiden. Das braucht keine nachträgliche Geschichtskonstruktion zu sein, denn es gibt etwas wie einen geheimnisvollen Zeitgeist, der durch die gesamte zivilisierte Welt zieht. Jedenfalls war von da an der Königsname in Rom ebenso verhaßt und beinahe zum Schimpfwort geworden wie in Griechenland der Tyrannentitel.

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