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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 370
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Die Apenninenhalbinsel

Italien war den damaligen Hellenen nicht bloß in seiner Südhälfte, die sie ja selbst besiedelt hatten, sondern auch im Norden ein wohlbekanntes Land. Im Gegensatz zur griechischen besitzt die Apenninenhalbinsel starke Ströme, breite Ebenen, kräuterreiche Gehänge, und außerdem war sie ursprünglich allenthalben von dichten Forsten bedeckt: Selbst die Abruzzen und Sizilien, heute völlig verkarstet, waren im Altertum Waldgebiet. Besonders reich war Italien an Buchen, Eichen und Nadelhölzern; heute beherrschen Felder und Gartenkulturen das Landschaftsbild fast vollständig.

Gerade umgekehrt wie bei der Balkanhalbinsel ist der Ostrand nur wenig gegliedert, während die Westküste mit mannigfaltigen Buchten, Häfen und vorgelagerten Inseln ausgestattet ist; doch ist auch hier das Profil lange nicht so fein ziseliert wie auf der ägäischen Seite Griechenlands. Ein weiterer Kontrast besteht darin, daß den italienischen Boden ursprünglich zahlreiche in Abkunft, Alter und Sprache sehr verschiedene Nationen innehatten, die alle von Rom zu einem Volke geeint 744 wurden, während Griechenland von einer ziemlich homogenen Bevölkerung bewohnt war, die aber nie geeint wurde. Als »Italer«, Ἴταλοι, wurden bis zum Ende des fünften vorchristlichen Jahrhunderts nur die Bewohner des kleinen Gebiets von Bruttium bezeichnet, das die Spitze des italienischen Stiefels und die Brücke zwischen der Apenninenhalbinsel und Sizilien bildet.

Die ältesten feststellbaren Siedlungen stammen aus der Bronzezeit: Es sind die sogenannten Terremare, Pfahldörfer auf festem Boden. Die Eisenzeit ist durch die Villanovakultur vertreten, die ihren Namen nach einem Gräberfeld bei Bologna führt. Daß die Erzeugnisse der minoischen Kultur schon früh ihren Weg nach Italien fanden, wurde bereits im vorigen Bande erwähnt. Was Sizilien anlangt, so bildete es in nicht allzulang zurückliegender Zeit mit Italien noch eine zusammenhängende Landmasse. Seine einheimischen Stämme, die Sikeler im Osten und die Sikaner im Westen, wurden von den Griechen unterworfen und völlig hellenisiert. Die Umbrer, die Sabeller (auch Sabiner und Samniter genannt) und die Iapyger, die den ganzen Rumpf der Halbinsel erfüllten, waren wahrscheinlich miteinander verwandt und werden daher unter dem Namen der Italiker zusammengefaßt. In Oberitalien saßen an der Ostküste die Veneter, an der Westküste die Ligurer. Von den ersteren gibt es uninterpretierbare Inschriften, von den letzteren gar keine; Cato der Ältere sagte von ihnen: »Sie sind analphabetische Lügner und haben für die Wahrheit kein Gedächtnis.«

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