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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 361
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Die dorische Komödie

Am entgegengesetzten Ende der griechischen Welt, in Syrakus, schuf Epicharm gegen Ende des sechsten Jahrhunderts die dorische Komödie. Sie ist von ihrer jüngeren attischen Schwester verdunkelt worden, so daß nur spärliche Splitter von ihr auf die Folgezeit gelangt sind. Epicharm war kein 722 gewöhnlicher Possenreißer und Grimassenschneider wie seine Vorgänger, sondern ein halber Philosoph und ein feiner Wortkünstler, der auch schon ein Stück zu bauen verstand. Die Figur des Parasiten, die in der griechischen Komödie später eine so große Rolle spielte, scheint er als erster auf die Bühne gebracht zu haben. Plato schätzte ihn ungemein hoch, und nicht minder Sophron, der Meister des Mimos, eines neuen Genres, das, ebenfalls in Syrakus entstanden, in Solovorträgen und Ensemblespielen, aber ohne Bühne, parodistische Bilder des Alltagslebens darbot, und zwar in Prosa, für die damalige Zeit eine außerordentliche Kühnheit: wir würden sie Kabarettszenen nennen, und einige Dialoge Platons kann man, wenn man den allerhöchsten Maßstab anlegt, in der Tat ebenfalls dieser Gattung zurechnen. Epicharms Hauptstärke scheinen die Gnomen gewesen zu sein, die er seinen Figuren in den Mund legte, und manche erinnern an Nestroy, bei dem es sich ähnlich verhielt (er schrieb übrigens ebenfalls im Dialekt, was sich aber in der Übersetzung nicht wiedergeben läßt): »Kein Wunder, daß wir einander gefallen und uns so schön gewachsen finden: auch ein Ochs hält einen Ochsen für das Schönste, ein Esel einen Esel und eine Sau eine Sau«; »was sind denn eigentlich die Menschen von Natur? aufgeblasene Bälge«; »sei nüchtern und mißtraue: das sind die Arme des Geistes«; »zeig dich den Menschen in großer Schleppe, dann werden sie dich für gescheit halten«; »sterben möchte ich nicht, aber tot sein – meinetwegen«. Gegen Heraklit richtet sich seine Bemerkung, daß man seine Schulden nicht zu bezahlen brauche, weil man ja nicht mehr derselbe sei, der sie gemacht hat, allerdings auch keine Einladung annehmen dürfe, weil man morgen nicht mehr der sei, der sie erhalten hat. Er scheint auch sonst zu den zeitgenössischen Denkern in Beziehung gestanden zu haben, was kein Wunder ist, denn die griechische Philosophie hat im sechsten Jahrhundert eine hohe, ja vielleicht ihre höchste Blüte erreicht. 723

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