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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 344
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Der Sport

Das ganze Interesse in Friedenszeiten war dem Sport gewidmet, daneben höchstens noch der Beschäftigung mit etwas Musik und Mantik und dem Memorieren von Hymnen und Gesetzen. Den ersten Rang nahmen die Festspiele zu Olympia ein, die bekanntlich sogar zur Zeitrechnung dienten; die vierjährige Spanne zwischen zwei Spielen wurde nach dem Sieger im Wettlauf benannt. Etwas Höheres gab es nicht: Wer diesen Preis errang, hatte, wie Pindar singt, »die Säulen des Herakles erreicht«. Andere gemeingriechische Spiele waren die pythischen 697 zu Delphoi, die ebenfalls alle vier Jahre, die isthmischen und die nemeischen, die alle zwei Jahre stattfanden. Hier traf sich toute Grèce, wie die Pariser oder Londoner Gesellschaft bei den Premieren und Vernissagen; auch wer als Rhetor oder Sänger panhellenische Publizität erlangen wollte, mußte dort erscheinen. Aber es bestand ein markanter Unterschied: es fehlten die Damen.

Das normale Pentathlon, der Fünfkampf, bestand aus Wettlauf, Springen, Ringen, Diskoswurf und Speerwurf. Dazu trat meist noch das Pankration, die Kombination von Ring- und Faustkampf, und das Wettrennen zu Pferd und Wagen, auch mit Maultieren. »Geehrt wie ein Athlet« lautete eine griechische Redensart: siegte einer, so erhielt er von seiner Vaterstadt, die sich durch ihn erhoben fühlte, den Ehrensitz bei Festen, die Speisung im Prytaneion, Preislieder der besten Dichter und Monumente in Erz und Marmor, mit denen übrigens auch siegreiche Rosse und Wagen bedacht wurden. Andrerseits war die eingedrückte Nase und das zerquetschte Ohr das typische Abzeichen des Pankratiasten und im Alter traf ihn dasselbe trübe Los wie unsere gefeierten Artisten; zu dem Schicksal aber, das einen unterlegenen Kämpfer erwartete, bietet die heutige Behandlung eines niedergebrochenen Sportstars nur eine schwache Parallele.

Allerdings hat es immer einige Ausnahmsmenschen gegeben, die vor der Überschätzung des agonalen Treibens warnten. Schon der Philosoph Xenophanes sagte: »Die Stadt überhäuft den Sieger im Wettkampf mit Ehren und Geschenken, und doch ist er ihrer nicht so würdig wie ich! Denn höher als alle Kraft der Männer und Rosse steht Weisheit. Es ist ein falscher Brauch, der uns zu solchem Fehlurteil verführt. Was nützt denn einer Stadt ein Wettsieg ihrer Söhne?« Ebenso ins Leere dürften die weltbekannten Aussprüche der sieben Weisen verhallt sein: nichts im Übermaß; erkenne dich selbst; sei Herr 698 deines Zorns; die Mitte ist das Beste; bedenke das Ende! Sie wirken auf uns als Gemeinplätze; aber derlei scheinbare Selbstverständlichkeiten den Hellenen immer wieder einzuhämmern, war offenbar nötig.

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