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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 330
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Kroisos

Für die kleinasiatischen Griechen bildete anfangs das lydische Königreich die stärkste Bedrohung, das durch Gyges in der ersten Hälfte des siebenten Jahrhunderts zu ansehnlicher Macht gelangt war. Unter seinem Enkel Alyattes umfaßte das 673 Reich bereits den ganzen Westen Kleinasiens mit Ausnahme der hellenischen Küstenstädte, die aber von Kroisos, dem Sohne des Alyattes, eine nach der anderen unter die lydische Oberhoheit gebracht wurden; nur Milet behauptete sich. Es war aber durchaus keine Barbarenherrschaft: Kroisos war ein verschwenderischer Verehrer der griechischen Götter, denen er herrliche Tempel und Weihegaben stiftete, und der griechischen Kultur, die er mit allen Mitteln förderte. Gleichwohl dachte er daran, sich auch die Inseln und das europäische Griechenland zu unterwerfen und soll schon mit dem Bau einer Flotte begonnen haben, als er im Jahre 546 dem Angriff des Kyros unterlag. Den Sieger der Perser sollen die Kamele entschieden haben (die übrigens noch 1389, in der Schlacht auf dem Amselfeld, eine bedeutsame Rolle spielten). Sardes wurde erstürmt, Kroisos gefangen, aber von Kyros ehrenvoll behandelt und als Ratgeber an den Hof gezogen. Die bekannte Legende von Kroisos und Solon ist historisch nicht gerade unmöglich, denn dieser lebte noch, als jener den Thron bestieg: sie will zeigen, wie Hybris vor dem Fall kommt, vielleicht auch, wie Familienfluch fortwirkt, denn Gyges war durch Meuchelmord zur Krone gelangt. Nach einer zweiten Version soll nicht der Ausruf »Solon!«, sondern der Regen Apolls, der den Brand löschte, Kroisos vor dem Scheiterhaufen gerettet haben, was wohl eine Art Schadenersatz für den berühmten ziemlich hinterlistigen Spruch des Delphischen Orakels anzusehen wäre. Jedenfalls ist die Erzählung ein schönes Sinnbild für den Eintagsglanz der Gipfel.

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