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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 321
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Die Heroen

Über das Wesen der Seele und ihr Fortleben nach dem Tode dachten die Griechen sehr widerspruchsvoll, und ihre Ansichten in ein System bringen zu wollen, wäre schon deshalb ein müßiges Beginnen, weil sie in diesen Fragen gar keine Klarheit haben wollten. Im Mittelpunkt steht die eigenartige Vorstellung der Psyche. Diese ist das zweite Ich, das in Schlaf, Ohnmacht und Ekstase den Körper verläßt und ein selbständiges 652 Leben führt. Dasselbe tut sie im Todesfalle, nur diesmal auf die Dauer. Aber sie ist ein machtloser Schatten, der irgendwo, fern vom Erdentreiben, dahindämmert. Einzelnen Auserwählten freilich haben die Götter Unsterblichkeit verliehen, indem sie sie nach Elysion, dem Inselreich der Seligen, entrückten, wo sie in voller Leiblichkeit weiterleben. Es sind die Heroen. Jedoch in der Gegenwart ereignen sich derlei Dinge nicht mehr. Daß die Gottheit einen ihrer Lieblinge in ein Gewässer oder Gestein verwandelt und ihm dadurch, nach griechischer Vorstellung, Ewigkeit verleiht, kommt aber immer noch vor.

Den Heroen werden Denkmäler errichtet und Leichenspiele gefeiert. Der »Zeus unter den Heroen« ist Herakles. Er ist die populärste Figur des griechischen Mythos, überall standen seine Heiligtümer, viele Städte verehrten ihn als ihren Schutzgott, und seine Ahnenschaft war der höchste Adelstitel, dessen sich auch Barbaren wie die Könige von Makedonien rühmten. Er ist die Verkörperung der höchsten Vitalität: als Stärkster und Unermüdlichster, Schnellfüßigster und Bogenkundigster unter allen Sterblichen, aber auch als wüster Renommist, Säufer und Rekordfresser. Im Gegensatz zu den anderen Verblichenen greifen die Heroen vielfach in das Dasein der Nachlebenden ein. Bei Marathon sahen viele, wie Theseus in voller Rüstung den Kämpfern voranstürmte. Die Lokrer ließen in ihren Reihen immer einen Platz frei, der für den unsichtbar mitkämpfenden Aias bestimmt war. Bei Leuktra erschien Aristomenes, der Heros der Messenier und Erbfeind der Spartaner, und erfocht den Thebanern den Sieg. An solche Epiphanien glaubte man bis in die späteste Zeit. Es hieß, Alarich habe, als er Athen belagerte, Achill erblickt, der leuchtend gepanzert vor den Mauern stand, und erschreckt Frieden geschlossen.

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