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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 299
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Rind, Schwein und Schaf

Die Kuh, griechisch bûs, findet sich, unter einer ebenfalls lautnachahmenden Bezeichnung, als , bereits im Sanskrit. Die Landschaft Molossis in Epeiros war durch ihre Rinder nicht minder berühmt als durch ihre Hunde. Es war ein schwerer, feister Schlag mit enormen Hörnern, die zu Trinkgefäßen verarbeitet wurden; sie lieferten täglich eine Amphore Milch, mehr als unsere besten »Holländer«, denn sie waren allem Anschein nach von einer Größe, die es heute nicht mehr gibt. Stattliches Hornvieh kam auch von den fetten Triften Thessaliens und Boiotiens und aus Arkadien, das auch hierin eine Art Schweiz war; Attika hingegen war in seinem Bedarf an Rindfleisch auf Einfuhr angewiesen, denn die inländischen Ochsen taugten nur zur Feldarbeit, weshalb sie im dortigen Sprachgebrauch hypozygia, Jochtiere, genannt wurden. Das attische Hauptbratentier war das Schwein. Eine beliebte Festspeise der Athener war Spanferkel mit Erbsenbrei; auf den Protzeneinfall der Römer, riesige Mastsäue in einem Stück auftragen zu lassen, sind sie aber nie gekommen. Von Würsten gab es vielerlei Arten: Bratwürste, Knackwürste, Hackwürste, Rauchwürste, Leberwürste, schon damals nicht selten von anderen Tieren als 609 der Käufer erwartete. Hauptwolltier war das Schaf, das auch in Attika gut gedieh. Man verarbeitete das Gespinst zu Mänteln und Decken, Teppichen und Tapeten. Lakonien erzeugte den besten Filz. Spinnen und Weben galt so sehr als die weibliche Hauptbeschäftigung, daß ein Garnknäuel an der Haustür die Geburt eines Mädchens anzeigte. Das Gewicht der Rohwolle suchte man gern durch Nässen zu erhöhen; nicht umsonst ist Hermes der Gott der Hirten, der Händler und der Diebe. Aus Schafleder machte man Schilde und Panzer, Schuhe und Sandalen, Mützen und Gamaschen. Es war begehrter als das Rindsleder. Aber sogar Hundeleder fand für Schläuche, Riemen, Sturmkappen und Dudelsäcke Verwendung. Handschuhe als Bestandteil der eleganten Toilette hat das Altertum nicht gekannt; sie standen nur bei hoher Kälte und in einzelnen Gewerben, zum Beispiel in der Gärtnerei als Dornenschutz, in Gebrauch und wurden überhaupt sehr wenig getragen.

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