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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 291
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Blumen

Die Kräuter, Stauden und Gräser beginnen im Herbst, wenn die ersten Regen fallen, zu sprießen, überdauern den Winter, strotzen im Frühling im üppigsten Flor, verdorren und zerfallen in der Trockenperiode. Die Holzpflanzen sind immergrüne Hartlaubgewächse, deren Blätter gegen die Verdunstung durch eine feste, lederartige, metallisch glänzende Oberhaut geschützt sind; auch durch Ausscheidung ätherischer Öle, die zum Beispiel den Lorbeer so aromatisch macht. Bei den Koniferen tut die geringe Oberflächenentwicklung der Nadeln diesen Dienst. Die Blumen sind weitständig, da sie mit dem spärlichen Wasser haushalten müssen. In höheren Regionen, wo mehr Feuchtigkeit herrscht, oder an Quellen, Sümpfen, perennierenden Flüssen findet sich auch eine Vegetation, die sich 591 mehr dem mitteleuropäischen Typus nähert. Die genügsame Welt der Büsche, Sträucher und Zwergbäume muß dem Südländer die Wiesen und Matten des Nordens ersetzen.

Die Lieblingsblumen der Griechen waren Rose und Lilie, Veilchen, Krokus und Hyazinthe; zu Kränzen verwendeten sie am liebsten Myrte und Lorbeer, Ölbaum, Fichte und Eppich, eine Sellerieart mit stark duftenden Blättern. Die Rose, rhodon, und die Lilie, leirion, kommen in Gleichnissen schon bei Homer vor: Er nennt die Morgenröte rosenfingrig und die Haut des Aias lilienzart; und Aphrodite salbt den Leichnam des Hektor mit rosenduftendem Öl. Aber schon ein antiker Forscher hat die Frage aufgeworfen, woher es komme, daß Homer das Rosenöl kenne, die Rose aber nicht. Aber alltägliche Vergleiche sind oft von den exotischsten Dingen hergeholt: Wir sprechen ja auch von Krokodilstränen und Basiliskenblick, ohne daß diese unfreundlichen Geschöpfe zu unserer Landesfauna gehören. Aber um 600, zur Zeit Sapphos, war die Rose, die die Dichterin sehr liebte und (vielleicht als erste) im Bild der Mädchenblüte erblickte, schon allgemeiner Festschmuck: Die Tänzerin und die Flötenspielerin, schöne Knaben und verliebte Paare, der Trinker und sein Becher sind mit Rosen bekränzt. Die Lilie war zumeist die weiße. Unter der Viole, ion, versteht Homer immer nur das schwarze Veilchen; später lernte man auch die hellen Sorten kennen: den Goldlack (auch bei uns früher im Volksmund »Gelbveigelein« genannt) und die Levkoje, deren Namen nichts anderes bedeutet als leukon ion, das weiße Veilchen. Athen heißt bei Pindar und Aristophanes veilchenbekränzt: möglicherweise gab es also damals schon ausgedehnte Kulturen; und auf dem Markt bekam man dort den ganzen Winter hindurch frische Violen, was vielleicht sogar auf Treibhauszucht hinweist. Der Krokus war wegen seines Dufts beliebt, der uns heute nicht mehr soviel sagt, und seine Narbe lieferte den Safran, der als Küchenwürze, Medikament und 592 Schönheitsmittel Verwendung fand; vor allem aber verlieh er Schuhen, Schleiern und Gewändern (und wahrscheinlich auch dem Frauenhaar) den Glanz einer hochgelben Farbe, die von den Alten fast ebenso geschätzt wurde wie der Purpur; wir benützen ihn nur noch zum Färben von Konditorwaren. Trotz ihrer Blumenliebe scheinen aber die Griechen vor der Alexandrinerzeit eigentliche Ziergärten oder gar Parks nicht gekannt zu haben. Homer weiß nur von Nutzpflanzungen, selbst von Feldblumen spricht er nur selten.

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