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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 285
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Der Norden und die Mitte

Am bizarrsten ist die Gliederung im hohen Norden, wo das Land von Osten her eine lange dünne Zunge ins Meer streckt, den thrakischen Chersones, das im Weltkrieg so oft genannte Gallipoli, während die Halbinsel Chalkidike im Westen sogar 577 drei Spinnenfinger besitzt. Diese Gebiete wurden aber im Altertum nicht mehr zur hellenischen Welt gerechnet, obgleich sie von einem reichen Kranz griechischer Kolonien umsäumt waren. Nordgriechenland beginnt erst mit Thessalien, dessen Grenze nach Westen von der mächtigen Pindoskette gebildet wird. Jenseits davon lag Epeiros, das ebenfalls nicht für griechisch galt, wiewohl sich auf seinem rauhen Boden eines der ältesten Heiligtümer des Landes befand, das Zeusorakel von Dodona, und vor seiner sturmumbrandeten Küste die Insel Kerkyra lag, das heutige Korfu, eine der wichtigsten griechischen Pflanzstätten. Sowohl der nördlichste wie der höchste Punkt Griechenlands war der thessalische Olympos, dessen wolkenumhülltes Haupt dreitausend Meter über das Meer emporragt. Der Hauptfluß Thessaliens ist der Peneios mit dem Tempetal, das, wegen der erhabenen Schönheit seiner Lorbeerwälder und Tannenforste, rotleuchtenden Felsen und schneebedeckten Kuppen im ganzen Altertum gefeiert, zugleich als Eingangspforte Griechenlands von höchster strategischer Bedeutung war. Es wurde schon vorhin erwähnt, daß sich nur in Thessalien größere Flächen finden; aber auch seine kräftige Bewässerung verleiht ihm eine Sonderstellung unter den übrigen griechischen Gebieten. Nur auf dieser reichgetränkten Erde gab es weite Getreidefelder, deren grüne Wogen der erstaunte Fremdling dem Meer verglich, und in den breiten Ebenen blühte, wie nirgends sonst in Hellas, die Rossezucht und der Junkerdünkel.

In Mittelgriechenland schlossen sich an den Norden zunächst die Akarnanen und Aitoler, Phoker und Lokrer, lauter wenig geachtete Stämme, von denen die beiden ersteren sogar zu den Barbaren gezählt wurden; doch beherbergte Phokis nichts Geringeres als die Orakelstätte von Delphoi. An dieses reihte sich Boiotien, in gewisser Hinsicht das Kernland von Hellas, und das ungefähr gleichschenklige Dreieck der 578 attischen Landschaft; gegenüber von Attika befanden sich Salamis und, südlicher, Aigina, zwei kleine, aber eine Zeitlang durch Handel und Marine mächtige Inseln. In Boiotien lag das Helikongebirge, der Sitz der Musen; der dritthalbtausend Meter hohe Parnaß in Phokis verdankt seine Zelebrität erst der Barockzeit.

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