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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 261
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Die Vasenprovinzen

Was die horizontale, die geographische Verteilung betrifft, so hat man, da die Funde zum großen Teil in Resten von verzierten Tongefäßen bestehen, geradezu Vasenprovinzen abgegrenzt. Diese vielverhöhnte »Wissenschaft der Topfscherben« ist zur Zeit die einzige Methode, an deren Hand man sich 532 einigermaßen orientieren kann. So spricht man zum Beispiel für Nordgriechenland von Seskloware und Diminikeramik (beide Orte liegen in Thessalien); die häufigsten Formen sind halbkugelige Schalen, bauchige Näpfe mit abgesetztem Hals und Henkelkrüge, die Lieblingsmuster Zickzackstreifen, Spiralen, Ketten von Dreiecken, gittergefüllte Rhomben, die Farben: rot auf weißgelbem, schwarz auf graugelbem oder rotem Grund, alle mit glänzender Politur. Für Mittelgriechenland sind Schnabelkannen mit Mattmalerei besonders charakteristisch. Im allgemeinen unterscheidet man vier große Provinzen: eine nördliche, eine um den Isthmus konzentrierte in Böotien, Attika und der Argolis, die kretische und die der Inseln. Die Sache ist aber nicht so einfach, wie sie aussieht, denn an sich sagt eine Fundklasse, selbst wenn sie massenhaft auftritt, noch nichts über den Ort der Herstellung, weil es schon in sehr früher Zeit große Fabriken gab, die überallhin exportierten; und auch wenn ein bestimmter Formenschatz so oft wiederkehrt, daß er als einheimisches Erzeugnis angesehen werden darf, so kann er noch immer von fremden Künstlern produziert oder dem Ausland nachgeahmt sein: So stand zum Beispiel die gesamte Ägäis während der spätminoischen Periode der kretischen Kunst aufs stärkste unter deren Einfluß. Man muß sich das Verbreitungsgebiet des kretischen Kunsthandels aber noch viel größer vorstellen. Nach Norden erstreckte es sich weit über Makedonien hinaus, nach Westen über ganz Sizilien und Unteritalien. Selbstverständlich waren auch auf Zypern und in Syrien die Prachtgefäße aus Kreta und Mykenai ein begehrter Artikel. Was Ägypten anlangt, so hat man dort schon während der ganzen zweiten Hälfte des dritten Jahrtausends Siegelstempel in Knopfform gekannt: Der Knopf ist aber unägyptisch, hingegen in Südeuropa und Kleinasien bereits in der Steinzeit nachweisbar und auf Kreta als Siegel geradezu charakteristisch. Umgekehrt hat man in den Ruinen der Akropolis von Mykenai ein Äffchen aus 533 blauem Glas gefunden, das auf der rechten Schulter die Kartusche Amenophis' des Zweiten trägt, einen Skarabäus mit dem Namen der Königin Teje und noch mehreres dieser Art. Silber und Zinn fand aus dem »überseeischen« Spanien, Elfenbein aus dem weltfernen Nubien seinen Weg in die Agäis; Bernstein von der Ostsee findet sich, zu Schmuck verarbeitet, schon in frühminoischen Gräbern.

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