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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 257
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Die Vorindogermanen

Nach dieser kleinen Abschweifung kehren wir zu den »Kleinasiaten« zurück. Es wurde bereits im zweiten Kapitel erwähnt, daß dies eine bloße Verlegenheitsbezeichnung ist. In Wahrheit weiß man von ihnen bloß, daß sie keine Semiten waren, aber auch keine Indogermanen; und auch dieses letztere weiß man eigentlich nicht. Wir wollen sie daher als »Vorindogermanen« bezeichnen, in dem Sinne etwa, wie man von Präraffaeliten oder Vorsokratikern spricht. Sie sind bereits vom indogermanischen Geiste angeweht: es lebt in ihnen ein Sinn für Freiheit und persönliche Selbstbehauptung, für Naturschönheit und künstlerische Lebensform, kurz: für seelische Individualität, wie er sich weit und breit in der semitischen Welt nicht findet. Ihre Hauptvertreter sind im eigentlichen Kleinasien die Karer, Lydier, Lykier: für uns nicht viel mehr als bloße Namen; im Osten die Hethiter, von denen bereits ausführlicher die Rede war; im Westen die Pelasger auf der Balkanhalbinsel, die Kreter, Sarden und Sikuler (Sizilier) auf den nach ihnen benannten großen Eilanden, die Ligurer und Etrusker auf der italienischen, die Iberer auf der spanischen Halbinsel. Von manchen dieser Völker zeugen umfangreiche, aber bisher noch nicht entzifferte Texte, von anderen nur Namen von Orten, Bergen, Flüssen, Gebrauchsgegenständen. Unter den »Seevölkern«, die im dreizehnten Jahrhundert das Nilland bedrängten, nennen die ägyptischen Inschriften die Tursa, Schardana und Schekelesch: Die 527 Etrusker, Sarden und Sikuler, daneben die Danauna, die Danaer Homers, die aber bereits echte Griechen waren. Von den Seevölkern sollen auch die Iberer abstammen; sie heißen so nach dem Iberusflusse, dem Ebro, und vermischten sich um 400 vor Christus mit den eingewanderten Kelten zu den Keltiberern: ihre letzten Reste sind die Basken. Ihre nächsten Verwandten waren die Ligurer in Oberitalien. Fast alle Inseln: nicht nur Kreta, Sardinien und Sizilien, sondern auch Zypern, Malta, Korsika, die Balearen gehörten zu demselben Kulturkreis.

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