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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 176
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Naturalismus

Im Hofleben äußerte sich der neue Naturalismus in einer Freiheit und Ungezwungenheit der Sitten, über die uns die Bilder beredte Auskunft geben. Man sieht wie die königliche Familie in einem eleganten Pavillon Siesta hält: Nackte Mädchen 358 spielen Laute, Flöte und Harfe; der König liegt müde im Lehnstuhl, seine Linke spielt zerstreut mit einigen Blumen, seine Rechte streckt lässig eine Schale aus, in die die Königin durch ein Seihtuch Wein füllt; drei kleine Prinzessinnen stehen daneben: die eine ist mit Buketts beladen, die andere plaudert mit ihrem Vater, die dritte bietet ihm Süßigkeiten an. Oder: die Herrschaften sind beim Mittagessen, von einem Aufwärter bedient, der König hält eine geröstete Taube zwischen den Fingern, die Königin trinkt aus einem zierlich geformten Becher. Sie ist entgegen der ägyptischen Tradition immer im gleichen Maßstab gehalten wie ihr Gatte, die Kinder aber sind unverhältnismäßig klein dargestellt; oder sie müssen sehr degeneriert gewesen sein. Ein anderes Bild, auf dem die Königin Echnaton an einer prächtigen Blume riechen läßt, zeigt diesen mit Spielbein, flatternden Bändern und lässig auf einen Stab gestützt, der in die Achsel gestemmt ist: drei völlig unägyptische Details, zumal bei einem König. Manchmal kommt auch Mama zu Besuch (Teje war allem Anschein nach in Theben geblieben), sehr mondän gekleidet und im vollen Königsschmuck, aber mit einer großen, kunstvoll frisierten Perücke, wie man sie in Amarna nicht mehr trägt, und nun sitzen alle am reichgedeckten Tisch, Braten und Gemüse, Früchte und Kuchen speisend: die Königin knabbert anmutig an einer kleinen Ente, Teje führt mit der einen Hand ein Fleischstück zum Munde und reicht mit der anderen ihrer Enkelin Baketaton einen saftigen Bissen, zwei andere kleine Prinzessinnen essen artig aus demselben Teller, der Haushofmeister prüft aufgeregt die Schüsseln, die zum Servieren kommen. Dazu konzertieren abwechselnd zwei Musikkapellen, eine ägyptische und eine syrische, und den Rahmen bilden Hofwürdenträger in Staatsgewändern, die, offenbar als Abzeichen ihres hohen Ranges, große Straußenwedel in den Händen halten. Sehr vornehm wirkt es, daß die königliche Familie fast niemals Schmuck trägt. 359

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