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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 174
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Aton

Das Ziel, das Echnaton sich gesteckt hatte, war nicht mehr und nicht weniger als: Abschaffung der ägyptischen Religion mit allen ihren Göttergestalten, Personifikationen und Kulten und alleinige Verehrung des Aton, der Sonnenscheibe. Ihr Symbol ist ein goldener Kreis, dessen Strahlen in Hände auslaufen, zum Zeichen, daß sie es ist, die alles Leben spendet. Von der Gottheit selbst aber kann kein Bild hergestellt werden, denn sie ist gestaltlos, unfaßbar, bloße Kraft: »die Glut, die in der Sonne ist«. Leichte Spuren eines gewissen Atonkults 354 finden sich schon unter Amenophis dem Dritten. Dieser hatte in fürstlicher Laune innerhalb von vierzehn Tagen zur Überraschung für seine Gattin einen zwei Kilometer langen See aus der Erde zaubern lassen und nannte die Prunkbarke, mit der er ihn bei der Einweihung befuhr, »Schönheit des Aton«; andrerseits hat dieser König dem Amon nicht minder großartige Tempel errichtet als seine Vorfahren. Es ist auch nicht unwahrscheinlich, daß in Heliopolis, der alten Sonnenstadt, deren Priester längst auf Amon von Theben eifersüchtig waren, schon vor Echnaton der Kult der Sonnenscheibe favorisiert wurde. Anfangs errichtete der junge König seiner Gottheit nur ein Spezialheiligtum in einem neuen Stadtteil Thebens, den er »Glanz des Aton« taufte, und ließ die anderen Götter unangefochten. Sich selbst nannte er nicht mehr »Amon ist zufrieden«, sondern »es gefällt dem Aton«: echen-Aton. Die Amonpriesterschaft leistete natürlich erbitterten Widerstand, und so kam es zum Bruch: Der König verließ Theben und erbaute sich an der Stelle des heutigen Tell el Amarna, fast genau in der Mitte zwischen Theben und Memphis, an der Grenze zwischen Mittelägypten und Oberägypten, eine neue Residenz: Achetaton, »Horizont des Aton«. Zwei andere Atonstädte gründete er in Syrien und Nubien, damit jeder der drei »Weltteile« eine neue Metropole habe. Bruchstücke des Edikts über die Gründung von Achetaton, die sich erhalten haben, lassen vermuten, daß es dabei zu bedenklichen Aufständen der Bevölkerung gekommen ist, die mit Waffengewalt unterdrückt werden mußten. Eine neue Stadt zu errichten, war im alten Ägypten keine so sensationelle Unternehmung wie heutzutage, um so mehr, als in Achetaton nicht nur die Häuser, sondern auch die Tempel aus Holz und ungebrannten Lehmziegeln mit Stukkaturverkleidung bestanden, also nicht viel mehr technischen Aufwand erforderten als etwa ein Ausstellungspalast oder eine große Strandanlage. 355

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