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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 168
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Die Vertreibung der Hyksos

Von etwa der Mitte des zweiten Jahrtausends an vereinigt sich die ägyptische Geschichte mit der vorderasiatischen: Die beiden Welten stehen von nun an miteinander dauernd in »Fühlung«, das Wort sowohl im kulturellen wie im militärischen Sinne 338 genommen. Die Brücke hatte die Herrschaft der Hyksos geschlagen, die ihr Zentrum in Syrien hatte, sich aber auch weit über die Ägäis, vielleicht sogar bis Kreta, erstreckte. Die beiden hervorstechendsten Eigentümlichkeiten dieser Völkergruppe, deren Grundstock höchstwahrscheinlich aus Amoritern bestand (doch nehmen einige Forscher eine indoeuropäische Herrenschicht an), waren der Kampfwagen und die doppelt ummauerte Hochburg. Von diesen Massen und ihren neuen Kriegsmitteln wurde Ägypten, das zudem durch soziale und dynastische Wirren zerrüttet war, einfach überrannt. Die Befreiung ging von König Kamose aus, der, wie es scheint, in Theben ziemlich selbständig regierte. Aber im Norden herrschten von Auaris im Delta bis Schmun (Hermopolis) in Mittelägypten die Asiaten, und im Süden stand ganz Nubien unter eingeborenen Häuptlingen. Das gefiel dem tapferen König ganz und gar nicht. Er berief, so erzählt ein historischer Text, seine Großen und sagte: »Wozu habe ich denn diese meine Macht, wenn ein Fürst in Auaris sitzt und ein anderer in Nubien, jeder mit einem Brocken von diesem Ägypten? Der Feind hält Schmun und niemandem ist wohl: wir sind die Sklaven der Syrer. Ich will mit ihnen kämpfen und ihnen den Bauch aufreißen.« Aber die Räte mahnen zur Vorsicht: der Feind sei zu stark, und gar so unerträglich sei die Lage ja nicht. Diese Reden »mißfielen Seiner Majestät«: »ich will«, sagte er, »der Beschützer Ägyptens sein.« Er zog ins Feld und schlug den Feind durch Überraschung: »Als der Tag graute, war ich über ihm wie ein Falke. Ich überwältigte sein Heer, ich zerstörte seine Mauer. Meine Krieger zogen davon wie Löwen mit ihrer Beute, mit Sklaven, Herden, Fett und Honig.« Sein Nachfolger Amose der Erste, dessen Regierung in die Zeit von 1580 bis 1557 gesetzt wird, vollendete das Werk. Auaris fiel nach mehrjähriger Belagerung, und er verfolgte die fliehenden Hyksos bis nach Asien hinein; es scheint, daß sie einer Allianz zwischen Ägypten und Kreta und einem kombinierten Angriff zu 339 Wasser und zu Lande erlegen sind. Die verlassenen Tempel baute er prächtig wieder auf. Sein kostbares Kriegsbeil hat Mariette in einem Versteck aufgefunden, wohin es offenbar Grabräuber verschleppt hatten: der Stiel ist aus Zedernholz geschnitzt und mit Goldblech überzogen, das Blatt aus Bronze und mit köstlichen Halbedelsteinen und eingelegten Goldfiguren verziert. Auch zahlreiche Schmuckgegenstände sind aus dieser Zeit erhalten, der schönste ist eine Brusttafel in Gold und Email von der Form eines kleinen Tempels: in der Mitte steht auf einer Barke der König zwischen den Göttern Amon und Re; zwei Falken breiten schützend die Flügel über ihm aus. Ein ergreifender Fund ist die Mumie seines Vaters Sekenjenre: sein Kopf zeigt deutlich, daß er drei Hiebwunden zum Opfer gefallen ist, die er im Felde oder durch Meuchelmörder erlitten hat, und an den vierhalb Jahrtausende alten schwachen Bartstoppeln kann man erkennen, daß er sich noch kurz vor seinem Tode rasieren ließ.

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