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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 152
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Hammurapi

Um 2200 hat ein Großreich von Elam bestanden. Wenn die Quellen nicht trügen, so unterwarfen die Elamiten zuerst Südbabylonien, dann Nordbabylonien und damit auch alle die mehr oder weniger abhängigen Länder im Westen, so daß schon damals, ähnlich wie viele Jahrhunderte später im persischen Weltreich, von Susa aus ein König bis zum Mittelmeer geboten hätte. Ur, das den ersten Stoß auszuhalten hatte, soll damals vollständig zerstört worden sein. Es ist aber ungeklärt, ob es nicht bloß zu einer elamitischen Tributärhoheit gekommen ist, und jedenfalls hat diese Fremdherrschaft nicht lange gedauert, denn wenige Jahrzehnte später hat es bereits eine »erste« Dynastie von Isin und eine von Larsa gegeben, die nebeneinander an Stelle des untergegangenen Ur die Hegemonie innehatten. Rimsin von Larsa aber zog um 1950 erfolgreich gegen Isin und herrschte wieder unumschränkt über ganz Babylonien, mit Ausnahme des Stadtgebietes von Babel. Gerade von 303 dort aber kam das Verhängnis. Hundert Jahre früher waren nämlich die sehr kriegerischen Amoriter aus ihren westlichen Sitzen hervorgekrochen und hatten sich Babels bemächtigt, wo sie ein selbständiges Fürstentum errichteten, etwa in der Art, wie es die Goten und Normannen an vielen Orten getan haben. 1955 gelangte Hammurapi auf den Thron, dem es am Ende eines dreißigjährigen Kampfs, 1925, gelang, Rimsin vernichtend zu schlagen und nach sechzigjähriger Regierung gefangenzunehmen; Hammurapi selber regierte über vierzig Jahre (die Zahlen stammen, ebenso wie die meisten bisherigen, von Bruno Meißner, der derzeit wohl der zuverlässigste und intimste Kenner aller babylonischen Verhältnisse sein dürfte; es muß jedoch bemerkt werden, daß ein Forscher vom Range Hugo Wincklers die Hammurapizeit um volle anderthalb Jahrhunderte früher ansetzt). Mit Hammurapi gelangt wieder das semitische Element ans Ruder und beginnt der glänzende Aufstieg Babels, das, bisher ein unbedeutendes Provinznest, unter ihm eine goldene Märchenstadt und die Sonne Vorderasiens geworden ist. Seine Herrschaft stützte er auf seine ergebenen und kriegserprobten amoritischen Soldaten; eine besondere Elitetruppe, der »Knoten des Königs«, diente zu seinem persönlichen Schutz. Die Veteranen erhielten als unveräußerliches königliches Lehen Grundbesitz mit der Verpflichtung, ihren Beruf auf die Nachkommen fortzupflanzen: So schuf er sich eine Art Erbmilitär. In der inneren Verwaltung huldigte er einer versöhnlichen Unionspolitik. Er versuchte die sumerische und die akkadische Kultur zu verschmelzen, schon äußerlich, indem er in der Tracht den Mantel und die Kappe der Sumerer mit dem Bart der semitischen Völker vereinigte, die Lippen aber wieder, als Konzession an Sumerien, rasieren ließ. Als allgemeine Kirchensprache ließ er das Sumerische gelten; sein berühmtes Gesetzbuch aber war, wie bereits erwähnt, akkadisch abgefaßt. Eine großartige Kanalanlage, genannt »der 304 Hammurapifluß ist der Überfluß der Menschen«, an der er viele Jahre hatte bauen lassen, versorgte ganz Babylonien mit Wasser. Zum allmächtigen Reichsgott erhob er Marduk, den Bel von Babel, der, im Gegensatz zur Mondverehrung des Südens, ein Sonnengott war. Die Stellung Babels als Kirchenmetropole hat sich von da an durch alle politischen Wechselfälle erhalten: Es wurde das Byzanz der vorderasiatischen Welt. Auch die späteren assyrischen Herrscher konnten sich allein dadurch legitimieren, daß sie nach Babel gingen und »die Hand Marduks ergriffen«. Nur der Götterkönig Marduk vermag die Weltherrschaft zu verleihen.

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