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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 141
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Chaldäa und Elam

Aber wenn man den Begriff Babylonien in jenem weiteren und vageren Sinne nimmt, der ihm im ganzen Altertum beigelegt wurde und auch heute noch nur in der strengwissenschaftlichen Ausdrucksweise aberkannt wird, darf man nicht bloß an Sumer und Akkad denken, sondern muß noch einige andere Länder ins Gesichtsfeld ziehen. So lag südlich von den beiden Strommündungen, und diese beherrschend, das uralte »Meerland« der Chaldäer, die für die Babylonier, indem sie sie jederzeit leicht vom Meer abriegeln konnten, eine dauernde Kalamität bildeten, häufig aber auch aktiv in deren Geschichte eingriffen und zeitweilig ganz Mesopotamien beherrschten. Der große Nebukadnezar war ein Chaldäer. Er befestigte die Vorherrschaft seines Volkes in so hohem Maße, daß man in der späteren Antike die Bayblonier Chaldäer nannte, und schließlich wurde der Name wegen der astrologischen Kenntnisse, die im Zweistromlande ihren Ursprung hatten, sogar die Berufsbezeichnung für Sterndeuter: in diesem Sinne gebraucht ihn das Buch Daniel. Nördlich von den Strommündungen, zwischen dem Persischen Meerbusen und den Ketten des Zagrosgebirges, lag das biblische Elam, dessen sumerischer Name so viel wie »Hochland« bedeutete, mit der Hauptstadt Schuschan, 278 dem zur Perserzeit hochberühmten Susa. Auch die Elamiten bildeten eine ständige Bedrohung Babyloniens, das sie mehr als einmal unterwarfen, aber niemals auf die Dauer. Sie unterschieden sich von den übrigen Bewohnern Vorderasiens unter anderm durch den Besitz des Lastwagens, der von diesen öfters als willkommene Beute erwähnt wird, aber merkwürdigerweise niemals nachgeahmt wurde, vielmehr bedienten sie sich nur des Kriegswagens und zur Frachtenbeförderung der Packesel und Kamele. Auch in ihren Verwaltungsgebräuchen, über die aber noch wenig Eindeutiges erkundet ist, gingen die Elamiten ihre eigenen Wege. Besonders eigentümlich ist, daß ihr Kronrecht nur Kinder aus einer königlichen Geschwisterehe als legitim anerkannte und daß ihre Kalenderrechnung auf dem Venusjahr fußte.

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