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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 139
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Sumer und Akkad

Akkad, die Hauptstadt Nordbabyloniens, hat diesem Teil des Landes den Namen gegeben. Die südliche Landschaft hieß Sumer, und die offizielle einheimische Bezeichnung für das ganze Gebiet war »Sumer und Akkad«. Der Name »Babylonien« stammt von den Nachvölkern und hat, von den Griechen übernommen, Weltgeltung erlangt. Die Akkader, die um 3000 vor Christus, wahrscheinlich aus dem unerschöpflichen Menschenreservoir Arabiens, über den Euphrat vorstießen, waren Semiten. Die semitischen Sprachen sind einander viel ähnlicher als die Zweige der anderen großen Sprachstämme; sie sind, in Wörtern und Wurzeln von weitgehender Übereinstimmung, nicht viel mehr als Dialekte, verschiedene Entwicklungsstufen, die sich hauptsächlich durch ihre größere oder geringere Ausdrucksfähigkeit voneinander unterscheiden. Das Akkadische ist dem Hebräischen sehr nahe verwandt. Man unterscheidet gemeinhin vier Gruppen des Semitischen: das Babylonisch-Assyrische, das in Mesopotamien, das Hebräisch-Phönikische, 274 das in Südsyrien, das Aramäische, das in Nordsyrien, und das Nordarabisch-Südarabische, das in Arabien gesprochen wurde. Die Völker, die sich dieser Sprachen bedienten, nennt man Semiten, womit über ihre Abstammung noch wenig ausgesagt ist. Die Sumerer hingegen waren weder Semiten noch Indogermanen. In ihrer äußeren Erscheinung waren sie mit ihren niedrigen, fliehenden Stirnen, geradrückigen, feingeflügelten Nasen, kleinen, schmallippigen Mündern und glattrasierten Schädeln und Antlitzen das völlige Widerspiel der semitischen Akkader. Sie sind ein prähistorisches Volk, denn von ihrem Dasein kündet nichts als ihre Sprache, die vom Semitischen im Bau völlig verschieden ist. Diese aber hat ein überaus zähes Leben gehabt, denn sie war drei Jahrtausende lang in ganz Mesopotamien die Sprache der Gelehrsamkeit und des Gottesdienstes, also doppelt so lang wie das Lateinische unter den germanisch-romanischen Völkern. Sie hat auch ähnliche Schicksale gehabt, indem sie allmählich nach Art des Küchenlateins korrumpiert und zu stilistischen Spielereien mißbraucht wurde. Auch als König Sargon der Große das Akkadische zur Schriftsprache erhob, wurden alle historischen Berichte noch immer zweisprachig abgefaßt: nur so gewannen sie für das Gefühl des Volkes Gehalt und Würde. Die berühmte Gesetzsammlung Hammurapis freilich wurde nur in akkadischer Sprache publiziert, und von allen alten sumerischen Texten: Gebeten, Hymnen, Epen, Zaubersprüchen waren Übersetzungen in Umlauf, aber zu allen Zeiten gehörte es zur Bildung, beide Sprachen zu beherrschen, wofür zahlreiche Wörterbücher, Grammatiken und Phrasensammlungen sorgten.

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