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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 122
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Das Amüsement

Die ägyptischen Kinder wurden mit großer Liebe aufgezogen. Ihre Eltern nahmen sie überallhin mit. Ihr Spielzeug war dem heutigen sehr ähnlich: Es gab Puppen mit beweglichen Armen und Beinen und wirklichem Haar, allerlei Hampelmänner, zum Beispiel Bäcker, die den Mehlteig hin und her schoben, wenn man am Faden zog, Puppenstuben und Miniaturküchen, kleine Boote und Sänften, tönerne Esel und Kälber, Vögel auf Rädern, schwimmende Holzfische, Krokodile, die den Unterkiefer auf- und zuklappen konnten. Schon mit fünf Jahren kamen die Kinder in die Schule, wo es ihnen weniger gut ging: »der Knabe«, heißt es in einer der Weisheitslehren, »hat seine Ohren auf dem Rücken, er hört, wenn man ihn schlägt«; hierbei wurde 242 kein Unterschied zwischen vornehm und gering gemacht. Ist der Mittag gemeldet, so verlassen sie jauchzend die Schule und laufen von der Arbeit »wie eine Antilope, wenn sie flieht«. Der Hauptunterrichtsgegenstand war natürlich die schwierige Kunst des Schreibens, sowohl Kalligraphie wie Orthographie, dazu kamen Kopfrechnen und Kalenderkunde, wozu im ganzen alten Orient auch die sogenannte Tagewählerei gehörte, die genaue Kenntnis der Tage, die Glück oder Unglück bringen. Daneben bestand eine Art Sporterziehung: Ballspiel, Bogenschießen nach der Tierhaut, Ringkämpfe mit speziellen Griffen und Knockout, aber wohl nur für gewisse Kreise. Es gab auch Schwimmmeister. Die Ägypter waren vermutlich ursprünglich Naturschwimmer wie die Indianer, und man nimmt an, daß ihre Schwimmform das Paddeln war; die Hieroglyphe für »Schwimmen« läßt aber eher auf Armtempi schließen. Als die eigentliche Kavaliersjagd galt der Kampf mit dem Löwen; auch das Nilpferd wurde trotz seiner Heiligkeit mit Harpunen verfolgt. Auf die zahlreichen Vögel: Wildgänse, Enten, Wasserhühner, Reiher, Flamingos, schoß man mit dem Wurfholz oder man fing sie in Netzen. Es scheint, daß man zum Apportieren auf dem Lande öfters Katzen verwendete; fielen die Vögel aber ins Wasser, so war das Herausfischen im scharfen Papyrusdickicht oft schwieriger als das Erlegen. Der ständige Jagdgefährte war natürlich der Windhund. Fische fing man mit der Angel, dem Handnetz, der Reuse und selbst mit der Lanze wie in grauer Vorzeit; »Fischstechen« galt sogar als besonders elegant. Es gab übrigens auch so etwas wie Stierkämpfe. Ein großes Vergnügen war die Nilfahrt. Längere Reisen unternahm man auf Schiffen, die mit bequemen mattenbekleideten Kabinen, bunten Segeln und Emblemen, Dienern, Harfenspielern, Sängerinnen und einer Küchenbarke ausgestattet waren; noch heute kann man in Ägypten solche »Hausboote« mieten. Musik begleitete überhaupt den Ägypter überallhin. Sie war allerdings für unsere 243 Begriffe ziemlich primitiv, der Gesang nur rhythmisch, nicht melodisch, von taktierendem Händeklatschen begleitet und von Zeit zu Zeit durch einen refrainartigen Aufschrei unterbrochen. Die mittelgroße Harfe, XXX, wurde im Sitzen, die große im Stehen gespielt; daneben war zu allen Zeiten die Flöte in Gebrauch. Die Leier war aus Asien eingeführt. Im Neuen Reich kam eine Reihe lärmender Instrumente hinzu: Handtrommel, Tamburin, Sistrum, Zimbeln, Kastagnetten. Die Trompete war nur Kriegsgerät. Die Tänze waren in älterer Zeit gemessen, nach Art des Menuetts, später wurden sie wilder.

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