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Kulturgeschichte des Altertums

Egon Friedell: Kulturgeschichte des Altertums - Kapitel 110
Quellenangabe
typetractate
booktitleKulturgeschichte des Altertums
authorEgon Friedell
year2009
firstpub1936
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn978-3-257-23881-5
titleKulturgeschichte des Altertums
pages957
created20120603
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Der Hyksos

Ähnliche Thronwirren wie die von Sinuhe erwähnten haben sich offenbar immer wieder ereignet, und unter der dreizehnten Dynastie erfolgte der Zusammenbruch. Es regierten »Soldatenkaiser«, »Usurpatoren«, hinter denen sich wahrscheinlich wiederum ein Jahrhundert der Anarchie verbirgt. Noch während ihrer gegenseitigen Kämpfe erfolgte der Einbruch der Hyksos, des »Pestvolks«, der »Verruchten«, die hundert Jahre oder noch länger (bis etwa 1600) über Ägypten herrschten; Manetho zählt sie als vierzehnte bis siebzehnte Dynastie. Er sagt, nach dem Zitat bei Josephus, über sie: »Dieses ganze Volk wurde die ›Hirtenkönige‹ genannt: die erste Silbe hyk bedeutet in der heiligen Sprache einen König und sos bedeutet, freilich nur in der Volkssprache, einen Hirten. Einige sagen, sie seien Araber gewesen.« Neuerdings erklärt man das Wort aus dem ägyptischen hyko schose, »Herrscher der Fremdländer«. Sie 219 waren zweifellos Asiaten. Sie residierten in Auaris, im äußersten Osten des Deltas, und gaben sich als Nachfolger der Pharaonen. Die einheimischen Gaufürsten scheinen sie als Suzeräne geduldet zu haben. Gleichzeitig mit ihnen regierte in Theben eine (vielleicht unabhängige) Dynastie der »Könige von Oberägypten«. Die Hyksos hatten auch die Herrschaft über Syrien und Palästina inne (und deshalb hatten sie wohl den Brückenkopf Auaris zu ihrem Regierungssitz gewählt), und ihre Fußstapfen lassen sich bis nach Kreta und Babylonien verfolgen. Vielleicht handelt es sich um ein kleinasiatisch-unterägyptisches Großreich. Oder um eine Völkerwanderung: um 1700 hat ein Einfall der Kassiten in Babylonien stattgefunden, und man kann annehmen, daß dieser ein allgemeines Drängen von Osten nach Westen zur Folge hatte. Von den Ägyptern werden sie als Barbaren geschildert; in deren Religion, Sprache und Sitte haben sie jedenfalls keine Spuren hinterlassen. Die Hauptwirkung ihrer Fremdherrschaft war, daß sie ägyptisiert, die Ägypter aber militarisiert wurden. Den Hyksos verdanken die Ägypter eine epochemachende Neuerung: die Einführung des Pferdes: XXX und des Kriegswagens: XXX (das ägyptische Wort für ihn stammt aus dem Syrischen); bis dahin hatten sie nur den Ochsenkarren und den Eselschlitten gekannt. Es waren offenbar Pferde der arabischen Rasse, die sehr edel, aber kleiner sind als die uns geläufigen. Die ägyptischen Wagen waren zweirädrig, zweispännig und nur für ein bis zwei Personen eingerichtet. Auf dem Kriegswagen standen der mit Bogen und Lanze bewaffnete Wagenkämpfer und der Lenker; bei den Asiaten kam meist noch ein Schildträger hinzu. Die Luxuswagen trugen häufig einen Sonnenschirm.

Mit der Vertreibung der Hyksos beginnt das Neue Reich, das in der Tat in jedem Sinne eine neue Zeit heraufführt. Ägypten wird, so sonderbar dies klingen mag, »modern«, was sich unter anderm darin äußert, daß es imperialistische Ziele verfolgt. Es 220 greift in kriegerischer Eroberung und friedlicher Durchdringung über seine natürlichen Grenzen hinaus in die östliche Nachbarwelt, und hieraus entwickelt sich eine Art »ostmediterranes Konzert«, weshalb die ägyptische Geschichte von nun an nur im Zusammenhang mit der vorderasiatischen betrachtet werden kann.

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