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Krebsbüchlein - 1. Teil

Christian Gotthilf Salzmann: Krebsbüchlein - 1. Teil - Kapitel 8
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authorChristian Gotthilf Salzmann
titleKrebsbüchlein ? 1. Teil
publisher Thüringer Verlagsanstalt / Weimar
editorFriedrich Heilmann
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VI. Lebensabend Salzmanns – Würdigung seiner Persönlichkeit und seines Werkes

In unermüdlicher Tätigkeit hat Salzmann bis in sein Alter gewirkt. Er hatte dabei das Glück, seine Arbeit gelingen zu sehen; seine Anstalt entwickelte sich, und seine Bücher fanden lebhaften Widerhall nicht nur in Deutschland. Seine letzten Lebensjahre wurden freilich durch die Kriegswirren des Napoleonischen Zeitalters getrübt. Wenn auch Schnepfenthal nicht unmittelbar vom Kriege berührt wurde, so wirkte die allgemeine Unsicherheit und Verarmung doch auf die Entwicklung der Anstalt ungünstig ein. Die Schülerzahl sank. Nachdem er 1810 seine Lebensgefährtin verloren hatte, die ihm 40 Jahre lang eine treue Helferin gewesen war, starb Salzmann am 31. Oktober 1811.

Würdigung

a) Salzmann verkörpert in sich das unvergängliche Erbe der deutschen Aufklärung in reinster Weise. »Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!« ist nach Kant der Wahlspruch der Aufklärung. Salzmann handelt danach. Er ist in seinem Denken und Tun durchaus ein Kind seiner Zeit, doch übernimmt er keine Lehre oder Meinung ohne genaue Prüfung. Charakteristisch dafür ist folgender Satz aus Salzmanns Brief an seinen Freund Ausfeld (1779): Du fragst, was meine Lieblingslektüre sei? – Ich selbst – ja wahrhaftig ich selbst. Ich weiß gar nicht, wie ich in den beklagenswerten Zustand gekommen bin, daß ich unaufhörlich denke. Ich lese kaum ein paar Seiten, so stoße ich auf einen Gedanken, der mir gefällt; den ergreife ich, er wird immer lebhafter, das Buch fällt mir aus den Händen, und ich lese – mich selbst. So bewahrt er sich sein Lebenlang ein selbständiges Urteil auch gegenüber anerkannten pädagogischen Größen wie Basedow und Pestalozzi und hört auch nicht auf, sein eigenes Tun kritisch zu betrachten und erkannte Fehler offen einzugestehen und zu verbessern.

b) Salzmann gehört in die Reihe der großen Idealisten, die das deutsche Volk der Menschheit geschenkt hat. Seine treibende Kraft ist die Menschenliebe, und keine Enttäuschung kann ihm den Glauben an das Gute im Menschen rauben. Selbstlos arbeitet er rastlos für die Menschen, die ihm nahe treten: seine Familie, seine Zöglinge, seine Freunde und Mitarbeiter – und unaufhörlich ist er bemüht, seinen Wirkungskreis durch seine Bücher zu erweitern. Sein privates Leben ist beispielhaft: Einfach, persönlich bedürfnislos, immer tätig und voll Selbstbeherrschung ist er ein Vorbild für alle, die ihm nahe waren oder als Leser seiner Bücher in seinen Bannkreis kamen.

c) Zwei Gaben erklären seine pädagogischen Erfolge: seine Fähigkeit, die Menschen zu erkennen, und die Gabe, sie zu behandeln. Das zeigt sich – sehr im Gegensatz zu Basedow – in der Wahl seiner Mitarbeiter und seinem weiten Freundeskreis, wie auch in der tiefen Kenntnis der Kindesnatur und in der Anhänglichkeit seiner Zöglinge. Es gibt wenige pädagogische Probleme, die Salzmann nicht schon erkannt hat und das macht seine pädagogischen Schriften auch für die Gegenwart so wertvoll.

d) Wie der Mensch Salzmann nüchtern, volks- und naturverbunden war, so ist auch sein Stil einfach, anschaulich und volkstümlich und zieht darum auch heute noch den Leser in seinen Bann.

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