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Krebsbüchlein - 1. Teil

Christian Gotthilf Salzmann: Krebsbüchlein - 1. Teil - Kapitel 31
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authorChristian Gotthilf Salzmann
titleKrebsbüchlein ? 1. Teil
publisher Thüringer Verlagsanstalt / Weimar
editorFriedrich Heilmann
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correctorreuters@abc.de
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Mittel, Kinder gegen gute Lehren unempfindlich zu machen

Predige ihnen ihre Pflichten unaufhörlich vor.

Wenn Frau Ursula sich in Gesellschaft ihrer Kinder befand, so tat sie nichts, als daß sie predigte. Viel, pflegte sie zu sagen, hilft viel, an guten Ermahnungen soll es meinen Kindern nicht fehlen. Nun, Kordelchen, sei heute fein artig! Heule nicht, zanke nicht! Wenn dir deine Schwester oder dein Bruder etwas zuleide tun, so kannst du es mir ja nur sagen. Wenn Fremde in das Haus kommen, so mußt du eine hübsche Verbeugung machen und die Hand küssen. Und das sage ich dir, daß du mir nicht immer auf der Gasse herumläufst! Gib Achtung, gib Achtung! ich werde einmal über dich kommen, daß es dir nicht gefallen soll! Du weißt ja, daß ich dir keine Freude verwehre, du kannst ja auf die Gasse gehen, wenn es dir gefällt, nur mußt du nicht immer auf der Gasse sein. Den Finger aus dem Munde! Fi! so machen es die Bauernmädchen. Und bei Tische – daß du ja fein sittsam bist. Sieh'! das artige Kontuschchen (Kleidchen), das ich dir angezogen habe, daß du es mir nicht schmutzig machst! Und pfropfe nicht zu viel in den Mund. Du kannst langsam essen, es entgeht dir ja nichts. Komm mir ja nicht noch einmal wie gestern und sprich: Fleisch! Suppe! Du kannst ja sagen: Lieber Papa, oder liebe Mama! wenn Sie wollen so gütig sein, so geben Sie mir noch ein wenig Fleisch oder Suppe! So steht es fein, so machen es hübsche Kinder. Wenn dann Fremde kommen und du bist so artig, so werden sie dich loben und sagen: Das ist wahr, Kordelchen ist eine recht artige Mamsell. Wie stehst du denn da? Kannst du denn nicht den Kopf gerade halten, so wie ich? Aber den dummen Anstand lernst du von der Magd. Daß du es weißt, du sollst nicht wieder auf ihre Stube gehen, nicht ein einziges Mal (hier schlug sie mit der Faust auf den Tisch), ich sage es dir! Du wirst noch eben so eine Käthe werden, wie das Mensch ist. Da mag sich die Mutter die Lunge aus dem Leibe reden, du bleibst immer, wie du bist. Nicht wahr, die schwarze Wäsche hast du noch nicht weggetragen? Da haben wir es, ich will noch Ordnung machen, eher will ich nicht ruhen! (wieder ein Schlag auf den Tisch).

Dies ist ein Stück aus einer Predigt, deren Frau Ursula täglich etliche an ihre Kinder zu halten pflegte.

Man hat angemerkt, daß der Mensch, wenn er kräftige Arzenei recht oft genießt, es nach und nach so weit bringen kann, daß sie gar keine Wirkung mehr tut.

So ging es dieser guten Frau mit ihren Predigten. Die Kinder wurden am Ende so daran gewöhnt, daß sie bei ihnen ebenso wenig Eindruck machten als die Unterredungen, welche die Mama bisweilen mit ihrem Löwenhündchen anstellte.

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