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Krebsbüchlein - 1. Teil

Christian Gotthilf Salzmann: Krebsbüchlein - 1. Teil - Kapitel 29
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authorChristian Gotthilf Salzmann
titleKrebsbüchlein ? 1. Teil
publisher Thüringer Verlagsanstalt / Weimar
editorFriedrich Heilmann
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correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Mittel, Kindern die Unordnung zu lehren

Steure beizeiten ihrer Liebe zur Ordnung!

Philippinchen war in den ersten Jahren ihres Lebens ein Muster guter Ordnung. Sie wollte ihre Wäsche und Kleidung gern immer reinlich haben, welches auch gar wohl möglich war, solange die alte Katharine, die, wie bekannt, beständig auf Reinlichkeit hielt, bei ihren Eltern diente. Philippinchen hielt darauf, daß von allen ihren Sachen ein jedes seinen bestimmten Platz hatte, wohin sie es, nachdem sie es gebraucht hatte, legen oder stellen konnte. Ein Loch im Strumpfe oder in einem anderen Kleidungsstücke konnte sie durchaus nicht leiden.

Damit war nun die liebe Mutter gar nicht zufrieden. Wenn das Ding hätte so fortgehen sollen, so hätte sie immer tätig sein, Philippine guten Rat geben und sie bei ihrer Ordnung schützen müssen. Da müßte sie aber, wie sie zu sagen pflegte, viel zu tun haben, wenn sie sich um alle diese Kleinigkeiten bekümmern wollte.

Huldrich, Philippinchens Bruder, war ein sehr mutwilliger Junge. In seiner Schwester Abwesenheit durchsuchte er ihre Bücher und ihr Spielwerk und warf es umher. Wenn nun Philippinchen zurückkam und die Unordnung sah, so lief sie mit nassen Augen zur Mutter, zeigte ihr den Schrank und bat um Abstellung dieses Unfugs.

Aber die Mutter erteilte ihr gewöhnlich ganz kaltsinnig die Antwort: Albernes Mädchen! Mußt du denn um solcher Lumpereien willen so einen Spektakel anfangen? Stelle die Sachen wieder hin, wo sie gestanden haben, so ist es gut!

Wenn Philippinchen ein Loch im Strumpfe oder in einem anderen Kleidungsstücke hatte, so lief sie ängstlich zur Mutter und sagte: Gucke, Mutter, das Loch da! Gib mir eine Nähnadel, ich will es zustechen.

Aber die Mutter wies sie zurück und sagte: Ach, ich habe jetzt keine Nadel! Ich habe keine Zeit dazu, daß ich dir immer aufwarten kann.

Philippinchen ging bisweilen in Gesellschaft. Wenn sie nun zurückkam, so bat sie die Mutter um den Schlüssel zur Kommode, daß sie ihre Sachen aufheben könnte. Aber die Mutter sagte oft, dazu ist ja morgen noch Zeit genug. Du kannst ja diesen Abend deine Sachen da auf die Bank oder auf das Bett werfen.

Und das gehorsame Philippinchen befolgte die Winke, die ihr die Mutter gab, auf das pünktlichste; sie bekümmerte sich nicht mehr um ihren Schrank; die Bücher und Spielsachen warf sie bald auf den Herd, bald auf den Abtritt, bald in den Garten. Durch viele Selbstüberwindung brachte sie es so weit, daß sie mit durchlöcherten Strümpfen, schmutziger Wäsche und zerrissenen Kleidern ausgehen konnte, ohne rot zu werden. Und wo sie sich auszog, da ließ sie die Kleidung liegen.

Sie ist jetzt Frau, und ihr Haus ist ein Muster guter Unordnung. Die Windeln knüpft sie den Kindern anstatt der Servietten vor, in der Putzstube liegt die schwarze Wäsche, und der Nachtstuhl steht in der Speisekammer. Ihre Kinder klebten, wie man zu sagen pflegt, wenn man sie an die Wand würfe.

So viel können Eltern durch anhaltenden Unterricht bei den Kindern ausrichten!

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