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Krebsbüchlein - 1. Teil

Christian Gotthilf Salzmann: Krebsbüchlein - 1. Teil - Kapitel 20
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authorChristian Gotthilf Salzmann
titleKrebsbüchlein ? 1. Teil
publisher Thüringer Verlagsanstalt / Weimar
editorFriedrich Heilmann
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correctorreuters@abc.de
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Mittel, Kindern Furcht vor Gewittern beizubringen

Stelle dich selbst, sobald ein Gewitter aufsteigt, fein ängstlich an, so werden sich deine Kinder bald nach dir bilden!

Herr Siegfried hatte die besondere Gewohnheit an sich, daß er seine Kinder auf alle merkwürdigen Begebenheiten in der Natur aufmerksam machte und sie dabei immer an die Güte und Weisheit Gottes erinnerte. Dies ging so weit, daß er sogar mit ihnen in das freie Feld ging, so oft ein Gewitter aufstieg und demselben so lange zusah, bis ihn der Regen nötigte, in sein Haus zurückzukehren.

Gemeiniglich pflegte er folgendermaßen zu seinen Kindern zu reden: Seht, Kinder, wie lieb uns Gott hat! Heute war der Tag so heiß, so schwül, daß, wenn diese Hitze noch einige Zeit gedauert hätte, unsere Gewächse verdorrt und wir selbst zu alter Arbeit untüchtig geworden wären. Da hat aber der liebe Gott die Einrichtung gemacht, daß auf große Hitze ein Gewitter erfolgen muß. Dies kühlt die Luft ab – fühlt ihr es nicht, wie kühl sie schon wird? Bald wird ein fruchtbarer Regen folgen, der alle unsere schmachtenden Gewächse erquickt. –

Dadurch wurden die Kinder bald so weit gebracht, daß sie kein Gewitter mehr fürchteten. Wenn ein Wetterstrahl durch die Luft fuhr, so riefen sie: Sieh' einmal, Vater, das war ein prächtiger Blitz! Geschähe ein Donnerschlag, so sagten sie: der Schlag läßt sich hören! Und, wenn es gar zu regnen anfing, so sangen sie gewöhnlich:

Du tränkst das Land,
Führst uns auf grüne Weiden,
Und Tag und Nacht
Und Korn und Wein und Freuden
Empfangen wir aus deiner Hand.

Was wohl aus diesen Kindern würde geworden sein, wenn sie auf diesem Fuß wären groß gezogen worden! Alle Nachbarn ärgerten sich daran, murmelten darüber und sagten einander in das Ohr: Herr Siegfried sei ein Naturalist, der alle Gottesfurcht aus den Herzen seiner Kinder vertreibe.

Zum großen Glück für sie starb Herr Siegfried bald, und sein Bruder rettete wenigstens den ältesten Sohn Adolf.

Er nahm ihn zu sich und ließ es sich sehr angelegen sein, alles, was der Vater bei ihm, wie er zu sagen pflegte, verdorben hatte, wieder gut zu machen. Von den mancherlei Mitteln, die er anwandte, um zu seinem Zwecke zu kommen, will ich jetzt nichts anführen als sein Verhalten bei Gewittern.

So oft sich eins in der Ferne zeigte, rang und wand er die Hände und sagte: Gott, erbarme dich unser! Herr, sei uns gnädig! erzählte dabei, wie viele Dörfer schon durch den Wetterstrahl wären angezündet und wie manche Menschen davon wären getötet worden. Anfänglich wollte Adolf allerlei Einwendungen dagegen machen, er wurde aber sehr bald zum Schweigen gebracht. Ließ sich nun der Donner hören, so stimmte Adolfs Vetter nebst seiner Familie ein gewöhnliches Bußlied an. Sobald aber ein starker Donnerschlag geschah, so ertönte ein Lied im höheren Chor. Gewöhnlich war es das Lied:

Straf mich nicht in deinem Zorn;
Großer Gott, verschone
Ach, laß mich nicht sein verlorn,
Nach Verdienst nicht lohne
Hat die Sund'
Dich entzünd't,
Lösch' ab in dem Lamme
Deines Grimmes Flamme

Diese Behandlung tat nun bei Adolf sehr gute Wirkung. Wenn die Worte kamen: »Lösch ab in dem Lamme deines Grimmes Flamme«, so zitterten ihm alle Glieder, weil er an solche Ausdrücke gar nicht gewöhnt war und Gott immer als einen Gott der Liebe hatte kennen lernen.

In kurzem kam es mit ihm so weit, daß er nicht mehr in den Blitz sehen konnte und Todesangst ausstand, sobald ein Gewitter sich näherte. Darüber freute sich sein Herr Vetter gar höchlich und erzählte es gegen jedermann, daß er den kleinen Adolf zur Gottesfurcht angeführt hätte.

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