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König und Kärrner

Rudolf Stratz: König und Kärrner - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
authorRudolph Stratz
titleKönig und Kärrner
publisherAugust Scherl G.m.b.H.
addressBerlin
year1921
firstpub1921
printrun56.-65. Tausend
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100605
projectid7ad4d4db
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8

»Eva ... sprich doch wenigstens ein Wort! ... Umsonst bin ich doch nicht hierhergefahren ... Heute mittag, mitten im tollsten Trubel, hab ich deinen Brief gekriegt ... den ganzen Nachmittag bin ich überhaupt kaum zur Besinnung gekommen ... ich bin jetzt noch wie vor den Kopf gehauen ... Wenn nicht alle Züge Verspätung hätten wegen der Militärtransporte ins Streikgebiet, hätt ich den Zug nach Freiburg auch noch verfehlt ... Nun bin ich also glücklich hier ... In zwei Stunden muß ich weiter ... Ich muß mich morgen früh beim Regiment zur Reserveübung melden ... Ich hab wirklich keine Zeit ...«

»Nein, du hast nie Zeit, Werner!«

»Kann ich dafür? ... Ich kann nicht dasitzen mit den Händen im Schoß, wenn es rings um einen licherloh brennt.«

»Du bist selbst wie eine Kerze, die an beiden Enden zugleich brennt ...«

»Dann leb ich eben doppelt so schnell wie andere Leute! ... Mir auch recht! Alles besser als die Schlafmützerei! Eva ... mach mir nur heute keine Vorwürfe! ... Ich bin heute ein bißchen im Fieber ... Ich geb es zu ... Ich hab heute schon gerade genug erlebt ...«

Ein Schweigen.

»Eva ... das macht einen ja rein verrückt, wie du da auf dem Sofa sitzt und in die Lampe starrst und die Lippen zusammenpreßt, statt daß du sie endlich aufmachst und mir sagst, was ... Mir dreht sich der Kopf ... Ich lauf schon in dem verfluchten kleinen Käfterchen da herum wie der Tiger im Käfig ...«

»Oben in meinem Zimmer kann ich dich doch abends nicht empfangen!«

»Aber in so'ner Pension haben die Wände Ohren! Hinter jeder Tür steckt irgend 'ne Muhme und horcht! ... Ich seh's ja, wie der Makartstrauß da drüben wackelt!«

»Es wohnen beinah nur Studentinnen im Haus. Die Hälfte ist schon weg, beim Semesterschluß. Und die übrigen sind jetzt sicher alle an die Luft nach der Hitze heute ...«

Der Abend hatte wieder kaum eine Minderung der Glut gebracht. Es wehte schwül und schwer von der Straße in den kleinen Empfangsraum mit seinen gehäkelten Sofaschonern, seinem gipsernen Schillerkopf und seiner künstlichen Palme in der Ecke. Fern, am Nachthimmel über den Dächern, zuckten und liefen wieder, wie gestern, fahle Lichtwände als Widerschein unhörbarer Gewitter überm Rhein. Werner Winterhalter unterbrach seinen stürmischen Schritt durch das kleine Gemach, blieb vor dem jungen Mädchen stehen, beugte sich zärtlich nieder, streichelte ihr über das blonde Haar. Sie fuhr zurück.

»Nein! ... Küß mich nicht!«

»Eva ...«

Abermals eine Stille.

»Eva ... was hast du denn nur? ... Ja – nun schüttelst du wieder den Kopf und siehst so kummervoll darein ... so verzweifelt ... Um Gotteswillen: Was ist denn passiert?«

»Nichts Besonderes ...«

»Ja, aber dann ... Eva ... ich kann heut keine Rätsel raten! Es kam zu viel auf einmal! – Komm ... laß dich anschauen ... Blaß bist du, mein Herz ...«

Das klare, junge Mädchengesicht sah, schmal geworden, zwischen seinen Händen mit einem ruhigen, leidenden Ernst zu ihm auf, der ihn plötzlich durchfröstelte.

»Eva, was fehlt dir?«

»Du.«

»Da bin ich ja!

»Weil ich dir geschrieben hab ... Leicht fiel mir's nicht ...«

Sie stand langsam auf.

»Weißt du, wann du zum letztenmal hier bei mir warst? ... Vor acht Wochen!«

»Nein. So lange ...«

»Ich hab die Tage gezählt ...«

Beide schwiegen.

»Eva ... ich hatte so furchtbar zu tun ...«

»Das weiß ich! Und wirst auch immer und ewig zu viel zu tun haben! Anders hältst du es ja nicht aus ...«

Es klang müde, weich, schmerzlich. Aber es reizte ihn doch.

»Und was ich zu tun habe, das ist dir natürlich ganz egal! Du könntest mich doch wenigstens fragen, was heute ...«

Stille.

»Eva ... Ich komm von der schwersten Enttäuschung meines Lebens. Ich hab erkennen müssen, wie wenig doch ein einzelner Mensch vermag. Es ist alles um mich zusammengebrochen, was ich in den letzten fünf Vierteljahren dachte aufgebaut zu haben. Weggepustet wie ein Kartenhaus. Es hat auch gar keinen Sinn, sich zu sagen: ›Ich fang die Geschichte noch einmal an!‹ Dazu fehlt mir der Mut. Ich hab heute viel gelernt, Eva! Aber nichts Erfreuliches ...«

Wieder ein ungestümer Gang durchs Zimmer, hin und her. Die billigen chinesischen Vasen auf der Etagere klirrten. Ein verirrter Nachtfalter rannte, dumpf brummend, dickköpfig gegen die Lampenglocke. Jetzt noch ein tieferer Ton ... ganz deutlich, wenn auch aus weiter Ferne, das Grollen der Gewitter ...

»Eva ... glaub mir ... es war ein ganz herzhafter Stoß, den ich heut nachmittag abgekriegt hab ... Ich komm zu dir in das Stübchen da förmlich wie ein Schiffbrüchiger auf 'ne Insel ...«

»Ja. Jetzt kommst du ...«

»Warum sagst du denn das so hart ... Eva? ... Ich hab doch so recht niemand auf der Welt als dich! Ich hatte solch eine Sehnsucht nach dir auf dem Weg hierher ... Ach, Eva, dies schmerzliche Lächeln ist schrecklich! Heute ist doch nicht die Zeit ... Ich brauch doch heute einen Menschen ... ich brauche dich ...«

»Wie lang ...?«

»Ach, laß doch die Bitterkeit ... Nun wird ja alles besser! ... Ich hab in Zukunft mehr Zeit! ... Man hat mir ja mit Gewalt alles abgenommen, womit ich mich beladen hab ...«

»... als ob du nicht in vier Wochen etwas Neues hättest, Werner.«

»... Aus der Haut könnt man fahren, Eva, bei diesem sanften, traurigen Ton ... So bist du doch sonst nicht ... eigensinnig bis über die Hutschnur ... aber nicht so weich ... Man könnt ja förmlich Angst kriegen ... Ach ... 's ist ja Unsinn! ... Kopf hoch ... Eva ... schau mich an ... sei gut ... sei lieb ... Gib mir deine Hände ... gib mir einen Kuß ...«

»Laß ... Werner ... laß ...«

»Eva ... ich bettel ja förmlich ... Du bist jetzt meine Zuflucht ... halb verrückt haben sie mich heut gemacht ... mach du mich nicht ganz ... hab Geduld ...«

»Ich hab Geduld gehabt seit Jahr und Tag ...«

»Nein. Ich! Ich hab mich gefügt und gewartet, wie du es wolltest ...«

»Weil ich's gewußt hab von Anfang an, wie es enden würde ...«

»Eva, heute nicht ... nur heute nicht ... heute ist mir's zuviel ... ein andermal ... Dann mach mir Vorwürfe, soviel du magst ... ich weiß ja nicht welche ...«

Plötzlich brauste er jäh auf, um über eine unbestimmte, unheimliche Angst hinwegzukommen.

»Ich steh hier vor dir ... halb kaputt ... ich erzähl dir von einem Schicksalstag heute ... Dich läßt das kühl bis ans Herz hinan ... Keine Silbe von Interesse, was eigentlich heute ... Ja ... so viel Teilnahme, Eva, kann ich doch weiß Gott von dir verlangen ...«

»Hast du dich denn je in diesem Jahr um das gekümmert, was ich getan und gedacht hab!« sagte Eva Römer rasch und ruhig. »Wenn du mal zu mir gekommen bist, hast du in deinem Kopf gleich 'ne Volksversammlung mitgebracht! Von der hast du mir erzählt. Das Volk hinten und das Volk vorn und das Volk überall! Ich durft dabeisitzen und zuhören, stundenlang. Daß ich auch ein Mensch für mich bin und es sein muß und es werden will ... auf die Idee bist du nie gekommen. Ich war dein Echo. Weiter nichts. Wenn du ehrlich vor dir selbst sein willst, Werner: Ich war für dich nie etwas anderes ... o Gott, ja gewiß: Ich hab dir auch gefallen. Du hast mich gern. Aber das alles ist mir zu wenig. Viel zu wenig. – Ich muß meinem künftigen Mann mehr sein, Werner! Eigentlich alles! ... Sein ganzes Leben will ich ausfüllen. Das ist mein Stolz und meine Pflicht. Das klingt vielleicht vermessen. Aber ich kann nicht anders. Ich hab eine zu hohe Meinung von mir. Lieber gar nichts als halb ...«

»Eva, tu mir den einzigen Gefallen: Red uns jetzt nicht ins Unglück hinein ... Wir wollen ein andermal ... wenn du ruhiger bist ...«

»Ich bin ruhig ... viel ruhiger als du ... so weh mir's tut ... Werner ... Du hast mich überrumpelt vor einem Jahr auf dem Schloß ... Ich hab ›ja‹ gesagt, weil ich dich so liebhab ... auch jetzt noch ... aber ich hab es unter Vorbehalt gesagt: denn ich hab schon damals zu deutlich gefühlt und dir's ja auch gesagt: ›Dich kann man nicht halten.‹ Und so ist's ja nun auch gekommen ...

»Lieber Werner: Was bin ich dir denn? Tage-, wochenlang hast du mich ganz vergessen. Dann hast du dich mal erinnert, daß ich hier in Freiburg sitz, und bist herübergefahren und bist mit halbem Kopf und halbem Herzen doch drüben bei deinen Arbeitern geblieben. Ich kenn doch deinen zerstreuten Blick ... Deine Ungeduld, wieder auf die Bahn zu kommen. Du weißt nicht, was ich dieses Jahr gelitten hab ... Es geht nicht mehr ...«

»Auch das noch ...«, sagte Werner Winterhalter vor sich hin.

»Ich hab dir damals das Versprechen abgenommen, Werner, daß du mich erst nach meinem Examen fragen solltest, ob ich ... Ich hätt ja auch gewartet ... Schon aus purer Feigheit. Mir hat ja selbst schon lang vor der Stunde jetzt gegraut. Aber seit gestern kann ich nicht mehr warten. Da schrieb ich dir ...«

»Was hab ich denn da verbrochen?«

»Du nicht! ... Höchstens dein Vater und seine Leute, die meinen Vater seit Jahren systematisch kaputt gemacht haben mit ihrer Konkurrenz. Also nun wirft er mit Gottes Hilfe um! Ich bin so arm wie 'ne Kirchenmaus!«

»Eva ... Wenn es das ist ... das wäre doch lächerlich ... Das ist doch wahrhaftig ...«

»Ja – wo du Geld hast wie Heu – da wär ich doch schön dumm, nicht wahr, vor aller Welt – wenn ich nicht die glänzende Versorgung mitnähme, in dem Augenblick, wo ich den Boden unter den Füßen verlier? Aber ich steh auf meinen eigenen Füßen ... ich beiße die Zähne zusammen ... ich komm schon durch ...«

»Eva ... Was hat denn das blödsinnige Geld mit mir zu tun?«

»Wenn alles so zwischen uns wäre, wie es sein sollte – dann wahrhaftig nicht die Bohne! ... Aber wo ich doch nur ein Anhängsel in deinem Leben bin ... ein Ding unter tausend andern ...«

»Beruhige dich doch! Man hört dich ja auf der Straße ...«

»... da wäre das Verrat an mir selbst ... Da ist ein Verdacht ... wenn du den nur eine Minute hegen könntest, daß ich ... ein Gnadenbrot haben will ...«

Er ging und schloß rasch das Fenster.

»Das muß ich abschütteln ... Werner ... auf der Stelle ... sonst werd ich krank ... so ... Gott sei Dank ... nun ist's überstanden ... Nun gib mir die Hand! ... Sei mir nicht böse! Es muß ja sein ...«

»... daß du dich und mich ins Unglück stürzest ... Eva ... komm doch zu dir ... um Gotteswillen ...«

»Geh, Werner ... ich bitte dich ...«

»Erst werde ruhiger! ... Du bist ja außer dir! ...«

»Geh! Du versäumst deinen Zug! ...«

»Eva, denk, was das heißt, wenn du mich wegschickst! ...«

»Ich muß doch, großer Gott ... ich muß!«

»Eva ... glaub nicht, daß ich so leicht wiederkomm!«

»Du sollst nicht wiederkommen! ... Es ist aus! Ich hab genug gelitten! ... Geh du zu deinen Arbeitern! Sorg dich um die! ... Noch mehr als bisher! Denen gehört doch dein Herz! Mehr als mir! Ich kann mich nicht mit zehntausend Leuten in dich teilen. Also muß ich dich den andern lassen! ... Geh, Werner ... geh! ... Laß mich jetzt mir allein ... mir allein ...«

Im Türspalt der besorgte graue Löckchenkopf der Pensionsmutter. »Fräule Römer – was ist Ihne denn? ... Sannche ... Hurtig ein Glas Wasser ...!« Ein befremdender Blick dabei auf den späten Besucher. Auf einmal steht man draußen im Vorgarten, faßt sich an den Kopf, fühlt sich wie im Traum. Das Sannchen, die Magd, hat den Ruf innen nicht gehört. Sie will eben das Gitter abschließen, lockt dem Katerchen, das am Sockel daneben das Beinchen lüftet: »Amile ... kumm!«... Man tritt an ihr vorbei auf die Straße ... wie ein Nachtwandler hin durch ihre Leere ... ihre Stille ... da oben sind die Sterne ... da ist die Stadt ... die alte Stadt ... da dämmern die Häuser im Mondschein ... das Münster wölbt sein gotisches Steingerank in bläuliche Höhe ... In seinem Schatten gehen Menschen durch die Sommernacht ... man geht zwischen ihnen ... geht mit ihnen weiter ... begreift das alles nicht ... Wo ist man denn überhaupt? Irgendwo auf der Welt ... Ja ... in Freiburg im Breisgau. Vor einem bunte Lichter. Pfiffe. Ein Gebäude. Auf ihm hellerleuchtet das Zifferblatt der Bahnhofsuhr. Nur noch zehn Minuten bis zum Abgang des Zugs in die Ulanengarnison ...

Ein Zwang von außen ... der kategorische Imperativ: Du mußt dich morgen früh zur Reserveübung bei deinem Regiment melden! Das ist in Deutschland so selbstverständlich, wie daß die Sonne morgen über dem Schwarzwald aufgeht oder der Rhein gen Norden strömt. Werner Winterhalter stieg in einer geistesabwesenden Ruhe in den Zug, fuhr durch die Nacht, saß da, starrte, ohne sich zu rühren, vor sich hin, hörte auf das Rattern der Räder, zwei-, dreimal einen Donner, sah hinter den lichthellen Scheiben vorüberfliegender Eisenbahnzüge Pickelhauben in Masse, rote Kragen, Gewehrläufe ... tanzende Pferdeköpfe mit gespitzten Ohren im Dämmern der Güterwagen – Truppen in Menge ... Alles auf dem Weg ins Streikgebiet. Es wurde ernst ... Einerlei! ... Mochte die ganze Welt aufbrennen! Man war zu müde, noch irgend etwas zu denken ... zu wollen ... zu sein ...

Tschapla und Ulanka und Reithosen und hohe Stiefel aus dem Koffer ... um einen das Hotelzimmer ... der Bursche meldet sich... Was? ... Es wird eben schon angetreten? Der Herr Leutnant möchten sich beeilen? Der hetzt einen. Weiter. Immer weiter. Das Schicksal rollt. Man kollert mit wie der Kieselstein im reißenden Bach. Macht sich mechanisch fertig! So! Los! ... Zum Kuckuck: wie sieht da der Kasernenhof aus, in den man hastig, säbelrasselnd und sporenklirrend durch die Torwölbung tritt ... nicht wie in Friedenszeiten ... der Boden voll Stroh ... die Gäule schwadronsweise aufmarschiert ... flatternde Fähnchen ... vorn der Regimentskommandeur zwischen vielen Offizieren ...

»Nette Schweinerei!« sagte Moritz Kühn. Er stand, auch als Ulanenleutnant der Reserve, neben seinem Pferd, das unvermeidliche Monokel im Auge, die Zigarette in der Hand, mit der etwas unmilitärischen Lässigkeit eines jungen Weltmannes auf seinen Säbel gestützt.

»Was ist denn los?«

»Wir rücken gleich ins Streikgebiet ab! Vorhin wurde doch schon auf Tod und Deubel alarmiert. Meld dich nur gleich beim Oberst!«

»Danke, Herr Leutnant!« Die heisere Stimme des grauköpfigen Herrn ... »Kein Vergnügen für Sie! ... Für uns alle nicht! ... Im Gegenteil ... Kein Ruhm zu holen ... höchstens Roßäppel an'n Kopf! Na ... hilft nischt!... Befehl ist Befehl!«

»Hast du 'ne Ahnung, wohin's geht?« fragte Werner Winterhalter seinen Jugendfreund, der eben mit dem Adjutanten verhandelt hatte.

Moritz Kühn schnitt eine Grimasse, um das Einglas, das ihm im Ärger halb entglitten war, in der rechten Augenhöhle festzuhalten.

»Was zu toll ist, ist zu toll! Nu machen die Herren mir Vorwürfe! ... Ich kann doch nichts dafür, daß mein teurer Erzeuger halsstarrig ist wie ein Maulesel! Er läßt doch nun mal die Streikbrecher aus Belgien kommen! Sie sind schon unterwegs! Das gibt natürlich einen Riesenradau, wenn die Kerle ihren Einzug halten!«

»Bei uns?«

»Ja. Und wir marschieren jetzt Hals über Kopf hin in unsre liebe Vaterstadt, um Ordnung zu halten. Da sieht's bunt aus, mein lieber Werner! Die Behörden telegraphieren dringend um Verstärkung. Hoffentlich kühlt unser Erscheinen die Gemüter ab ... Sonst wird das Standrecht ...«

»Eskadron ... Trrrab ...«

Die Chaussee war kilometerweit durch die Rheinebene eine einzige große Staubfahne. Wer in der ritt, sah nur undeutlich über sich durch das Grau den tiefblauen heißen Morgenhimmel, zu beiden Seiten schattenhaft die weiß überpuderten Koppeln, vor sich verschwindende, gleichmäßig mausfarben gewordene Pferdeschenkel, breite graue Mannschaftsrücken, steil im Bügel schaukelnde Lanzen, das schnauzbärtige Profil des dicken Wachtmeisters zur Rechten. Unten am Boden klapperten eilfertig Hunderte von Hufen, wirbelten immer neuen Staub auf. Die Säbel rasselten, die Bocksättel knarrten über den gefalteten Woilachen, die Leutnants, die in dem Zwischenraum zweier Schwadronen vornübergebeugt in englischem Sitz trabten, mußten ihre Stimme verstärken, um sich zu verstehen.

Moritz Kühn zündete sich gewandt in den hohlen Händen zwischen den Zügeln eine neue Zigarette an.

»Rauchst du wirklich nicht, Werner? ... Nee? Überhaupt ... meine Herren: ich warne hier vor meinem Freund Winterhalter! Großartiger Kerl, aber nur mit Vorsicht zu genießen! Sie sehen es ja an seinem Gesicht! Er befindet sich in einem argen Dilemma! Er ist nämlich ein waschechter Mann des Volkes!«

»Nanu!«

»Bitte ... lachen Sie nicht! 's ist kein Witz! Sie ahnen nicht, wie uns der gute Werner seit anderthalb Jahren das Leben sauer gemacht hat! Mein Vater raufte sich schon seine letzten Haare aus, ging die Wände hoch vor Wut. ...«

»Sei still!«

»Nervös könnt man werden bei der Volksbeglückung! Nu besiehst du den Schaden, alter Sohn! Was werden denn nun deine Freunde drüben sagen, wenn du ihnen plötzlich mit gezückter Plempe anrückst?«

»Ich hoffe, es kommt nicht so weit!«

»Ja, ich natürlich auch!«

»Jeder!« sagte neben ihnen nachdenklich ein blutjunger aktiver Leutnant. Moritz Kühn drehte sich im Sattel.

»Na na! Da hinten kommt schon wieder so'n Telegraphenfritze mit 'ner Dienstdepesche angeradelt. Wie, Mann Gottes? Jawohl: der Herr Oberst ist an der Spitze ... Was blasen die Trompeten ... Galopp! ... Kinder, nun wird es brenzlig!«

Endlich ging es wieder im Schritt, nachdem einer der Trompeterschimmel vom Hitzschlag seitwärts in den Straßengraben geworfen worden war. Der Schweißdunst der dampfenden Pferdekörper mehrte die erstickende Schwüle. Die Mannschaften sangen nicht wie sonst ihre flotten Reiterlieder. Sie ließen die Köpfe hängen, schauten stumpf darein. Das Weiß der Augäpfel leuchtete sonderbar aus den vielen staubfahlen, ausdruckslosen jungen Gesichtern. Die Fähnchen hingen flach. Eintönig, rastlos trappelten Hunderte von Hufen. Vor einem war eine zurückweichende, durchsichtige Wand von Staub. In die ritt man hinein ... ins Unbestimmte, ins Wesenlose, wußte nicht recht, gegen welches Ziel ... Irgendein ferner Kommandoruf aus unbekannter Kehle, ein Trompetenstoß aus unsichtbarer Weite bestimmte den Weg. Und Werner Winterhalter dachte sich, in dem dumpfen Dämmerzustand, der ihn umfing: Eigentlich ist das ein Sinnbild meines Lebens ...

Er war allein neben Moritz Kühn – der Dritte, der junge Leutnant von der Linie, ritt jetzt vorn bei seinem Schwadronchef – er sagte unvermittelt: »Moritz, du stellst dich ja manchmal ziemlich affig an. Aber bei Licht besehen, bist du nicht so dumm. Es steckt manchmal Sinn in deinem Unsinn. Eigentlich hast du ganz recht mit deinem Ulk über mich vorhin ...«

»Gott, Werner, das war doch nicht so bös gemeint ...«

»Nein, nein; wer bin ich denn? Was mach ich denn? Wohin treib ich denn? Gestern um diese Zeit, da schrien mir unsere Arbeiter zu: ›Gehen Sie doch zu Ihren Leuten!‹ Nachher sagten mir unsere Herren: ›Gehen Sie doch schon in Gottesnamen unters Volk!‹ Und heute reite ich wieder gestiefelt und gespornt gegen dieses Volk ... Es ist sonderbar ...«

Aber er unterdrückte: Und dazwischen war ich in Freiburg und habe dort die schwerste Niederlage meines Lebens erlitten. Eine Erinnerung aus Jünglingstagen, aus suchender, gärender Zeit ... Da war vor einem das Leben und im Leben zweierlei: die Arbeit und die Frau! Die Arbeit schwand einem aus der Hand – die Frau löste sich ins Leere ... Um einen ballte sich der Staub dieser Erde in weißen Nebeln, nahm Atem und Aussicht. Wohin reiten wir? ... Wir alle? ... Eskadron Trrrab!

Und in dem verstärkten hundertfachen Gerassel und Geklapper sprach er gepreßt zu Moritz Kühn: »Weißt du, was ich immer vor mir seh: den großen Kassenschrank meines Vater ... Für den zieh ich hier ins Feld!«

Der elegante junge Bankjurist warf seine ausgerauchte Zigarette in kühnem Bogen über die Tschapka des Einjährigen vor ihm.

»Unlogisch!« sagte er. »Unlogisch wie alle großen Geister! ... Mein alter Herr ist doch gewiß kein Umstürzler. Aber er vertritt trotzdem heute die Freiheit. Da sind Leute, die für ihn arbeiten wollen. Arbeit ist ein Menschenrecht. Rechte zu schützen, ist der Staat da! Der Staat sind augenblicklich wir! Also sind wir die Freiheit. Quot erat demonstrandum

»Ja. So ist's furchtbar einfach!«

»Und das sag ich nicht, weil ich augenblicklich zufällig grade als Sommerkriegsknecht frisiert bin ... Ich wär jetzt wahrhaftig auch lieber wo anders. Im Gegenteil: als Jurist. Als Mensch des praktischen Denkens!«

»Das Denken. Das Denken ist ja eben der Fluch! Ihr denkt. Ihr denkt alle zusammen. Aber fühlt doch mal mit den Leuten drüben ... Setzt euch mal in ihre Lage ... Arbeit, zehn Stunden Arbeit täglich, aber nie die Sicherheit, daß man in vierzehn Tagen noch die Arbeit hat ... Das Heim ... Warst du je im Hinterhof einer Mietkaserne, wie sie mein Großpapa mit Vorliebe baut? Die Zukunft ... Moritz, hast du mal ordentlich husten hören in so 'nem Saal? Dein abgeklärtes Lächeln bringt so ein Mann nicht auf ...«

»Da schau!«

Die beiden jungen Reserveoffiziere ritten schon durch die ersten Vorstraßen ihrer Vaterstadt. Auf dem Bürgersteig führte man einen jungen Menschen vorbei. Sein Gesicht war voll Blut. Sein Hemd war voll Blut. Seine Kleidung hing in Fetzen. Ein Schutzmann hinterher, den Neugierigen wehrend.

»Verunglückt?«

»Nein, Herr Rittmeister! Ein Arbeitswilliger! Sie haben ihn an einer leeren Straßenecke angefallen und verdroschen!«

»Freiheit, die ich meine!« sprach der junge Kühn in seinem nachlässigen Ton. Werner Winterhalter erwiderte nichts. Wortlos zogen sie weiter, nahmen ihre Pferde zusammen. Denn nun hallte schon Pflaster unter den Eisen. Da kamen die Viertel der Reichen. Es ging im Schritt hindurch. Schweigende, vom Gassenlärm zurückgezogene Villen, schattige Gärten, Teppichbeete, Gewächshäuser. Sie kannten jedes Haus. Überall wohnten Verwandte, Bekannte, Geschäftsfreunde. Unsichtbare Bande des Bluts, der Effektenbörse, der Freimaurerloge, der Museumsgesellschaft, des Bezirkskommandos, des hohen Kösener, des Rennvereins, der Stadtverwaltung, der Jagdpacht, der Wohltätigkeit ... Ein stummes: ›Das sind wir! Das ist unsere Welt!‹«

»Schau, da haben sie doch vor meine väterlichen Penaten einen Schutzmann hingepflanzt!« versetzte Moritz Kühn. »Ich hab gestern noch in der entscheidenden Schlußsitzung gesagt: Ich möchte in den nächsten Tagen keine Fensterscheibe im Haus meines Vaters sein! Na ... vorläufig sind sie ja noch alle merkwürdigerweise ganz!«

Werner Winterhalter folgte mit den Augen dem Blick des andern auf die Rasenfläche vor der schloßartigen, turmreichen Villa. Er furchte in einem jähen Unwillen die Stirn.

»Eigentlich ist's doch zu bunt ...«

»Was denn?«

»So oft man deine Schwester sieht, spielt sie Tennis.«

»Wenigstens meistens!«

Moritz Kühn lachte und stellte sich in den Steigbügeln auf, um besser zu schauen.

»Jetzt, im Sommer«, sagte er, »ist sie überhaupt kein Frauenzimmer, sondern ein von Ehrgeiz verzehrter Champion. Rein rabiat sind sie da, wenn sie im Schweiß ihres Angesichts ums Netz hopsen, bei den Meisterschaften! Da werden Weiber zu Hyänen! He ... Stefanie! Stefanie ... Steffche!«

Ein munteres Lachen des Erkennens klang zurück. Vier junge Mädchen standen da auf dem grünen Rasen. Ihre weißen Kleider leuchteten. Die eine von ihnen, die aschblonde, schlanke, war fast einen Kopf größer als die andern. Sie hob grüßend das Rakett, das sie lässig in der Hand hielt. In der kurzen Bewegung lag ein Muskelspiel geschmeidiger Kraft, auf ihren schönen, vom Lauf erhitzten Zügen eine gesunde Lebenslust und sorglose Neugier, wie sie unbefangen die vorüberziehenden Reiter musterte.

»Steffche! Hör jetzt mit dem Tralla da auf! Heut ist nicht die Zeit dazu!«

»Warum?«

»Wo die Leute hier alle aus dem Häuschen sind ...«

»Was geht denn das mich an?«

»Da gehört sich's doch nicht!«

»Es ist ja ein Polizeimann an der Tür!«

Aus ihren großen, glänzenden, graublauen Augen sprach völlige Verständnislosigkeit. Sie hatte die nervig schmale, lange Hand an das Ohr gelegt und den schlanken Oberkörper vorgebeugt, um besser zu hören. Sie schrie, an die Unbekümmertheit des Sports gewöhnt, ihre Antwort mit so schallender Stimme zurück wie auf dem Exerzierplatz, gleichgültig, ob noch hundert andere Männer zuhörten außer ihrem Bruder. Der schüttelte im Weiterreiten den Kopf, halb stolz auf die Schwester, halb ärgerlich.

»Das Steffche könnt doch eine direkte Schönheit sein – nicht, Werner? Ist's doch! Und verdirbt sich den Teint, wird mager wie 'ne Latte von dem ewigen Sport.«

Der neben ihm wandte sich im Sattel um und schaute zurück. Stefanie Kühn stand immer noch da, straff, lang, schmal wie ein weißer Strich, den gesenkten Schläger in der Linken. Schwadron auf Schwadron zog an ihr vorbei. Es war, als hielte sie eine Parade über eine Kriegsmacht ab, die eigens zum Schutz ihres Tennisplatzes aufgeboten war. Werner Winterhalter empfand eine plötzliche, an Haß grenzende Erbitterung und Abneigung gegen sie, die er von Kind auf kannte und doch immer nur alle paar Jahre einmal flüchtig gesehen hatte. Sie war ihm in ihrer grausam unbekümmerten, unnützen Daseinsfreude hinter Parkgittern und Polizeisäbeln wie ein Sinnbild und Widersinn: Die Welt stand in Flammen, die müden Pferde taumelten unter Sporenstichen, die Degen ruhten locker in der Scheide, Blutgeruch lag in der Luft, nur damit dies schöne, biegsame, sehnige Geschöpf sich unbesorgt in langen Sprüngen auf dem Rasen tummeln, atemlos den Ball durch die Lüfte treiben, ihr › 0ut‹ rufen konnte.

»Na ... Nun wird's aber ernst!«

Moritz Kühn hatte es an seiner Seite gesagt. Die Schwadron war auf der breiten, zum Bahnhof führenden Straße in Zügen aufmarschiert und ritt in kurzem Trab. Der Widerhall dröhnte an den Häusern, deren Fenster im Erdgeschoß alle mit Läden verschlossen waren. Seitlings, aus den Schienen gerückt, stand da ein Straßenbahnwagen. Glassplitter übersäten den Boden, ein paar Mützen, geknickte Schirme, zerbrochene Stöcke ... Vorsicht mit den Pferden ... Eskadron haaalt! ... Donnerwetter ja! ...

Der große Platz vor dem Stationsgebäude war schwarz von Menschen. Ein dumpfes Brausen wie von einer Naturgewalt grollte über den Tausenden von Köpfen. Die gellen Pfiffe der Gassenbuben schrillten dazwischen. Ein paar farbige Felsen ragten aus dem dunkeln Meer von Hüten. Schwache Infanterieabteilungen. Ihre Pickelhauben und Gewehrlaufe blitzten. Sie hielten die Eingänge zum Bahnhof besetzt und ließen niemand durch. Innen, im Dämmern der Glashalle, sah man Scharen von fremdartigen Gestalten .. brünette Gesichter .. finstere Züge ... die Belgier...

»Schmeißt sie tot ... die Lumpenhund!«

»Hängt sie uff ... die Streikbrecher!«

»Als ewedder! Nix wie nein in den Bahnhof!«

Das Prasseln von Steinwürfen gegen die Mauern. Das helle Klirren zerspringender Scheiben. Ein hundertstimmiger Aufschrei. Auf der obersten Stufe ein graubärtiger, bebrillter, dicker Herr mit großer Glatze, der beschwörende Handbewegungen machte, Zu der Menge hinunterredet, auf das Militär weist ... Werner Winterhalter erkannte den Oberbürgermeister. ... Jetzt trat der erschöpft zurück zu einer Gruppe anderer Notabeln im Innern. In ihrer Mitte, lang, dünn, den Zylinder auf dem silberblonden, rosig getönten Haupt, die Hände in den Hosentaschen, in stoischer Ruhe, der alte Kühn. Offiziere von der Infanterie dahinter, die Feldbinden um den Leib, die Schuppenketten unter dem Kinn ... Eine seltsame plötzliche Stille, eine brütende Erwartung ringsum, unter der prallen Mittagsglut, auf der weiten Fläche. ...

»Von selber geht die Gesellschaft nicht nach Hause!« brummte Moritz Kühn. »Da können wir 'n ganzen Tag hier stehen und uns unsere Sünden abschwitzen!«

Werner Winterhalter hielt vor dem zweiten Zug. Allein. Auge in Auge mit dem gärenden Volk.

Vor ihm die Arbeiter ... Ganz nah ... wenige Schritte ... viele Glieder tief hintereinander ... die wohlbekannten Gesichter, so, wie man sie im Flackerschein und Donner der Maschinensäle sah. Aber nicht wie sonst der resignierte Ausdruck des Werkeltags auf den vielen schnurrbärtigen Zügen. Etwas unruhig Gespanntes, Wildes ... Nein ... eher noch eine Angst, eine sonderbare Massenangst vor dem, was kommt. Durch sie kommt. Kommen muß ... Unser täglich Brot gib uns heute ... Und die dort drüben, die Ausländer, nehmen uns unser Brot!

Und ich halte hier, den Säbel in der Hand, und schütze diese Fremden gegen die, die ich selbst immer beschwor, deutsch zu sein! Dort drüben in der Stadt steht der Panzerschrank meines Vaters. Hinter mir, im Parkgrün, schwirren wohl wieder die Bälle übers Netz, liegt die Welt, die nicht gestört sein will, in ihrem Lebensgenuß und ihrer Gedankenlosigkeit. Bin ich denn dazu da, daß ich das Ziel meines Lebens ins Gegenteil verzerre, in Widerspruch? Die blinde Pflicht über einem ... Vor einem die blinde Masse? Das ist nicht mehr der erste Mai mit seiner Feierstimmung, seinen Gesängen und Bannern. Die Männer, die damals die Festreden hielten, stehen jetzt umsonst mitten in der Menge, mahnen sie zur Vernunft. Ihre Stimme dringt nicht durch. Da der Zigarrenhändler Mattrian. Er hebt die Arme: »Ihr Leut! Ich bin's doch ... der Mattrian ... hört doch auf mich! ... 's gibt ja e Unglück!«

»Ha – da gibt's halt e Unglück!«

»Der hot aach Geld vum Kühn gekriegt!«

Und der sonst so ruhige Mann tritt erschöpft zurück, beinah bis in die Reihen der Pferde hinein, und trocknet sich die Stirn. Und von oben aus dem Sattel Moritz Kuhns nachlässiges: »Tag, Herr Stadtrat! Lehrreich für Sie ... die Bescherung, was? Sie lassen das Völkchen von der Strippe, und wir dürfen es nachher wieder zur Räson bringen!«

Ein gellendes Kommando. Plötzlich blitzen Säbel die ganze Mannschaftsreihe hinab. Man ritt an. Langsam. Im Schritt, die Pferde nach vorn in die Menge pressend, eine Welle von Fäusten, von Stöcken, von Hüten vor sich hertreibend. Halt! ... Die Schwadron stand in Front. Hatte hinter sich eine Gasse freigemacht bis zum Stationseingang. Eine Gasse für die Belgier. Tausendstimmiges wütendes Geschrei. Aus dem Bahnhof bewegte sich ein langer Zug Menschen, Reisezeug unter dem Arm, verbissene, gelbliche Züge, unstete, stechende Augen, mancher sich scheu duckend, frech sich umschauend andere ... Es strömte die Treppe hinab ... Ein Steinhagel zum Empfang ... über den ganzen Platz hin ... Die Belgier! Die Belgier!

Vor Werner Winterhalter zitterte die Menschenmauer. Er sah die verzerrten Lippen, hörte den Schrei aus ihnen, überblickte die unzähligen hellen Punkte, die hocherhobene Fäuste waren und Steine in sich bargen und im Bogen durch die Luft nach vorn entsandten ... Ein dumpfer Prall gegen die Pferdeleiber ... die Tschakos ... die Gäule schnaubten und stiegen, keilten mit den Vorderhufen in die aufkreischende, zurückstrebende Menge, die doch nicht wich. Denn von hinten drängten wie Mauern die Massen ... Trompetenstöße: vorwärts! ... Und in Werner Winterhalter wieder ein Staunen: Was mach ich da? ... Muß ich da? ... Muß ...

Ein nackter, blau tätowierter Arm reckte sich dräuend gegen ihn. Er hob abwehrend den Säbel. Zu spät. Schon flog, mitten aus dem Volk heraus, der schwere Stein. Traf ihn an der Schläfe. Ein breites Purpurband schoß hervor, färbte eilig die linke Kopfhälfte mit strömendem Blut. Werner Winterhalter taumelte und stürzte im Sattel nach rückwärts. Der Gefreite hinter ihm hatte gerade noch Zeit, ihn aufzufangen, ehe er bewußtlos zur Erde glitt.

 

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