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Gutenberg > William Shakespeare >

König Heinrich der vierte.

William Shakespeare: König Heinrich der vierte. - Kapitel 5
Quellenangabe
typetragedy
booktitleDas Trauerspiel, vom Macbeth.
authorWilliam Shakespeare
translatorChristoph Martin Wieland
year1995
publisherHaffmans Verlag
addressZürich
isbn3-251-20150-6
titleKönig Heinrich der vierte.
pages3-233
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dritte Scene.

Poins zu den Vorigen

Falstaff. Das ist der allgewaltigste Spizbube, der jemals einem ehrlichen Mann Halt! zugeruffen hat.

Prinz Heinrich. Guten Morgen, Ned.

Poins. Guten Morgen, mein lieber Hal. Was sagt Monsieur Gewissen? Was sagt Sir John Sect und Zukerhans? Wie habt ihr's mit einander, du und der Teufel, wegen deiner Seele, die du ihm verwichnen Char-Freytag um ein Glas Madera-Wein und einen kalten Capaunen-Schenkel verkauft hast?

Prinz Heinrich. Sir John hält sein Wort; der Teufel soll seine Waare haben; ihr wißt daß er nie kein Sprüchwort gebrochen hat; er wird dem Teufel geben, was ihm gehört.

Poins. So wirst du verdammt, wenn du dem Teufel dein Wort hältst?

Prinz Heinrich. Sonst würde er verdammt, weil er den Teufel betrogen hätte.

Poins. Aber, meine Jungens, meine Jungens, morgen früh, um vier Uhr, nach Gadshill; es sind Pilgrims auf dem Weg, die mit reichen Opfern nach Canterbury, und Kauffleute die mit wohlgespikten Beuteln nach London gehen. Ich habe Visiere für euch alle, und ihr habt Pferde für euch selbst. Gadshill ligt diese Nacht zu Rochester, ich hab auf morgen Nachts ein Nacht-Essen in East-Cheap bestellt. Es ist eine Sache die wir so sicher thun können, als schlaffen; wenn ihr gehen wollt, so will ich euch eure Beutel mit Cronen voll stopfen; wollt ihr nicht, so bleibt da, und der Henker hole euch.

Falstaff. Hört ihr, Yedward; wenn ich daheim bleibe und nicht mit gehe, so will ich euch dafür hängen, daß ihr gegangen seyd.

Poins. Willt du das, Vielfraß?

Falstaff. Hal, willt du einer von uns seyn?

Prinz Heinrich. Wer, ich rauben? Ich, ein Dieb? Nein, bey meiner Treu!

Falstaff. Du hast weder Ehre noch Tapferkeit im Leibe, wenn du das thust; du willt deine guten Freunde so im Stich lassen? Meiner Six, du hast keinen Tropfen königliches Blut im Leib, wenn du nicht um zehn Schillinge das Herz hast zu ruffen: Halt!

Prinz Heinrich. So sey es dann, einmal in meinem Leben will ich ein Tollkopf seyn.

Falstaff. Nun, das heißt einmal brav gesprochen.

Prinz Heinrich. Nein, geh' es wie es will, ich bleibe zu Hause.

Falstaff. Bey G** so will ich ein Verräther seyn, wenn du König bist.

Prinz Heinrich. Ich bekümmre mich nichts darum.

Poins. Sir John, ich bitte dich, laß den Prinzen und mich allein; ich will ihm solche Gründe vorlegen, daß er gewiß gehen soll.

Falstaff. Gut, mögest du den Geist der Ueberredung haben, und er Ohren zu hören, damit was du redest bewegen möge, und was er hört geglaubt werde. Lebet wohl indessen, ihr sollt mich in East-Cheap finden.

(Falstaff geht ab.)

Poins. Nun, mein lieber süsser Zuker-Prinz, reitet morgen mit mir. Ich hab einen Spaß im Kopf, den ich allein nicht ausführen kan. Falstaff, Bardolph, Peto und Gadshill sollen diese Leute berauben, auf die wir einen Anschlag gemacht haben; ihr und ich wollen nicht dabey zugegen seyn; wenn sie dann die Beute haben, und ihr und ich sie ihnen nicht abjagen, so haut diesen Kopf von meinen Schultern.

Prinz Heinrich. Aber wie werden wir von ihnen kommen, wenn wir mit ihnen ausreiten?

Poins. Wie? Wir wollen vor oder nach ihnen fort, und ihnen einen gewissen Plaz bestimmen, wo wir zusammentreffen wollen, und den können wir ja hernach verfehlen, wenn's uns beliebt; und dann werden sie das Abentheuer allein unternehmen, und sobald sie damit fertig sind, so wollen wir über sie her.

Prinz Heinrich. Gut; aber es ist vermuthlich, daß sie uns an unsern Pferden, an unsern Kleidern, und an hundert andern Merkmahlen erkennen werden.

Poins. Für das ist schon Rath geschaft. Unsre Pferde sollen sie nicht sehen, denn die wollen wir im Wald anbinden; unsre Visiere wollen wir gegen andre verwechseln, wenn wir von ihnen weg sind; und, Sapperment! ich habe Ueberröke von Schetter im Vorrath, unter denen niemand unsre Kleider kennen soll.

Prinz Heinrich. Aber ich besorge, sie werden uns zu stark seyn.

Poins. O was das anbetrift, zween von ihnen kenne ich als ein Paar so ächt-gebohrne Memmen, als jemals den Rüken gewiesen haben; und was den dritten betrift, wenn der sich länger wehrt als recht ist, so will ich alles Gewehr verschwören. Der gröste Spaß von der Sache wird in den miraculosen Lügen bestehen, die dieser nemliche dike Spizbube uns vorsagen wird, wenn wir zum Nacht-Essen zusammen kommen; wie er es zum wenigsten mit dreyßig aufgenommen, was für Hiebe er bekommen, was für Gefahren er bestanden habe; und in der Art, wie wir ihn aller dieser Aufschneidereyen überweisen werden, ligt der Spaß.

Prinz Heinrich. Gut, ich will mit dir gehen; sorge für alles was wir nöthig haben, und erwarte mich auf morgen Nachts in East-Cheap. Leb' wohl.

Poins. Lebet wohl, Milord.

(Poins geht ab.)

Prinz Heinrich. Ich kenne auch alle, und will noch eine Weile diesen zügellosen Humor eurer müßigen Lüderlichkeit in der Höhe halten; aber hierinn will ich die Sonne nachahmen, die den unedeln anstekenden Dünsten erlaubt, ihre Schönheit der Welt zu verbergen; damit, sobald es ihr gefällt, wieder sie selbst zu seyn, sie desto mehr bewundert werde, wenn sie, eine Zeitlang vermißt, auf einmal durch die faulen und häßlichen Wolken hervorbricht, welche sie zu erstiken geschienen hatten. Wenn das ganze Jahr aus lauter Fest-Tagen bestünde, so würde man des Feyerns so überdrüßig werden als des Arbeitens; sie sind nur erwünscht, weil sie selten kommen, und nichts gefällt mehr als seltne Dinge. So werde ich, wenn ich einst dieses ausgelaßne Wesen von mir werfe, und eine Schuld bezahle die ich nie versprochen habe, die Besorgnisse der Leute um so mehr zuschanden machen, je besser ich seyn werde als mein Wort. Und gleich einem glänzenden Edelstein auf einem dunkeln Grund, wird meine Verbesserung, meine Fehler überschimmernd, schöner scheinen, und mehr Augen auf sich ziehen, als ein Leben, das keine Folie hat, wodurch es erhoben wird.

(Er geht ab.)

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