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Gutenberg > William Shakespeare >

König Heinrich der vierte.

William Shakespeare: König Heinrich der vierte. - Kapitel 48
Quellenangabe
typetragedy
booktitleDas Trauerspiel, vom Macbeth.
authorWilliam Shakespeare
translatorChristoph Martin Wieland
year1995
publisherHaffmans Verlag
addressZürich
isbn3-251-20150-6
titleKönig Heinrich der vierte.
pages3-233
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Fünfte Scene.

Falstaff zu den Vorigen.

Schallow. Ihr habt vollkommen recht. Seht, hier kommt der gute Sir John. Gebt mir eure gute Hand: gebt mir Eurer Herrlichkeit gute Hand: Bey meiner Treu, ihr seht recht gut aus, recht gut für einen Mann von euern Jahren. Willkommen, guter Sir John.

Falstaff. Es erfreut mich, euch zu sehen, mein lieber Herr Robert Schallow: das ist Herr Sure-Card, wo mir recht ist – –

Schallow. Nein, Sir John, es ist mein Vetter Silence; Mein College in der königlichen Commißion.

Falstaff. Mein guter Herr Silence, es ist nicht mehr als billig daß ihr des Friedens wegen da seyd.

Silence. Eu. Herrlichkeit ist willkommen.

Falstaff. Ey, das ist heisses Wetter, meine Herren; habt ihr mir um ein halb Duzend wakre Kerle gesehen?

Schallow. Sapperment, das haben wir, Sir: Wollt ihr euch nicht sezen?

Falstaff. So laßt mich sie sehen, wenn ich bitten darf.

Schallow. Wo ist der Rodel? wo ist der Rodel? wo ist der Rodel? Laßt sehen, laßt sehen, laßt sehen; so, so, so, So; ja, meiner Six, Sir Ralph Schimmlich; sie sollen herbey kommen, so wie ich sie aufruffe; sie sollen auftreten wie ich sie aufruffe, das sollen sie. Laßt sehen, wo ist Schimmlicht?

Schimmlich. Hier, mit Verlaub.

Schallow. Was sagt ihr zu diesem da, Sir John? Ein guter grobgliediger Geselle; jung, stark, und aus einer guten Freundschaft.

Falstaff. Ist dein Name Schimmlich?

Schimmlich. Ja, mit Eurer Erlaubniß.

Falstaff. So ist es die höchste Zeit, daß man dich brauche.

Schallow. Ha, ha, ha, ein vortrefflicher Einfall, mein Treu! Ein Ding wird schimmlicht, wenn man's nicht braucht; unvergleichlich gut. Ein guter Einfall, Sir John, ein guter Einfall!

Falstaff. Zeichnet ihn auf.

Schimmlich. Ich bin gezeichnet genug, wenn ihr mich meines Wegs gehen lassen wolltet; meine Großmutter wird ihre liebe Noth haben jemand zu finden, der ihr ihre Haushaltung versieht; ihr brauchtet mich gar nicht zu zeichnen, daß ihr's wißt; es sind Leute genug die gehen können, ohne mich.

Falstaff. Geh, geh; nur ruhig, Schimmlich, du must gehen, Schimmlich; es ist Zeit, daß du gebraucht wirst.

Schimmlich. Gebraucht?

Schallow. Still, Bursche, still; auf die Seite! wißt ihr, wo ihr seyd? Zu den andern, Sir John – – Laßt mich sehen; Simon Schatten.

Falstaff. Sapperment, den muß ich haben, der ist gut zum Untersizen; er wird ein ziemlich kühler Kriegsheld seyn.

Schallow. Wo ist Schatten?

Schatten. Hier, Sir.

Falstaff. Schatten, wessen Sohn bist du?

Schatten. Meiner Mutter Sohn, Sir.

Falstaff. Deiner Mutter Sohn! Das ist sehr wahrscheinlich; und deines Vaters Schatten, aber nicht von deines Vaters Körper; das begegnet oft genug, in der That.

Schallow. Gefällt er euch, Sir John?

Falstaff. Schatten wird im Sommer gute Dienste thun; schreibt ihn auf; wir haben schon eine Menge solcher Schatten im Muster-Buch; sie sind immer gut, die Lüken auszufüllen.

Schallow. Thomas Warze!

Falstaff. Wo ist er?

Warwik. Hier, Sir.

Falstaff. Heißt du Warze?

Warwik. Ja, Sir.

Falstaff. Du siehst so ziemlich zerlumpt aus, Warze.

Schallow. Soll ich ihn aufschreiben?Das Sinnreiche der Antwort, welche Falstaff hierauf giebt, ligt in dem Doppelsinn des Worts prick, welches eigentlich stechen bedeutet; und wie das französische Wort piquer auch so viel heißt, als jemands Namen zu einem gewissen Dienst, wozu man einen gebrauchen will, auszeichnen.

Falstaff. Das wäre sehr überflüßig; alle seine Habschaft ist auf seinen Rüken gebaut, und das ganze Werk steht auf Stek-Nadeln; stecht ihn nicht noch mehr.

Schallow. Ha, ha, ha, was ihr für gute Einfälle habt, Sir! ha ha! das muß man euch lassen, darinn seyd ihr ein Meister, das muß man euch lassen. – – Franz Schwächlich – –So sehr Hr. Schallow die wizigen Einfälle bewundert, welche Falstaff aus Gelegenheit der Namen und Profeßionen dieser Recruten hat, so ekelhaft fangen sie an, dem Uebersezer, und vermuthlich auch dem Leser zu werden. Wir überschlagen also den Aufruf des Franz Schwächlich, Frauenzimmer-Schneiders, und Peter Bulkalbs, nebst anderm frostigem und zum Theil völlig unübersezlichem Zeug, so in dieser Scene vorkommt.

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Falstaff. Sind das nun alle?

Schallow. Man hat noch zween mehr ruffen lassen, aber ihr braucht nur viere von hier; kommt also mit mir herein, Sir, und nehmt bey mir auf den Mittag vorlieb.

Falstaff. Kommt, ich will eins mit euch trinken, aber bis über Mittag kan ich mich nicht aufhalten. Es freut mich euch zu sehen; aufrichtig, es freut mich, Herr Schallow.

Schallow. O Sir John erinnert ihr euch noch daran, wie wir die ganze Nacht in der Windmühl in Sanct Georgen-Feld lagen?

Falstaff. Nichts mehr davon, Herr Schallow, nichts mehr davon.

Schallow. Ha! es war eine lustige Nacht. Und lebt Hannchen Nacht-Werk auch noch?

Falstaff. Sie lebt noch, Herr Schallow.

Schallow. Sie konnte nie von mir wegkommen.

Falstaff. Nie, nie; sie sagte immer: Man kan doch nicht ohne Hrn. Schallow seyn!

Schallow. Sapperment, ich konnte ihr recht im Herzen weh machen; Sie war damals eine Bona-roba. Stehen ihre Sachen noch gut?

Falstaff. Sie ist eben alt, Herr Schallow, alt.

Schallow. Sie muß alt seyn, das ist wahr; sie kan nicht anders als alt seyn; ganz gewiß, alt ist sie, sie hatte schon Robin Nachtwerk von dem alten Nachtwerk, eh ich noch in Clements-Inn kam.

Silence. Das war schon vor fünf und fünfzig Jahren.

Schallow. Ha, Vetter Silence, du solltest gesehen haben, was dieser Ritter und ich gesehen haben! – – Ha, Sir John, hab' ich nicht recht?

Falstaff. Wir haben des Nachts manchmal die Gloken auf allen Thürmen schlagen gehört.

Schallow. Das haben wir, das haben wir, meiner Treu, Sir John, das haben wir; unsere Wach-Parole war, hem, Jungens! – – Kommt, wir wollen zum Mittag-Essen; o was wir für Zeiten gesehen haben! Kommt, kommt!

Bulkalb. Lieber Herr Corporal Bardolph, seyd mein guter Freund, hier habt ihr vier Harry-Zehnschilling-Stüke in französischen Cronen. In gutem Ernst, seht ihr, ich wollte eben so gern gehangen seyn, Sir, als gehen; und doch für meinen Theil, Sir, fragt' ich nichts darnach, es ist eben bloß daß ich keine Lust dazu habe, seht ihr, und für meinen Theil blieb ich halter eben lieber bey meinen Freunden; sonst, Herr, fragt ich eben für meinen Theil nicht viel darnach.

Bardolph. Schon gut; steh nur auf die Seite.

Schimmlich. Und lieber Herr Corporal-Hauptmann, meiner alten Großmutter zu lieb, seyd mein guter Freund; wenn ich fort bin, hat sie keinen Menschen, der ihr ihre Sachen thut, und sie ist alt und kan selbst nicht mehr fortkommen; es soll mir auf vierzig Schilling nicht ankommen.

Bardolph. Gut, gut, steh' auf die Seite.

Schwächlich. Ich bekümmre mich nichts drum, ein Mensch kan nur einmal sterben; und gestorben muß es seyn, ich will mich herzhaft darein ergeben; ist es mein Schiksal, wohl und gut; wo nicht, so ist's nichts desto schlimmer. Niemand ist zu gut dazu, seinem Fürsten zu dienen; und es mag gehen wie es will, wer in diesem Jahr stirbt, ist quitt für das nächste.

Bardolph. Das heißt wie ein braver Kerl gesprochen.

Falstaff. Kommt, Sir, welche von diesen Leuten soll ich haben?

Schallow. Die viere, die euch am besten gefallen.

Bardolph (zu Falstaff leise.)
Sir, ein Wort mit euch – – Schimmlicht und Bulkalb bieten drey Pfund an, wenn ihr sie freylassen wollt.

Falstaff. Gut, gut.

Schallow. Nun, Sir John, welche viere wollt ihr haben?

Falstaff. Wählt ihr für mich.

Schallow. Nun so sey es dann, Schimmlich, Bulkalb, Schwächlich und Schatten.

Falstaff. Schimmlich und Bulkalb – – Was euch betrift, Schimmlich, bleibt ihr da, bis ihr aufgebraucht seyd, und ihr, Bulkalb, wachßt bis man euch brauchen kan; ich will keinen von euch.

Schallow. Sir John, Sir John, ihr thut euch ja selbst Unrecht, sie sind ja gerade die zween ansehnlichsten, und ich wollte euch gerne mit den besten bedient wissen.

Falstaff. Herr Schallow, wollt ihr mich lehren, wie ich meine Leute auswählen soll? Bekümmre ich mich was darum, wie groß, wie dik oder wie stark die Leute sind, was für breite Schultern sie haben, oder wie dik ihre Beine sind? Ich sehe auf Herz, Herr Schallow. Seht mir diesen Warze hier, ich steh euch davor, so zerlumpt er aussieht, so soll er mir drauf zuschlagen, wie ein Zinngiessers-Hammer; der Kerl ist flink, das kan ich euch sagen. Und dieser schindeldürre Geselle, Schatten, hier, das ist ein Mann für mich; das ist ein Mann, dem der Feind nicht beikommen kan; der Feind könnte eben so leicht nach der Schärfe eines Federmessers zielen als nach ihm; und wenn es um eine Retirade zu thun ist, wie behend wird dieser Schwächlich, der Frauenzimmer-Schneider, davon lauffen? O, gebt mir die unansehnlichen Leute, und behaltet diese grossen Kerle für euch. Gebt mir Warzen eine Flinte in die Hand Bardolph – –

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Diese Bursche werden ihre Sachen nicht übel machen. Herr Schallow, Gott behüte euch; lebt wohl, Herr Silence. Ich mache wie ihr seht, nicht viel Complimente; lebt wohl, meine Herren, beiderseits. Ich danke euch; ich muß noch ein duzend Meilen machen, eh es Nacht ist. Bardolph, gieb den Soldaten Uniformen.

Schallow. Sir John, der Himmel geleite euch, und benedeye eure Waffen, und geb' uns bald Frieden. Besucht mein Haus, wenn ihr zurükkommt; wir wollen die alte Bekanntschaft wieder erneuern; vielleicht geh ich dann mit euch nach Hofe.

Falstaff. Es sollte mir angenehm seyn, Herr Schallow.

Schallow. Gut, gut, es bleibt dabey, ein Mann ein Wort. Lebt wohl.

(Sie gehen ab.)

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