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Gutenberg > William Shakespeare >

König Heinrich der vierte.

William Shakespeare: König Heinrich der vierte. - Kapitel 37
Quellenangabe
typetragedy
booktitleDas Trauerspiel, vom Macbeth.
authorWilliam Shakespeare
translatorChristoph Martin Wieland
year1995
publisherHaffmans Verlag
addressZürich
isbn3-251-20150-6
titleKönig Heinrich der vierte.
pages3-233
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Vierte Scene.

Verwandelt sich in eine Strasse von London.

Sir John FalstaffDie Falstaffischen Scenen machen einen grossen Theil dieser gegenwärtigen Haupt- und Staats-Action aus, ob sie gleich als blosse Zwischen-Spiele, die dem Pöbel für seine sechs Pfennige was zu lachen geben sollen, mit dem Stük selbst keinen nothwendigen Zusammenhang haben. Wir werden fortfahren, uns damit die nemliche Freyheit zu nehmen, wie in dem vorigen Stüke; und wir sind destomehr hiezu genöthiget, da der Humor und das Lächerliche, so darinn herrscht, gröstentheils in sehr pöbelhaften Schwänken, Zoten, Wortspielen, und einer ekelhaften Art von falschem und schmuzigem Wiz besteht, und wir vermuthlich keine Leser von derjenigen Classe haben werden, zu der die Zuhörer gehörten, die man damit belustigen wollte. tritt mit einem kleinen Lakayen auf, der ihm sein Schwerdt und seinen Schild nachträgt.

Falstaff. Holla, du, Riese! was sagt der Doctor zu meinem Wasser?

Lakay. Er sagt, Herr, das Wasser an sich selbst sey ein gutes gesundes Wasser; aber was die Person anlange, von der es komme, die möchte wohl mehr Krankheiten an sich haben, als sie sich einbilde.

Falstaff. Alle Arten von Leute bilden sich was drauf ein, auf mich zu sticheln. Das Hirn dieser närrischen Composition von Erdschollen, die man Mensch heißt, ist nicht fähig mehr Lächerliches zu erfinden als ich erfinde, oder wozu ich den Stoff hergebe. Ich bin nicht nur für mich selbst wizig, sondern auch die Ursach, daß andre Leute wizig sind. Ich geh hier vor dir her, wie ein Mutterschwein, das alle seine Jungen, bis auf eins, aufgefressen hat. Wenn der Prinz eine andre Ursach, warum er dich in meine Dienste gethan, gehabt hat, als mich lächerlich zu machen, so weiß ich nicht was rechts und links ist. Du H**sohn von einem Alraun, du taugtest besser daß ich dich an meiner Müze trüge, als daß du hinter mir drein gehen sollst. Ich habe noch nie kein Agtstein-Männchen zum Diener gehabt bis izt, aber ich will dich weder in Gold noch Silber einfassen lassen, darauf verlaß dich; in Bley sollst du mir gefaßt werden, und so will ich dich deinem Herrn wieder zurük schiken, damit er dich für ein Kleinod tragen kan. Dieser Juvenal, der Prinz dein Herr, dessen Kinn noch nicht einmal Gauchfedern hat; es soll mir eher ein Bart in meiner flachen Hand wachsen, eh er einen im Gesicht kriegen wird; und doch ist er unverschämt genug, und behauptet, sein Gesicht sey ein königliches Gesicht. Der Himmel mag es völlig ausmachen wenn er will, izt ist noch kein Haar daran auszusezen; er kan es immer als ein königliches Gesicht inne haben, denn ein Barbier wird sein Lebtag nicht sechs Pfenninge daraus ziehen, und doch kräht er immer, als ob er schon ein Mann gewesen sey, wie sein Vater noch ein Junggeselle war. Er mag seine Gnade für sich selbst sparen, denn die meinige hat er ziemlich verlohren, das kan ich ihn versichern. Was sagt Herr Dombledon, wegen des Atlas zu meinem kurzen Mantel und zu meinen Pluder-Hosen?

Lakay. Er sagt, Herr, ihr müßtet ihm einen bessern Bürgen stellen als Bardolph; er verlange nicht mit eurer und seiner Handschrift zu thun zu haben, die Versicherung sey ihm nicht hinlänglich.

Falstaff. Möcht' er verdammt werden wie der reiche Schlemmer, und seine Zunge noch heisser seyn! Der H**sohn von einem Ahitophel, der Schurke, der den Handschlag eines Edelmanns hat, und noch Versicherung fordert! Die H*ds-f*tische Kahlköpfe tragen heutigs Tags nichts als hohe Absäze, und ein Gebund Schlüssel an ihrem Gürtel; und wenn ein Bidermann so höflich ist und bey ihnen borgen will, so verlangen sie Sicherheit! Es wäre mir eben so lieb gewesen, wenn er mir das Maul mit Mausgift gestopft hätte, als mit dieser unverschämten Versicherung, die er verlangt. Ich erwartete, der Flegel würde mir zween und zwanzig Stab Atlas schiken, so wahr ich ein rechtschaffner Ritter bin, und er schikt mir Versicherung. Gut, er mag in Sicherheit schlaffen, denn er hat das Horn des Ueberflusses.Dieser Spaß scheint augenscheinlich von einem Plautinischen entlehnt zu seyn: Quo ambulas tu, qui Vulcanum in cornu conclusum geris? Amph. Act. L Sc. 1. Daß Plautus hier eine scherzhafte Anspielung im Sinne gehabt habe, daran dürfen wir nicht zweifeln, da die Proverbial-Redensart, Hörner für Hahnreyschaft zu sagen, sehr alt ist, wie aus einer Stelle des Artemidorus erhellet, welcher sagt: Προσειπειν αυτω ότι η γυνή σου πορνεύσει, και το λεγόμενον, ΚΈΡΑΤΑ ΑΥΤΩ ΠΟΙΉΣΕΙ – – Oneirocr. L. II. c. 12. Seiner Frauen GalanterieIm Englischen ist hier ein Wortspiel mit dem Wort Lightness, dessen Doppelsinn schon anderswo bemerkt worden. Weil es sich im Deutschen nicht ausdrüken läßt, so geht der ganze Spaß verlohren. Auf schweizerisch, wo Licht und leicht beydes liecht ausgesprochen wird, gieng es vielleicht an. scheint daraus hervor, und doch sieht er nichts, ob er gleich seine Laterne an der Stirne trägt. – – Wo ist Bardolph?

Lakay. Er ist nach Schmidtfield gegangen, Eu. Herrlichkeit ein Pferd zu kauffen.

Falstaff. Ich kaufte ihn in Paul's, und er kauft mir izt dafür ein Pferd in Smithfield. Wenn ich izt nur noch ein Weib aus einem B**l kriegen könnte, so wär' ich bemannt, begault und beweibt!

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