Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > William Shakespeare >

König Heinrich der vierte.

William Shakespeare: König Heinrich der vierte. - Kapitel 17
Quellenangabe
typetragedy
booktitleDas Trauerspiel, vom Macbeth.
authorWilliam Shakespeare
translatorChristoph Martin Wieland
year1995
publisherHaffmans Verlag
addressZürich
isbn3-251-20150-6
titleKönig Heinrich der vierte.
pages3-233
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Vierter Aufzug.

Erste Scene.

Verwandelt sich in Schrewsbury.

Hot-Spur, Worcester und Dowglas treten auf.

Hot-Spur. Wohl gesprochen, mein edler Schotte, wenn nicht oft die Wahrheit selbst, in diesem verschmizten Zeit-Alter, für Schmeicheley gehalten würde. Aber ein Dowglas muß von solchem Gehalt seyn, daß kein Kriegsmann vom Gepräge dieser Zeit einen so allgemeinen Cours durch die Welt habe wie er. Beym Himmel, ich kan nicht schmeicheln; aber einen bravern Plaz hat niemand in meinem Herzen als ihr. Nein, nehmt mich beym Wort; sezt mich auf die Probe, Lord.

Dowglas. Du bist der König der Ehre, und wenn jemand auf Erden Athem holt, der dir den Vorzug streitig machen will, wer er auch sey, dem will ich Troz bieten.

Ein Bote zu den Vorigen.

Hot-Spur. Thut das, und ihr thut wohl – – Was für Briefe hast du hier? – –

Bote. Von euerm Vater.

Hot-Spur. Briefe von ihm? Warum kommt er nicht selbst?

Bote. Er kan nicht kommen, Milord, er ist gefährlich krank.

Hot-Spur. Himmel! Wie hat er die Musse in dieser entscheidenden Zeit krank zu seyn? Wer führt seine Truppen an? Unter wessen Commando kommen sie?

Bote. Seine Briefe müssen seine Gesinnung entdeken; mir ist nichts bekannt.

Hot-Spur. Seine Gesinnung?

Worcester. Muß er denn zu Bette liegen?

Bote. Er lag schon vier Tage eh ich abgieng; und wie ich abreißte, waren die Aerzte seinetwegen in grossen Sorgen.

Worcester. Ich wollte, der Zustand dieser Zeit wäre erst geheilt gewesen, eh er krank geworden wäre; seine Gesundheit war nie mehr werth, als izt.

Hot-Spur. Krank in einer solchen Zeit! O! diese Krankheit stekt das Lebensblut unsrer Unternehmung an! Sie wird unser ganzes Lager ansteken. Er schreibt mir hier, daß eine heftige Krankheit – – und daß seine Freunde durch Abgeordnete nicht sobald zusammen gebracht werden könnten, ja daß er es nicht einmal rathsam halte, ein so wichtiges und gefährliches Geschäft einer andern Seele als seiner eigenen anzuvertrauen. Indeß rathet er uns doch mit unsrer kleinen Macht auszurüken, und eine Probe zu machen, wie das Glük für uns gesinnt sey; denn, seinem Bericht nach, läßt sich nimmer zaudern, indem der König von unserm ganzen Vorhaben unterrichtet ist. Was sagt ihr dazu?

Worcester. Euers Vaters Krankheit ist ein grosser Nachtheil für uns.

Hot-Spur. Es ist ein Glied, das uns abgehauen ist – – und doch, in der That, ist es nicht so; wir werden ihn würklich weniger vermissen als es izt scheint. Wär' es gut, unser ganzes Glük auf einen einzigen Wurf zu sezen? Ein so grosses Capital dem schlüpfrigen Ungefehr einer zweifelhaften Stunde zu überlassen? Es wäre nicht gut; denn wie leicht könnten wir in dieser einzigen Stunde das Ende aller unsrer Hoffnungen finden.

Dowglas. Vermuthlich würd' es so gegangen seyn; da uns hingegen, wie die Sachen izt ligen, eine Zuflucht übrig bleibt, deren Gewißheit uns zu unserm Vorhaben desto kühner machen wird.

Hot-Spur. So ists, ein Sammelplaz, wo wir uns wieder erholen können, wenn der Teufel und ein feindseliger Zufall unsre erste Unternehmung mißlingen macht.

Worcester. Dem ungeachtet wünschte ich, euer Vater wäre hier. Die Natur unsrer Unternehmung leidet keine Theilung; viele, welche nicht wissen, warum er abwesend ist, werden glauben, daß Klugheit, Treue, und blosses Mißfallen an unserm Verfahren den Grafen zurük halte. Ihr sehet leicht, wie nachtheilig eine solche Vermuthung unsrer Parthey seyn muß. Uns ist alles daran gelegen, die schwache Seite unsrer Unternehmung zu verbergen, und jedes Taglicht, jede Öffnung und Rize zu verstopfen, durch die das Auge der Vernunft in das Inn're derselben dringen könnte. Diese Abwesenheit euers Vaters zieht einen Vorhang auf, der den Unberichteten eine Ursache zur Furcht zeigt, wovon sie vorher nicht geträumt haben.

Hot-Spur. Ihr geht zu weit, Milord. Ich sehe seine Abwesenheit vielmehr als einen Umstand an, der unserm grossen Vorhaben einen Glanz giebt, und eine größre Meynung davon erweken muß, als wenn er hier wäre; denn müssen nicht die Leute denken, wenn wir ohne ihn im Stande seyen, dem Königreich einen Stoß zu versezen, so werden wir, mit seinem Beystand, unfehlbar alles unter über sich kehren. Noch geht alles gut, noch ziehen alle unsre Strike.

Dowglas. Wie wir's nur wünschen können; in Schottland wird kein Wort von dergleichen Besorgnissen gehört.

 << Kapitel 16  Kapitel 18 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.