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Gutenberg > William Shakespeare >

König Heinrich der Sechste

William Shakespeare: König Heinrich der Sechste - Kapitel 13
Quellenangabe
typetragedy
booktitleW. Shakespeare's Dramatische Werke
authorWilliam Shakespeare
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
addressStuttgart, Leipzig, Berlin, Wien
titleKönig Heinrich der Sechste
pages82
created20130410
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Fünfter Aufzug.

Erste Scene.

Ebenen zwischen Dartford und Blackheath. (Des Königs Lager an der einen Seite, von der andern kommt York mit seinem Heer von Irländern, mit Trommeln und Fahnen.)

York. So kommt von Irland York, sein Recht zu fordern,
Von Heinrichs schwachem Haupt die Kron' zu reißen.
Schallt, Glocken, laut! Brennt, Freudenfeuer, hell!
Um Englands echten König zu empfangen.
Ah sancta majestas! Wer kaufte dich nicht teuer?
Gehorchen mag, wer nicht zu herrschen weiß;
Die Hand hier ist gemacht, nur Gold zu führen,
Ich kann nicht meinen Worten Nachdruck geben,
Wenn sie ein Schwert nicht oder Scepter wägt;
Wenn eine Seel' mir ward, wird ihr ein Scepter,
Worauf ich Frankreichs Lilien schleudern will.
        (Buckingham tritt auf.)
Wer kommt uns da? Buckingham, mich zu stören?
Der König sandt' ihn sicher, ich muß heucheln.

Buckingham. York, wenn du's wohl meinst, sei mir wohl gegrüßt.

York. Humphrey von Buckingham, den Gruß empfang' ich.
Bist du ein Bote, oder kommst aus Wahl?

Buckingham. Ein Bote Heinrichs, unsers hohen Herrn,
Zu fragen, was der Feldzug soll im Frieden?
Weswegen du, ein Unterthan wie ich,
Dem Eid und der Vasallentreu zuwider,
Solch großes Heer versammelst ohn' Erlaubnis,
Und es so nah dem Hof zu führen wagst?

York (beiseite). Kaum kann ich sprechen vor zu großem Zorn,
O, Felsen könnt' ich spalten, Kiesel schlagen,
So grimmig machen mich die schnöden Worte.
Und jetzt, wie Ajax Telamonius könnt' ich
Die Wut an Schafen und an Ochsen kühlen!
Ich bin weit hochgeborner als der König,
Mehr einem König gleich, und königlicher:
Doch muß ich eine Weil' schon Wetter machen,
Bis Heinrich schwächer ist und stärker ich. –
O Buckingham, ich bitte dich, verzeih,
Daß ich die ganze Zeit nicht Antwort gab:
Von tiefer Schwermut war mein Geist verstört.
Der Grund, warum ich hergebracht dies Heer,
Ist, Somerset den stolzen zu entfernen
Vom König, dem er wie dem Staat sich auflehnt.

Buckingham. Das ist zu große Anmaßung von dir:
Doch, hat dein Kriegszug keinen andern Zweck,
So gab der König deiner Fordrung nach;
Der Herzog Somerset ist schon im Turm.

York. Auf Ehre sage mir: ist er gefangen?

Buckingham. Ich sag' auf Ehre dir: er ist gefangen.

York. Dann, Buckingham, entlass' ich meine Macht. –
Habt Dank, Soldaten, und zerstreut euch nur;
Trefft morgen mich auf Sankt Georgenfeld,
Ich geb' euch Sold und alles was ihr wünscht. –
Und meinen Herrn, den tugendsamen Heinrich,
Laßt meinen ältsten Sohn, ja alle Söhne,
Als Pfänder meiner Lieb' und Treu' begehren:
So willig als ich lebe send' ich sie.
Land, Güter, Pferde, Waffen, was ich habe,
Ist ihm zu Dienst, wenn Somerset nur stirbt.

Buckingham. Die sanfte Unterwerfung lob' ich, York,
Und gehn wir zwei in Seiner Hoheit Zelt.

(König Heinrich tritt auf mit Gefolge.)

König Heinrich. Buckingham, sinnt York kein Arges wider mich,
Daß du mit ihm einhergehst Arm in Arm?

York. In aller Unterwürfigkeit und Demut
Stellt York vor Euer Hoheit selbst sich dar.

König Heinrich. Wozu denn diese Heersmacht, die du führst?

York. Um den Verräter Somerset zu bannen,
Und mit dem Erzrebellen Cade zu fechten,
Von dessen Niederlag' ich nun gehört.

(Iden tritt auf mit Cades Kopf.)

Iden. Wenn ein so schlichter Mann, so niedern Standes,
Der Gegenwart des Königs nahn sich darf,
Bring' ich Eu'r Gnaden ein Verräterhaupt,
Des Cade Haupt, den ich im Zweikampf schlug.

König Heinrich. Des Cade Haupt? Gott, wie gerecht bist du!
O laßt mich dessen Antlitz tot beschaun,
Der lebend mir so große Nöten schaffte.
Sag mir, mein Freund, warst du's, der ihn erschlug?

Iden. Ich war's, zu Euer Majestät Befehl.

König Heinrich. Wie nennt man dich, und welches ist dein Rang?

Iden. Alexander Iden ist mein Name;
Ein armer Squire von Kent, dem König treu.

Buckingham. Wenn's euch beliebt. mein Fürst, es wär' nicht unrecht,
Für seinen Dienst zum Ritter ihn zu schlagen.

König Heinrich. Iden, knie nieder! (Er kniet.) Steh' als Ritter auf!
Wir geben tausend Mark dir zur Belohnung,
Und wollen, daß du künftig uns begleitest.

Iden. Mög' Iden solche Gunst dereinst verdienen,
Und leb' er nie als seinem Fürsten treu!

König Heinrich. Sieh, Buckingham! Somerset und mein Gemahl.
Geh, heiße sie vor York ihn schleunig bergen.

(Königin Margareta und Somerset.)

Königin. Vor tausend Yorks soll er sein Haupt nicht bergen,
Nein, kühnlich stehn und ins Gesicht ihm schaun.

York. Was soll dies sein? Ist Somerset in Freiheit?
Dann, York, entfess'le die Gedanken endlich,
Und laß die Zung' es gleich thun deinem Herzen.
Soll ich den Anblick Somersets ertragen?
Was brachst du, falscher König, mir dein Wort,
Da du doch weißt, wie schwer ich Kränkung dulde?
Ich nannte König dich? Du bist kein König,
Nicht fähig, eine Menge zu beherrschen,
Der nicht Verräter zähmen kann noch darf.
Dies Haupt da steht zu einer Krone nicht;
Den Pilgerstab mach fassen deine Hand,
Und nicht ein würdig Fürstenscepter schmücken.
Dies Gold muß diese meine Brau'n umgürten,
Dess' Dräun und Lächeln, wie Achilles Speer,
Durch seinen Wechsel töten kann und heilen.
Die Hand hier kann empor den Scepter tragen,
Und bindendes Gesetz damit vollstrecken.
Gib Raum! Bei Gott, du sollst nicht mehr beherrschen
Den, so der Himmel dir zum Herrscher schuf.

Somerset. O Erzverräter! – Ich verhafte dich,
Um Hochverrates wider Kron' und König.
Gehorch, verwegner Frevler! Knie um Gnade!

York. Knie'n soll ich? Laß mich diese fragen erst,
Ob sie es dulden, daß ich wem mich beuge. –
Ihr da, ruft meine Söhne her als Bürgen;
        (Einer vom Gefolge ab.)
Ich weiß, eh' sie zur Haft mich lassen gehn,
Verpfänden sie ihr Schwert für meine Lösung.

Königin. Ruft Clifford her, heißt alsobald ihn kommen,
        (Buckingham ab.)
Zu sagen, ob die Bastardbuben Yorks
Des falschen Vaters Bürgschaft sollen sein.

York. O blutbefleckte Neapolitanerin!
Auswurf von Napel! Englands blut'ge Geißel!
Yorks Sohne, höher von Geburt als du,
Sind die Gewähr des Vaters; wehe denen,
Die meiner Buben Bürgschaft weigern wollen!

(Von der einen Seite kommen Eduard und Richard Plantagenet mit Truppen; von der andern, gleichfalls mit Truppen, der alte Clifford und sein Sohn.)

Da sind sie: seht! Ich steh' euch ein, sie thun's.

Königin. Und hier kommt Clifford, die Gewähr zu weigern.

Clifford (kniet). Heil sei und Glück dem König meinem Herrn!

York. Ich dank' dir, Clifford! Sag, was bringst du neues?
Nein, schreck' uns nicht mit einem zorn'gen Blick,
Wir sind dein Lehnsherr. Clifford, kniee nieder:
Dir sei verziehn, daß du dich so geirrt.

Clifford. Dies ist mein König, York, ich irre nicht;
Du irrst dich sehr in mir, daß du es denkst. –
Nach Bedlam mit ihm! Ward der Mensch verrückt?

König Heinrich. Ja, Clifford, eine toll ehrsücht'ge Laune
Macht, daß er wider seinen Herrn sich setzt.

Clifford. Ein Hochverräter! Schafft ihn in den Turm
Und haut herunter den rebell'schen Kopf.

Königin. Er ist verhaftet, doch will nicht gehorchen;
Die Söhne, spricht er, sagen gut für ihn.

York. Wollt ihr nicht, Söhne?

Eduard. Wenn unser Wort was gilt: gern, edler Vater.

Richard. Und gilt es nicht, so sollen's unsre Waffen.

Clifford. Ei, welche Brut Verräter gibt es hier!

York. Sieh in den Spiegel, nenne so dein Bild;
Ich bin dein König, du bist ein Verräter. –
Ruft her zum Pfahl mein wackres Bärenpaar,
Daß sie, durch bloßes Schütteln ihrer Ketten,
Die laurenden erboßten Hunde schrecken;
Heißt Salisbury und Warwick zu mir kommen.

(Trommeln. Salisbury und Warwick kommen mit Truppen.)

Clifford. Sind dies da deine Bären? Gut, wir hetzen
Zu Tode sie, der Bärenwärter soll
In ihren Ketten dann gefesselt werden,
Wenn du sie in die Schranken bringen darfst.

Richard. Oft sah ich einen hitz'gen kecken Hund,
Weil man ihn hielt, zurück sich drehn und beißen,
Der, als er dann gefühlt des Bären Tatze,
Den Schwanz nahm zwischen seine Bein' und schrie:
Dergleichen Dienste werdet ihr verrichten,
Wenn ihr euch mit Lord Warwick messen wollt.

Clifford. Fort, Last des Zornes! Unbeholfner Klump,
Der krumm von Sitten ist wie von Gestalt!

York. Schon gut, wir heizen gleich euch tüchtig ein.

Clifford. Daß eure Hitz' euch nur nicht selbst verbrennt.

König Heinrich. Wie, Warwick? Hat dein Knie verlernt, sich beugen?
Scham deinen Silberhaaren, Salisbury,
Der toll den hirnverbrannten Sohn mißleitet!
Willst du den Wildfang auf dem Todbett spielen,
Und Herzeleid mit deiner Brille suchen? –
O, wo ist Treu? Wo ist Ergebenheit?
Wenn sie verbannt ist von dem frost'gen Haupt,
Wo findet sie Herberge noch auf Erden? –
Gräbst du ein Grab auf, um nach Krieg zu spähn,
Und willst mit Blut dein ehrlich Alter schänden?
Was bist du alt, wenn dir Erfahrung mangelt?
Wenn du sie hast, warum mißbrauchst du sie?
O schäm dich! Beuge pflichtgemäß dein Knie,
Das sich zum Grabe krümmt vor hohen Jahren.

Salisbury. Mein Fürst, erwogen hab' ich bei mir selbst
Den Anspruch dieses hochberühmten Herzogs,
Und im Gewissen acht' ich Seine Gnaden
Für echten Erben dieses Königsthrons.

König Heinrich. Hast du nicht mir Ergebenheit geschworen?

Salisbury. Das hab' ich.

König Heinrich. Kannst du vor Gott dich solchem Schwur entziehn?

Salisbury. Der Sünde schwören, ist schon große Sünde;
Doch größre noch, den sünd'gen Eid zu halten.
Wen bände wohl ein feierlicher Schwur
Zu einer Mordthat, jemand zu berauben,
Der reinen Jungfrau Keuschheit zu bewält'gen,
An sich zu reißen eines Waisen Erb',
Gewohntes Recht der Witwe abzuprassen;
Und zu dem Unrecht hätt' er keinen Grund,
Als daß ein feierlicher Schwur ihn binde?

Königin. Verräterlist bedarf Sophisten nicht.

König Heinrich. Ruft Buckingham, und heißt ihn sich bewaffnen.

York. Ruf Buckingham und alle deine Freunde:
Ich bin auf Hoheit oder Tod entschlossen.

Clifford. Das erste bürg' ich dir, wenn Träume gelten.

Warwick. Ihr mögt zu Bett nur gehn und wieder träumen,
Um euch zu schirmen vor dem Sturm der Schlacht.

Clifford. Ich bin auf einen größern Sturm gefaßt,
Als den du heut herauf beschwören kannst;
Und schreiben will ich das auf deinen Helm,
Kenn' ich dich nur am Zeichen deines Hauses.

Warwick. Bei meines alten Vater Nevil Zeichen!
Den stehnden Bär, am knot'gen Pfahl gekettet,
Ich trag' ihn heut auf meinem Helme hoch,
Der Zeder gleich auf eines Berges Gipfel,
Die jedem Sturm zum Trotz ihr Laub bewahrt,
Um dich zu schrecken durch den Anblick schon.

Clifford. Und dir vom Helme reiß' ich deinen Bär,
Und tret' ihn in den Staub mit allem Hohn,
Zum Trotz dem Bärenwärter, der ihn schützt.

Clifford Sohn. Und zu den Waffen so, sieghafter Vater!
Zu der Rebellen Sturz und ihrer Rotte.

Richard. Pfui! Glimpflich! Wollt euch nicht so hart erweisen!
Ihr müßt zu Nacht mit dem Herrn Christus speisen.

Clifford Sohn. Das ist mehr, schnödes Brandmal, als du weißt!

Richard. Wo nicht im Himmel, in der Hölle speist.

(Alle ab.)


Zweite Scene.

Sankt Albans. (Getümmel. Angriffe. Warwick tritt auf.)

Warwick. Clifford von Cumberland, der Warwick ruft!
Und wenn du nicht dich vor dem Bären birgst,
Jetzt, da die zornige Trompete schmettert,
Und Sterbender Geschrei die Luft erfüllt,
So sag' ich: Clifford, komm und ficht mit mir!
Du stolzer nord'scher Lord von Cumberland,
Warwick hat heiser sich an dir gerufen!
        (York tritt auf.)
Was gibt's, mein edler Lord? Wie, so zu Fuß?

York. Cliffords Vertilgerhand erschlug mein Roß,
Doch that ich Gleiches ihm um Gleiches an.
Und machte sein geliebtes wackres Tier
Zur Beute für des Aases Kräh'n und Geier.

Warwick. Die Stund' ist da für einen von uns beiden.

York. Halt, Warwick! Such dir einen andern Fang:
Ich selbst muß dieses Wild zu Tode jagen.

Warwick. Dann wacker, York! Du fichtst um eine Krone. –
So wahr ich, Clifford, heut Gedeihen hoffe.
Dich unbekämpft zu lassen, kränkt mein Herz. (Ab.)

Clifford. Was siehst du, York, an mir? Was zauderst du?

York. In dein mannhaftes Thun würd' ich verliebt,
Wärst du nicht mein so ausgemachter Feind.

Clifford. Auch deinem Mute würde Preis zu teil,
Wenn du nicht schimpflich im Verrat ihn zeigtest.

York. So helf' er jetzt mir wider dies dein Schwert,
Wie ich bei Recht und Wahrheit ihn beweise!

Clifford. Ich setze Seel' und Leib an dieses Werk.

York. Furchtbare Wage! Mach dich gleich bereit.

(Sie fechten und Clifford fällt.)

Clifford. La fin couronne les oeuvres. (Stirbt.)

York. Krieg gab dir Frieden nun, denn du bist still.
Mit deiner Seele Frieden, so Gott will! –

Clifford Sohn. Scham und Verwirrung! Alles flüchtet sich;
Die Furcht schafft Unordnung, und statt zu schirmen,
Verwundet die. O Krieg, du Sohn der Hölle,
Gebraucht zum Werkzeug von des Himmels Zorn!
Wirf in die frost'gen Busen unsers Volks
Der Rache heiße Kohlen! – Keiner fliehe:
Wer wahrhaft sich dem Krieg gewidmet, hat
Selbstliebe nicht, und wer sich selbst noch liebt,
Führt nicht dem Wesen nach, zufällig nur,
Des Tapfern Namen. – (Er erblickt seinen toten Vater.)
                                        O ende, schnöde Welt!
Des jüngsten Tags vorausgesandte Flammen,
Macht eins aus Erd' und Himmel!
Es blase die Gerichtstrompete nun,
Daß Unbedeutenheit und kleine Laute
Verstummen! – War's verhängt dir, lieber Vater,
In Frieden deine Jugend hinzubringen,
Des reifen Alters Silbertracht zu führen,
Und in der Ehr' und Ruhe Tagen so
In wilder Schlacht zu sterben? – Bei dem Anblick
Versteinert sich mein Herz, und steinern sei's,
So lang' es mein ist! – York schont nicht unsre Greise:
Ich ihre Kinder nicht; der Jungfrau'n Thränen,
Sie sollen mir wie Tau dem Feuer sein,
Und Schönheit, die Tyrannen oft erweicht,
Soll Oel mir gießen in des Grimmes Flammen.
Ich will hinfort nichts von Erbarmen wissen;
Treff' ich ein Knäblein an vom Haufe York,
Ich will's zerhauen in so viel Bissen,
Als am Absyrtus wild Medea that:
Ich suche meinen Ruhm in Grausamkeit.
Kommt, neue Trümmer von des alten Cliffords Haus!
        (Nimmt die Leiche auf.)
So trug Aeneas einst den Greis Anchises,
So trag' ich dich auf meinen Mannesschultern.
Doch trug Aeneas da lebend'ge Last:
Nichts ist so schwer, als dies mein Herzeleid. (Ab.)

(Richard Plantagenet und Somerset kommen fechtend, Somerset wird umgebracht.)

Richard. So, lieg du da!
Denn unter einer Schenke dürft'gem Schild,
Der Burg Sankt Albans, machte Somerset
Die Zauberin durch seinen Tod berühmt.
Schwert, bleib gestählt! Dein Grimm ist, Herz, vonnöten!
Für Feinde beten Priester, Prinzen töten. (Ab.)

(Getümmel. Angriffe. König Heinrich, Königin Margareta und andere kommen, auf dem Rückzuge begriffen.)

Königin. So langsam, mein Gemahl! Fort! Schämt euch! Eilt!

König Heinrich. Entläuft man wohl dem Himmel! Beste, weilt!

Königin. Wie seid ihr doch? Ihr wollt nicht fliehn noch fechten.
Jetzt ist es Mannheit, Weisheit, Widerstand,
Dem Feinde weichen, und uns sicher stellen
Durch was wir können, und das ist nur Flucht.
        (Getümmel in der Ferne.)
Wenn man euch finge, sähn wir auf den Boden
All unsers Glücks; allein entrinnen wir,
Wie, wenn nicht ihr versäumt, wir leichtlich können,
So ist uns London nah, wo man euch liebt;
Wo dieser Riß, in unser Glück gemacht,
Gar bald zu heilen ist.

(Der junge Clifford tritt auf.)

Clifford Sohn. Wär' nicht mein Herz gestellt auf künftig Unheil,
Gott wollt' ich lästern, eh' ich fliehn euch hieße.
Doch müßt ihr fliehn: unheilbare Verwirrung
Regiert im Herzen unsers ganzen Heers.
Fort, euch zu retten! Und ihr Los erleben
Einst wollen wir. und ihnen unsres geben.
Fort, gnäd'ger Herr! Fort, fort!

(Alle ab.)


Dritte Scene.

Das Feld bei Sankt Albans. (Getümmel und Rückzug. Trompetenstoß; hierauf kommen York, Richard Plantagenet, Warwick und Soldaten mit Trommeln und Fahnen.)

York. Vom alten Salisbury, wer meldet mir?
Dem Winterlöwen, der vor Wut vergißt
Verjährte Lähmung und den Rost der Zeit;
Und, wie ein Braver in der Jugend Glanz,
Vom Anlaß Kraft leiht? Dieser frohe Tag
Gleicht nicht sich selbst, kein Fußbreit ward gewonnen,
Ist Salisbury dahin.

Richard.                       Mein edler Vater,
Ich half ihm heute dreimal auf sein Pferd,
Beschritt ihn dreimal, führt' ihn dreimal weg,
Beredet' ihn, nichts weiter mitzuthun:
Doch stets, wo nur Gefahr, da traf ich ihn,
Und, wie in Hütten köstliche Tapeten,
So war sein Will' im alten schwachen Leibe.
Doch seht ihn kommen, edel wie er ist.

(Salisbury tritt auf.)

Salisbury. Bei meinem Schwert, du fochtest heute gut;
Beim Kreuz! wir insgesamt. – Ich dank' euch, Richard.
Gott weiß, wie lang ich noch zu leben habe,
Und ihm gefiel es, daß ihr dreimal heut
Mich schirmen solltet vor dem nahen Tod.
Wohl, Lords! Noch ist, was wir erlangt, nicht unser:
Daß unsre Feinde flohn, ist nicht genug,
Da 's ihre Art ist, leicht sich herzustellen.

York. Ich weiß, nur, ihnen folgen, sichert uns.
Der König floh nach London, wie ich höre,
Und will alsbald ein Parlament berufen.
Verfolgen wir ihn, eh' die Schreiben ausgehn.
Was sagt ihr, Warwick: Soll'n wir ihnen nach?

Warwick. Was? Ihnen nach? Nein, ihnen vor, wo möglich.
Bei meiner Treu, Lords, glorreich war der Tag.
Sankt Albans Schlacht, vom großen York gewonnen,
Wird hochgepreis't durch alle Folgezeit. –
Auf, Kriegsmusik! – Nach London alle hin!
Und oft beglück' uns solchen Tags Gewinn!

(Alle ab.)

 

 

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