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König Heinrich der Achte

William Shakespeare: König Heinrich der Achte - Kapitel 7
Quellenangabe
typetragedy
booktitleHeinrich der Fünfte, Heinrich der Achte, Titus Andronicus
authorWilliam Shakespeare
translatorAugust Wilhelm von Schlegel
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20640-2
titleKönig Heinrich der Achte
pages107-210
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zweiter Aufzug

Erste Szene

Straße

Zwei Edelleute treten auf von verschiedenen Seiten

Erster. Wohin so eilig?

Zweiter. Oh! Gott grüß Euch! Grade
Zur Halle ging ich, um das Schicksal forschend
Des großen Herzog Buckingham.

Erster. Ich spar Euch
Die Mühe, Sir; 's ist alles schon geschehn.
Jetzt wird er heimgeführt.

Zweiter. Ihr wart zugegen?

Erster. Jawohl!

Zweiter. Dann, bitt Euch, sagt, wie war der Hergang?

Erster. Das rät sich leicht!

Zweiter. Erkannte man ihn schuldig?

Erster. Nun allerdings, und sprach sogleich sein Urteil.

Zweiter. Das geht mir nah!

Erster. Das tut es vielen andern.

Zweiter. Doch jetzt erzählt, wie trug sich alles zu?

Erster. Ich melds Euch kürzlich. Vor die Schranken trat
Der große Herzog, wo auf alle Klagen
Er seine Unschuld scharf verfocht und Gründe
Anhäuft', um dem Gesetz sich zu entziehn.
Des Königs Anwalt dahingegen stützte
Sich auf Verhör, Beweis und Eingeständnis
Verschiedner Zeugen, die sogleich der Herzog
Persönlich ihm vor Augen bat zu führen:
Worauf sein Hausvogt wider ihn erschien,
Sir Gilbert Peck, sein Kanzler, und John Court,
Sein Beichtger; ferner jener Teufelsmönch,
Hopkins, der schuld an allem.

Zweiter. Ebender,
Der mit Orakeln ihn genährt?

Erster. Derselbe.
Sie klagten sämtlich hart ihn an. Gern hätt er
Sie von sich abgelehnt, doch konnt ers nicht;
Und also sprachen, nach sotanem Zeugnis,
Ihn seine Pairs des Hochverrates schuldig.
Viel und Gelehrtes sprach er für sein Leben,
Doch wards bedauert oder nicht beachtet.

Zweiter. Und nach dem allen, wie betrug er sich?

Erster. Als vor die Schrank er wieder trat und hörte
Sein Grabgeläut, sein Urteil, da erfaßt' ihn
Die Todesangst; ihm brach der Schweiß hervor,
Und sprach im Zorn ein Wen'ges, schlecht und hastig.
Doch kehrt er bald zu sich zurück und blieb
Höchst edel und gefaßt bis ganz zu Ende.

Zweiter. Er scheut den Tod wohl nicht?

Erster. Gewißlich nicht.
So weibisch war er nie, die Ursach mag
Ihn wohl ein wenig kränken.

Zweiter. Sicherlich
War hier der Kardinal im Spiel.

Erster. So scheint es
Nach allem Fug: zuerst Kildairs Anklage,
Der erst Regent in Irland war, dem, abgerufen,
Lord Surrey folgt', und zwar in großer Eil,
Damit er nicht dem Vater hülf.

Zweiter. Welch hämischer
Verborgner Streich der Staatskunst!

Erster. Kehrt er heim,
Wird er Vergeltung üben. Allgemein
Ist schon bekannt, daß, wem der König günstig,
Dem suche flugs der Kardinal ein Amt,
Das fern genug vom Hof.

Zweiter. All die Gemeinen
Sind ihm von Herzen gram und sähn ihn gern
Zehn Klafter tief: so wie sie Lieb und Treu
Dem Herzog schenkten, der ihr gütger Buckingham
Bei ihnen heißt, und aller Sitte Spiegel.

Erster. Verweilt. Dort kommt der arme, würdge Mann.

Buckingham tritt auf, von seinem Verhör kommend. Gerichtsdiener gehen vor ihm, die Schneide ihrer Beile gegen ihn gekehrt. Hellebardiere auf beiden Seiten. Ihm folgen Sir Thomas Lovell, Sir Nicholas Vaux, Sir William Sands. Volk.

Zweiter. Kommt näher; sehn wir ihn.

Buckingham. Ihr guten Leute,
Die mich voll Mitleid alsoweit begleitet,
Hört mich, und dann geht heim, vergesset mich.
Mir ist Verräters Urteil heut gesprochen,
Und dies gibt mir den Tod. Doch weiß der Himmel,
Und hab ich ein Gewissen, treff es mich,
So wie die Axt fällt, war ich jemals treulos!
Den Richtern groll ich nicht um meinen Fall;
Sie übten Recht nur, nach der Sache Hergang.
Doch, die's veranlaßt, wünscht ich beßre Christen! –
Wie sie auch sei'n, verzeih ich ihnen gern;
Nur, daß sie nie mit ihrem Unheil prahlen,
Noch ihre Bosheit baun aufs Grab der Großen;
Dann schriee wider sie mein schuldlos Blut.
Auf längres Leben hoff ich nicht hienieden,
Noch fleh ich drum, ist gleich der König reicher
An Huld als ich an Fehlen. Ihr Getreuen,
Die ihrs noch wagt, um Buckingham zu weinen,
Ihr edlen Freund' und Brüder, die zu lassen
Allein ihm bitter wird, allein'ger Tod,
Folgt mir, gleich guten Engeln, hin zum Tode:
Und wie der Stahl mich trifft, die lange Scheidung,
Laßt eur Gebet, ein lieblich Opfer, steigen
Und hebt die Seel empor gen Himmel. Weiter,
In Gottes Namen! –

Lovell. Ich ersuch Eur Gnaden,
Wenn jemals gegen mich ein Haß verborgen
In Eurer Brust, vergebt mir ohne Rückhalt.

Buckingham. Sir Thomas, ich vergeb Euch, wie mir selber
Vergeben werde: ich vergebe allen.
Es gibt so ungezähltes Unrecht nicht
An mir, das ich nicht könnt entsühnen: sicher
Soll schwarzer Haß mein Grab nicht baun. Empfehlt mich
Dem König; und spricht er von Buckingham,
Sagt ihm, er war schon halb im Himmel. Stets
Sind meine Wünsch und Bitten ganz des Königs
Und werden bis die Seele mich verläßt,
Um Segen für ihn flehn. Er lebe länger,
Als Zeit mir bleibt, zu zählen seine Jahre! –
Sein Walten sei stets liebreich und geliebt!
Und führt ihn Alter spät dereinst hinab,
Erfüllen Herzensgüt und er ein Grab! –

Lovell. Zur Wasserseite soll ich Euch geleiten,
Dann übernimmt mein Amt Sir Nicholas Vaux,
Der Euch zu Eurem Ende führt.

Vaux. Macht Anstalt;
Der Herzog kommt: seid mit dem Boot bereit
Und zieret es mit Schmuck, wie sichs geziemt
Für seine fürstliche Person.

Buckingham. Nein, Sir,
Laßt gut sein; jetzund höhnt mein Rang mich nur.
Ich kam hieher als Lord Groß-Connétable,
Herzog von Buckingham; jetzt bin ich nur
Der arme Eduard Bohun; und reicher dennoch
Als die Elenden, die mich angeklagt,
Und Wahrheit nicht gekannt. Ich geb ihr Zeugnis
Mit meinem Blut, um das sie einst noch ächzen.
Mein edler Vater, Heinrich Buckingham,
Der gegen Richards Tyrannei zuerst stritt,
Als er entflohn zu seinem Diener Banister,
Fand, weil in Not, Verrat durch diesen Buben
Und fiel ohn Untersuchung: Gott sei mit ihm!
Der siebte Heinrich dann, wahrhaft bekümmert
Ob meines Vaters Mord, der edle König,
Gab Ehre mir und Gut zurück, erneute
Aus Trümmern meines Namens Glanz. Jetzt rafft
Sein Sohn, Heinrich der Achte, Leben, Ehre
Und Nam, und was mich glücklich je gemacht,
Mit einem Streich auf ewig aus der Welt.
Mir gönnte man gerichtliches Verhör,
Und zwar ein wahrhaft edles: das beglückt mich
Ein wenig mehr, als meinen armen Vater.
Doch sonst ward beiden gleiches Los: wir beide
Gestürzt durch Diener, durch die liebsten Männer!
Höchst treulos, unnatürliche Vergeltung! –
Der Himmel legt in alles Zweck. Ihr aber
Nehmt diese Warnung von dem Sterbenden:
Wo Lieb ihr und Vertraun freigebig schenkt,
Bewahrt die Zung: die ihr zu Freunden macht,
Die Herzen ihnen gebt, gewahren sie
Den kleinsten Stoß an eurem Glück, sie rollen
Wie Wellen von euch fort, nur wiederkehrend,
Euch zu verschlingen. All ihr guten Menschen,
Betet für mich! Ich geh! Die letzte Stunde
Des müden, langen Lebens hat geschlagen.
Lebt wohl!
Und wollt ihr Trauriges einmal erzählen,
Sagt, wie ich fiel. – So schließ ich. Gott verzeih mir. –

(Buckingham und Gefolge ab.)

Erster. Oh, dies ist jammervoll! Dies, fürcht ich, ruft
Zu viele Flüch auf aller Haupt, die solches
Veranlaßt.

Zweiter. Wenn der Herzog schuldlos stirbt,
Ists graunvoll; doch ich könnt Euch Winke geben
Von einem nahen Übel, das, eintretend,
Noch größer wäre.

Erster. Schützt uns, gute Geister!
Was kann es sein? Mißtraut nicht meiner Treu; –

Zweiter. So wichtiges Geheimnis heischt bewährte
Verschwiegenheit, es zu verschließen.

Erster. Gönnt mirs;
Ich rede wenig.

Zweiter. Wohl, ich will Euch traun.
Hört an: Vernahmt Ihr nicht in diesen Tagen
Ein heimlich Munkeln über eine Scheidung
Des Königs von Kathrinen?

Erster. Ja, doch schwand es wieder:
Der König, als er kaum davon gehört,
Hat zornig dem Lord-Mayor Befehl gesandt,
Zu hemmen solch Gerücht, und schnell zu bändgen
Die Zungen, die's verbreitet.

Zweiter. Dennoch, Sir,
Ward jenes Lästern Wahrheit; denn aufs neu
Erhebt sichs stärker, und man glaubt gewiß
Den König schon bestimmt. Der Kardinal,
Wo nicht vom Hof ein andrer, weckt in ihm,
Die gute Fürstin hassend, solche Skrupel,
Die ihr Verderben drohn; dies zu bestätigen
Trifft Kardinal Campejus eben ein,
Was alle hierauf deuten.

Erster. 's ist allein
Der Kardinal, der Rache sucht am Kaiser,
Weil ihm das Erzbistum Toledo nicht
Auf sein Gesuch von jenem ward gewährt.

Zweiter. Ich denk, Ihr traft den Fleck. Doch ists nicht grausam,
Daß sie dies büßen muß? Der Kardinal
Folgt seinem Sinn: drum fällt sie.

Erster. 's ist ein Jammer.
Wir stehn zu offen hier für solch Gespräch;
Laßt uns daheim noch ferner drüber denken. (Ab.)

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