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König Heinrich der Achte

William Shakespeare: König Heinrich der Achte - Kapitel 5
Quellenangabe
typetragedy
booktitleHeinrich der Fünfte, Heinrich der Achte, Titus Andronicus
authorWilliam Shakespeare
translatorAugust Wilhelm von Schlegel
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20640-2
titleKönig Heinrich der Achte
pages107-210
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dritte Szene

Ein Zimmer im Palast

Der Lord-Kämmerer und Lord Sands treten auf

Lord-Kämmerer. Ists möglich, gaukelten die Zauber Frankreichs
Die Menschen in solch seltsamliche Form?

Sands. Sind neue Moden noch so lächerlich,
Ja, selbst unmännlich, doch befolgt man sie.

Lord-Kämmerer. Soweit ich seh, was unsre Englischen
Sich Guts geholt auf dieser Fahrt, sinds höchstens
Ein paar Grimassen, freilich sehr verschmitzte;
Denn macht sie einer, nun, so schwört man drauf,
Selbst eine Nase sei schon Rat gewesen
Bei Chlotar und Pippin, so vornehm schaut sie.

Sands. Sie führen sämtlich neue, lahme Beine,
Und wer sie noch nicht gehn sah, dächte, Spat
Und Gallen zwickten sie.

Lord-Kämmerer. Beim Element!
Selbst ihrer Kleider Schnitt ist so sehr heidnisch,
Daß sie gewiß den Christen ausgezogen.
Wie nun? Was Neues bringt Sir Thomas Lovell? –

Sir Thomas Lovell tritt auf.

Lovell. Nicht Neues just, Mylord, als die Verordnung,
Die eben jetzt am Schloßtor klebt.

Lord-Kämmerer. Worüber?

Lovell. Ei, die Reform der jungen Reisenden,
Die uns verfolgt mit Zank und Lärm und Schneidern.

Lord-Kämmerer. Gott seis gedankt! Nun bitt ich die Monsieurs,
Einem britschen Hofmann noch Verstand zu lassen,
Auch wenn er den Louvre nicht gesehn.

Lovell. Sie sollen
(So lautet die Verordnung) ihren Wedeln
Und Resten fränkschen Narrentums entsagen,
Samt all den noblen Punkten ihrer Torheit
Von gleichem Schlag; Duelln und Feuerwerken;
Und der Verspottung Besserer als sie
In ihrer fremden Weisheit; gänzlich abtun
Den Aberglauben ihres Federballs,
Die langen Strümpfe, kurz gepufften Hosen,
All die Symbole ihrer Reis', und wieder
Sich wie vernünftge Menschen stellen, oder
Sich zu den alten Spielkamraden packen,
Wo sie cum privilegio dann mögen
Verlacht sein und ihr Narrentum verbrauchen.

Sands. Die Kur war an der Zeit; es griff dies Übel
Verzweifelt um sich.

Lord-Kämmerer. Wie wohl unsre Weiber
Die süßen Eitelkeiten all entbehren! –

Lovell. Nun, Klagen gibts gewiß; die schlauen Löffler
Verstanden meisterlich, die Fraun zu fangen;
'ne Fiedel, ein französisch Lied, tat Wunder.

Sands. Fiedl' euch der Teufel! Gut, sie sind nun fort,
Denn Beßrung war zu hoffen nicht. Jetzt mag
Ein schlichter Edelmann vom Land, wie ich,
Längst aus dem Spiel verdrängt, doch auch sein Lied
Anstimmen und Gehör ein Stündchen hoffen
Und, mein ich, auch was als Sänger gelten.

Lord-Kämmerer. Recht so, Lord Sands; Ihr habt den Füllenzahn
Nicht abgelegt.

Sands. O nein, und werd auch nicht,
Solang ein Stumpf mir nachbleibt.

Lord-Kämmerer. Sagt, Sir Thomas,
Wohin Ihr gingt.

Lovell. Ins Haus des Kardinals;
Eur Herrlichkeit ist gleichfalls dort ein Gast.

Lord-Kämmerer. Jawohl. Er gibt ein prächtig Fest zu Nacht
Gar vielen Herrn und Fraun; Ihr findet dort
Des ganzen Landes Schönheit heut versammelt.

Lovell. Ein gütig Herz hat dieser Fürst der Kirche,
Fruchtbar die Hand wie der ergiebge Boden;
Sein Tau tränkt alles.

Lord-Kämmerer. Ja, er ist höchst edel.
Ein schwarz Gemüt, das anders von ihm sagte.

Sands. Nun, er vermags, er hat genug; an ihm
Wär Sparen ärgre Sünd als Ketzerei.
Freigebig müssen Männer sein wie er,
Sie stehn als Beispiel da.

Lord-Kämmerer. Als rechtes Beispiel;
Doch er vor allen. Meine Barke hält,
Ich nehm Eur Gnaden mit. Nun kommt, Sir Thomas,
Wir kommen spät sonst, und mir wär es leid,
Weil ich heut abend mit Sir Heinrich Guildford
Aufseher bin des Festes.

Sands. Euch zu Diensten. (Alle ab.)

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