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König Heinrich der Achte

William Shakespeare: König Heinrich der Achte - Kapitel 18
Quellenangabe
typetragedy
booktitleHeinrich der Fünfte, Heinrich der Achte, Titus Andronicus
authorWilliam Shakespeare
translatorAugust Wilhelm von Schlegel
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20640-2
titleKönig Heinrich der Achte
pages107-210
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Vierte Szene

Im Palast

Blasende Trompeter; darauf zwei Aldermänner; der Lord-Mayor; der Herold; Cranmer, der Herzog von Norfolk mit dem Marschallstabe; der Herzog von Suffolk; zwei Edelleute, die große, aufrechtstehende Schalen als Taufgeschenke tragen; darauf vier Edelleute, die einen Thronhimmel halten, unter welchem die Herzogin von Norfolk als Gevatterin das Kind trägt. Sie ist reich in einen Mantel gekleidet, eine Hofdame hält ihre Schleppe. Ihr folgen die Marquise von Dorset, als zweite Gevatterin, und andre Damen. Der Zug geht einmal über die Bühne, dann spricht der Wappenherold

Wappenherold. Der Himmel verleihe nach seiner endlosen Güte Gedeihen, langes und immer glückliches Leben der hohen und mächtigen Prinzessin von England, Elisabeth!

Trompetenstoß. Der König und sein Gefolge treten auf.

Cranmer. Und meiner edlen Mitgevattern Flehn
Und meins für Eure Königliche Hoheit
Und unsre teure Königin ist dies:
Mög alle Freud und Tröstung, so der Himmel
Je aufgespart, zwei Eltern zu beglücken,
In diesem holden Kind euch stündlich wachsen! –

König. Ich dank Euch, wertester Lord-Erzbischof.
Wie ist ihr Nam?

Cranmer. Elisabeth.

König. Steht auf!

(indem er die Prinzessin küßt)

Mein Segen mit dem Kuß! Gott sei mit dir,
In seine Hand leg ich dein Leben! –

Cranmer. Amen!

König. Ihr habt zuviel gespendet, edle Paten,
Ich dank euch; auch dies Fräulein tuts dereinst,
Sobald ihr Englisch ausreicht.

Cranmer. Laßt mich reden,
Gott will's; und achte keiner hier mein Wort
Für Schmeichelei, denn Wahrheit sollt ihr's finden.
Dies Königskind – (stets sei mit ihr der Himmel!)
Ob in der Wiege noch, verheißt dein Reich
Tausend und abertausend Segensfülle,
Die Zeit zur Reife führt. Sie wird dereinst
(Nur wen'ge, jetzt am Leben, schaun es noch)
Ein Muster aller Kön'ge neben ihr
Und die nach ihr erscheinen. Sabas Fürstin
Hat Weisheit nicht und Tugend mehr geliebt,
Als diese holde Unschuld. Jede Zier,
Jedwede Anmut so erhabnen Haupts,
Und jede Tugend, die den Frommen schmückt,
Ist doppelt stark in ihr. Die Wahrheit nährt sie,
Himmlische Andacht wird ihr ratend beistehn,
Geliebt wird sie, gefürchtet sein; gesegnet
Von ihren Freunden.
Die Feinde zittern gleich geschlagnen Halmen,
Gebeugt das Haupt in Gram. Heil wächst mit ihr,
In ihren Tagen ißt in Frieden jeder
Unter dem eignen Weinstock, was er pflanzte.
Des Friedens heitre Klänge tönen rings,
Gott wird erkannt in Wahrheit; ihre Treuen,
Durch sie geführt zum wahren Pfad der Ehre,
Erkämpfen hier sich Größe, nicht durch Blut.
Auch schläft mit ihr der Friede nicht; nein, wie
Der Wundervogel stirbt, der Jungfraun-Phönix,
Erzeugt aus ihrer Asche sich der Erbe,
So wunderwürdig auch, wie sie es war;
So läßt sie einem andern allen Segen
(Ruft sie der Herr aus Wolken dieses Dunkels),
Der, aus der heilgen Asche ihrer Ehre,
Sich, ein Gestirn, so groß wie sie, erhebt,
Glanzhell: Schreck, Friede, Fülle, Lieb und Treu,
Die Diener waren dieses hehren Kindes,
Sind seine dann, wie Reben ihn umschlingend;
Wo nur des Himmels helle Sonne scheint,
Da glänzt sein Ruhm, die Größe seines Namens,
Und schaffet neue Völker; er wird blühn
Und weit, wie Berges Zedern, seine Zweige
Auf Ebnen strecken. – Unsre Kindeskinder
Sie sehn, Gott preisend, dies.

König. Ha, du sprichst Wunder.

Cranmer. Sie wird zu Englands schönstem Ruhm gesegnet
Mit hohen Jahren, viele Tage sieht sie
Und keinen doch ohn' eine Tat des Ruhms.
Oh, säh ich weiter nicht! Doch sterben muß sie,
Sie muß, die Heilgen wolln sie: doch als Jungfrau,
Als fleckenlose Lilie senkt man sie
Hinab zur Erd, und alle Welt wird trauern.

König. Lord-Erzbischof,
Ihr habt mich jetzt zum Mann gemacht; kein Kind
Erzeugt ich noch vor diesem selgen Wesen
Dies Trostorakel hat mich so beglückt,
Daß ich dereinst im Himmel wünschen werde,
Das Tun des Kinds zu sehn, und Gott zu preisen.
Ich dank euch allen. Euch, werter Lord-Mayor,
Und Euren Brüdern bin ich höchst verbunden;
Ich ward geehrt durch Eure Gegenwart,
Ich will mich dankbar zeigen. Kommt, ihr Herrn,
Ihr müßt die Königin noch alle sehn:
Euch alle muß sie ihres Danks versichern,
Sonst wird sie nicht genesen. Heut soll keiner
Des Hauses warten, alle bleibt als Gäste;
Durch diese Kleine wird der Tag zum Feste.

(Alle ab.)

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