Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > William Shakespeare >

König Heinrich der Achte

William Shakespeare: König Heinrich der Achte - Kapitel 17
Quellenangabe
typetragedy
booktitleHeinrich der Fünfte, Heinrich der Achte, Titus Andronicus
authorWilliam Shakespeare
translatorAugust Wilhelm von Schlegel
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20640-2
titleKönig Heinrich der Achte
pages107-210
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Dritte Szene

Der Schloßhof

Geräusch und Tumult hinter der Bühne. Der Pförtner und sein Knecht treten auf

Pförtner. Werdet ihr bald mit Lärmen aufhören, ihr Esel? Meint ihr, der Schloßhof sei ein Bärengarten? Ihr wüsten Gesellen, laßt das Brüllen.

Einer von drinnen. Lieber Meister Pförtner, ich gehöre zur Speisekammer.

Pförtner. Gehört zum Galgen und laßt Euch hängen, Ihr Maulaff. Ist dies der Ort, solch ein Gebrüll zu verführen? Holt mir ein Dutzend Schwarzdornknüttel, von den stämmigsten. Diese hier sind alle nur wie Reitgerten. Ich werde euch die Köpfe krauen; müßt ihr auf Kindtaufen sein? Steht euch der Sinn auf Bier und Kuchen hier, ihr wüsten Esel?

Knecht. Seid ruhig, lieber Herr, 's ist gleich unmöglich –
Wir fegen denn sie mit Kanonen heim –
Sie zu zerstreun, als sie zum Schlaf zu bringen
Am Maitagmorgen, nimmer setzt Ihrs durch:
Wir brächten wohl Sankt Paul so leicht zum Weichen.

Pförtner. Wie kamen sie, zum Henker, denn herein?

Knecht. Ich weiß nicht, Herr; wie bricht die Flut herein?
Was ein gesunder Prügel von vier Fuß
Austeilen konnte – seht die winzgen Reste –,
Herr, daran spart ich nichts.

Pförtner. Nichts tatet Ihr.

Knecht. Ich bin kein Simson, kein Ritter Guy, kein Riese Colbrand, daß ich sie vor mir niedermähen könnte; wenn ich aber einen verschont habe, der einen Kopf zum Treffen hatte, jung oder alt, er oder sie, Hahnrei oder Hahnreimacher, so will ich nie wieder einen Rippenbraten vor Augen sehn, und das möcht ich nicht für eine ganze Kuh. Gott tröste sie!

Von drinnen. Hört Ihr, Meister Pförtner?

Pförtner. Gleich werd ich bei Euch sein, lieber Meister Hasenfuß. Halt die Tür fest zu, Kerl.

Knecht. Was wollt Ihr, daß ich tun soll?

Pförtner. Was sollt Ihr anders tun, als sie bei Dutzenden zu Boden schlagen? Ist dies Moorfields, wo gemustert wird? Oder haben wir einen ausländischen Indianer mit einem großen Schweif am Hofe, daß die Weiber uns so belagern? Gott behüte, was für unzüchtiges Gesindel sich da vor der Tür herumtreibt! Bei meiner christlichen Taufe, dieser eine Täufling bringt ihrer tausend neue zuwege – hier kommen Vater, Gevatter und alle Welt zusammen.

Knecht. Desto dichter fallen die Löffel, Herr. Dort steht ein Kerl so ziemlich nah an der Türe, der muß ein Kupferschmied sein nach seinem Gesicht; denn, mein Seel, zwanzig Hundstage regieren ihm in der Nase; alle, die um ihn her stehn, sind unter der Linie, sie brauchen keine Strafe weiter; diesen Feuerdrachen traf ich dreimal auf den Kopf, und dreimal gab seine Nase Feuer auf mich; er steht wie ein Mörser da, um auf uns loszubrennen. Neben ihm sah ich ein abgeschmacktes Trödelweib, das auf mich schimpfte, bis ihre zackige Suppenschüssel ihr vom Kopf fiel, weil ich solch einen Brand im gemeinen Wesen anschürte. Ich verfehlte das Feuermeteor einmal und traf dieses Weib, das gleich rief.«Knüttel her!» Worauf ich alsbald an die vierzig Stabschwinger ihr zu Hilfe kommen sah, die Hoffnung des Strand, den sie bewohnt. Sie griffen an, ich hielt mich tapfer; zuletzt waren sie auf Besenstiellänge an mir, noch immer bot ich Trotz, als plötzlich eine Reihe von Jungen hinter ihnen, Heckfeuerschützen, solch einen Hagel von Steinen gegen mich abschickte, daß ich die Segel einzog und froh sein mußte, das Feld zu räumen. Der Teufel war unter ihnen, glaub ich sicher.

Pförtner. Das sind die Schlingel, die im Theater trommeln und sich um angebißne Apfel prügeln; solche, die kein Zuhörer aushalten kann, als einer von der Trübsalgilde zu Towerhill, oder von ihrer teuern Brüderschaft, den Limehouse-Lümmeln. Ein paar von ihnen hab ich in limbo patrum, wo sie wohl diese drei Tage durchtanzen könnten, außer dem ambulierenden Bankett zweier Büttel, das ihnen noch bevorsteht.

Der Lord-Kämmerer tritt auf.

Lord-Kämmerer. Gott steh uns bei, was für ein Schwarm ist dies!
Er wächst stets noch, es drängt von allen Seiten,
Als gäb es Jahrmarkt! Wo sind hier die Pförtner,
Die faulen Schelme? Schöne Arbeit, he! –
Ein saubrer Haufe hier im Hof! Sind dies
Die werten Freunde von der Vorstadt her?
Gewiß, den Damen bleibt viel Platz noch offen,
Wenn sie vom Taufsaal kommen.

Pförtner. Sieht Eur Gnaden,
Wir sind nur Menschen: was da möglich war
Untotgeschlagener Weise, das geschah;
Ein ganzes Heer bezwingt sie nicht.

Lord-Kämmerer. Beim Himmel,
Wenn mich der König schilt, so sollt ihr all
Ins Eisen mit den Fersen, unverzüglich,
Und eure Köpfe trifft 'ne runde Buße.
Ihr klappert mit dem Krug, ihr faulen Schelme,
Ob auch der Dienst drum stillsteht. Hört! man bläst;
Sie kommen von der Taufe schon zurück.
Geht, brecht mir durchs Gedräng und macht euch Bahn
Und Raum dem Zug, sonst such ich euch sofort
Ein Kloster aus, das euch sechs Wochen herbergt.

Pförtner. Macht Platz für die Prinzessin! –

Knecht. Ihr großer Kerl, geht auf die Seite, oder ich will Euch Kopfweh machen.

Pförtner. Ihr da, in dem gesteiften Wams, packt Euch aus den Schranken, oder ich werf Euch über die Pfeiler.

(Alle ab.)

 << Kapitel 16  Kapitel 18 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.