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Kohlenpott 1931

Georg Schwarz: Kohlenpott 1931 - Kapitel 15
Quellenangabe
typereport
authorGeorg Schwarz
titleKohlenpott 1931
publisherKlartext-Verlag
printrun1. Auflage
year1986
isbn3884743163
firstpub1931
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorherbert Niephaus
senderwww.gaga.net
created20150115
modified20150625
projectid5055d782
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Ruhrgemüse, Seidenraupen, Hühner

Die Verschiebung des Ruhrkohlenbergbaus vom Süden nach Norden, die Rationalisierung und die internationale Krise haben die Stilllegung einer Menge Schachtanlagen, hauptsächlich am südlichen Rande des Ruhrbezirks, mit sich gebracht. Die Grubenherren sind durch eine ausgleichende Syndikatspolitik gedeckt; ihre Lieferquote ist ihnen sicher. Was aber fangen die Bergleute an, wenn sie den Verlust ihrer Produktionsstätte zu beklagen haben? Allein in den ersten zehn Monaten des Jahres 1930 waren es achtzigtausend, die dank dem großen Zechenlegen und der Belegschaftsverminderung entlassen wurden.

Mit dem Stempeln nimmt es nach wenigen Monaten ein Ende. Irgendeine neue Existenz muß gefunden werden; denn schließlich kann man sich nicht so rasch hinlegen und sterben, wenn auch ein reaktionärer Minister noch so eindringlich dazu rät, indem er verkündet, daß zwanzig Millionen Menschen zuviel in Deutschland seien und diese Überzähligen es wären, welche die deutsche Wirtschaft verhinderten, sich wieder anzukurbeln.

Selbst an der Ruhr gehen die Betroffenen mit ihm nicht ganz konform. Sie sind der subversiven Meinung, daß auch abgebaute Industrieproleten ein Recht aufs Dasein haben. Immerhin, die Pütts sind stillgelegt – – wohin mit den alten Kumpels, die mit eigenartigen Gefühlen im Herzen und im Magen haben zusehen müssen, wie »ihre« Zeche dem Erdboden gleich gemacht wurde. Zuerst verschwanden Kesselhaus und Kaue, und dann hieß es eines schönen Morgens in der Zeitung: Achtung! Große Sprengungen auf dem Zechengelände. Man mußte hingehen und zusehen, wenn es auch schmerzte. Eine Sprengladung wurde an den großen Schornstein vom Kesselhaus gelegt – nur so ein bißchen Dynamit –, und dann rannten die Männer, die das getan hatten, weg und hielten Drähte in den Händen. Der Sprengmeister schraubte die Drähte an eine Batterie und zog die Zündung ab. Der Schornstein schwankte ein wenig und zart hin und her wie ein Zittergras im Abendwind, und dann legte er sich auf die linke Seite rüber.

Dann wissen es auch die sturköpfigsten Kumpel, daß es nun wieder mit einem Pütt endgültig aus ist. Am Rand ist das Kohlenbecken, das sich wohlgefüllt zwischen Ruhr und Lippe hinzieht, eben schon ein wenig abgerahmt. Natürlich wären die Kumpel mit ihrem schmalen Hauerdurchschnittslohn auch noch mit Milch zufrieden; aber die verstehen nicht so viel von Sahne, wie die reichen Gewerke und Kuxenbesitzer. Und nun reicht es noch nicht einmal auf Magermilch! Was Wunder, daß die Betroffenen wie Ertrinkende nach jedem Strohhalm greifen.

Da kam man zum Beispiel im alten Landkreis Essen in Kupferdreh vor einigen Jahren auf den Dreh, Seidenraupen-Zucht wäre für arbeitslose Bergleute das Wahre. Die Gegend hat noch ein bäuerliches Gesicht; es stehen Kotten in der hügeligen Landschaft, und sie gehören Industriearbeitern, die plötzlich von der Industrie abgebaut wurden und trotzdem nicht daran dachten, zu Deutschlands Genesung in Schönheit zu sterben. Also, Seidenraupen-Zucht! Das fand auch den Beifall der Behörde, denn es sprach »für den ungebrochenen Lebenswillen einer knorrigen und mit dem Boden verwachsenen Bevölkerung«, wie die Feuilletonisten der Heimatbeilage zu den Lokalzeitungen so schön singen und sagen.

Was machen die Behörden und verantwortlichen Stadtverwaltungen hierzulande, wenn etwas schief oder in Ordnung geht? Sie organisieren eine Schau! So tat man auch bei diesem Anlaß in Essen, um die »neue und interessante Verdienstmöglichkeit der Seidenraupenzucht« ad oculos zu demonstrieren. Die knotigen, vom Umklammern der Keilhau hornig gewordenen Fingerstrichen liebkosend über die Kasten, in denen gefräßige und ekelhafte Raupentiere Maulbeerblätter verzehrten und Kokons spannen.

Aber an der Seide klebt schon genug Schweiß und Blut. Blut von Chinesenkindern in Nanking, die ihren schwächlichen Körper für eine Hand voll Reis zwölf Tagesstunden lang den Aktionären des Seidentrustes verkaufen müssen. Die Seide will das Blut der Ruhrkumpel nicht, das ist der Kohle reserviert. Die reiche Modedame zieht die echte chinesische Seide vor, und für die anderen Modedamen mit den kleinen Salären und großen Allüren, die an den Schreibmaschinen klappern oder im »ersten Haus am Platze« beste Chinaseide vom Stück verkaufen, für die muß es auch Kunstseide von Bemberg tun.

Jedenfalls sieht und hört man in den einstöckigen Häusern von Überruhr und Kupferdreh nichts mehr von Kokons und Maulbeerbäumen, dafür aber produzieren die zuständigen Organe der Obrigkeit unentwegt weiter Ideen, wie die Arbeitslosigkeit zu »steuern« wäre.

Wie heißt es doch so treffend in dem Memorandum des Herrn Landrat Mertens? »Die Lage zwang zu ernster Umschau nach neuen Beschäftigungs- und Erwerbsmöglichkeiten für die Bewohner des wirtschaftlich zurückgehenden Südbezirks.« Den Schwierigkeiten dieser Umschau fühlte sich ein Mann gewachsen, einer, der von unten nach oben gekommen war und der auch heute noch gerne mal ins Volk hinabsteigt, um am Stammtisch in der Essener »Ministersiedlung« unter Biedermännern den Humpen zu schwingen, Herr Doktor h. c. Hirtsiefer, der Mann der Geburtstagstasse aus der vormals königlichen Porzellanmanufaktur für das zwölfte Kind. Ein Wohlfahrtsminister mit sozialen Ideen.

Hirtsiefer wußte, wie dem Kumpel der Randgebiete zu helfen war. »Wir machen Gemüsebauern und Gärtner aus euch!« sagte er; »dann sparen wir jährlich 500 Millionen, die jetzt für holländisches Frischgemüse ausgegeben werden.«

Und jener Landrat stimmte im ministeriellen Amtsblatt »Volkswohlfahrt« begeistert ein die lockenden Flötentöne. »Uns schwebt das vorbildliche Holland mit seinen riesigen Treibhausgemüseanlagen unter Glas, aber auch manche schon vorhandene Anlage in Deutschland als erstrebenswertes Muster vor ...«

So sollte also dem erstrebenswerten Muster nachgestrebt werden! Leider ging man mit mehr Eifer als Überlegung an das Werk, denn das vorbildliche Holland ist sträflicherweise nicht nur Vorbild, sondern auch eine vorzüglich fundierte Konkurrenz, die in wenigen Bahnstunden Waggon auf Waggon voll Tomaten, Blumenkohl, Salat und sonstigen Erzeugnissen ihrer prächtigen Glashäuser in den Rhein-Ruhrbezirk rollen läßt. Außerdem kann man auch nicht so im Handumdrehen aus Bergarbeitern Gemüsegärtner und Handelsleute machen. Da muß selbst Landrat Mertens, der begeisterte Propagandist des Hirtsiefergemüses, ein wenig abblasen und sagen: »Es leuchtet ein, daß die Umstellung vom Bergmann zum modernen Gemüsegärtner nicht einfach ist.«

Die Auswahl der Geeignetsten vollzieht sich auch hier nach dem Besitzstand. Nur wer ein eigenes, nicht zu hoch belastetes Grundstück von mindestens drei Morgen besitzt, bekommt den Staatskredit zur Errichtung einer Treibgemüseanlage oder eines Großlufthauses.

Selbst die kühnsten Optimisten werden nicht annehmen, daß ein nennenswerter Prozentsatz derer, die von der Industrie oder vom Bergbau wegen Arbeitsmangels abgestoßen werden, Haus- und Grundbesitzer sind. Nur die wenigsten sind solche Glückskinder. Immerhin gibt es eine Schicht, die seit Generationen am Rande des Reviers ansässig ist, die Bergmänner der »Familienpütts« im Ruhrtal, eine Art erbliche Kumpel-Aristokratie, die sich aus der vom Vater auf den Sohn vererbten Arbeit an der Kohle kleine Kotten zusammengekratzt haben. Natürlich war und blieb die Grundlage ihrer Existenz die Grube, die jetzt stillgelegt ist; dennoch sind gerade das die Leute, die sich schon immer zu helfen wußten; mit dem Boden verwachsene, halbbäuerliche Existenzen, die Schweine, Ziegen und selbst eine Kuh im Stall haben. Nun griffen sie, wie das Kind nach der schönen giftigen Beere am grünen Strauch, nach dem Staatskredit aus der Hand des Wohlfahrtsministers. Der Staat riskiert gar nichts dabei, die Darlehensnehmer aber riskieren ihre ganze Habe für Verzinsung und Amortisation des überlassenen Kapitals.

Dafür läßt sich der Herr Minister als der tatkräftige Mann aus dem Volke feiern.

Sieben Parade-Glashäuser wurden schon 1928 der Presse des Reviers bei strömenden Regen in all ihrer strahlenden Schönheit vorgezeigt. Selbstverständlich war der leutselige Herr Wohlfahrtsminister bei der Besichtigung dabei. Am Abend vereinigte die Exkursanten ins Ruhrtal selbstgezogene Rettiche und helles Bier zu fröhlichem Umtrunk.

Das war aber längst noch nicht das letzte oder stärkste Aufgebot für die Kampagne des Ruhrgemüsebaus. So billig tut man es hierzulande nicht, in der großen Städtestadt mit ihrem rivalisierenden Nebeneinander von Groß- und Mittelstädten, von denen jede einzelne, zu Zwecken der Repräsentation, einen Stadtpräsidenten mit Ministergehalt (Oberbürgermeister genannt) an der Spitze hat. Verkehrsdezernenten und Pressechefs erschließen und propagieren das Revier, ersinnen Kongresse und arrangieren Ausstellungen: Maitres de plaisir der Kommunen zu sein, ist ihrer aller höchster Ehrgeiz und höchste Aufgabe. Wehe, wenn jemand in Dortmund eine Idee hat, dann hat man in Essen gleich deren drei.

Und so gab es in der City der werdenden Ruhrstadt im Jahre 1929 die »Gruga«, von der noch die Enkel reden werden. Dieses Negerdialektwort steht für: Große Ruhrländische Gartenbau-Ausstellung, und die war wirklich eine pompöse Sache. Und auch sie sollte angeblich dem Ruhrgemüse dienen.

Die Parole vom Tag der Komiteegründung an bis zur Schließung, die erst rauhe Oktoberwinde erzwangen, lautete unentwegt: »Gemüse überm Ruhrgebiet!« Die Eröffnung im frühsommerlichen Sonnenschein mit Ministerialreferenten als Vertreter der Ministerien, mit altfränkisch angestaubten Herren des Gärtnereibesitzer-Verbandes, mit Ausstellungsdirektoren und spiegelnden Zylindern, Stadträten in hochzeitlichen Bratenröcken, Damen der Gesellschaft in hellfarbigem Sommertüll, Palmendekorationen und diskret plätschernden Fontänen – unsichtbar über dem ganzen schwebend, untertänig gewürdigt: die Patronanz des greisen Feldmarschalls – dieser Eröffnungsakt, das war eine richtige Gemüseorgie in Worten.

Dabei hatte diese Ausstellung, was man nicht von allen Ausstellungen sagen kann, wirklich ein überdurchschnittliches Format. Sie war auf Grund eines gut durchorganisierten Planes geschaffen worden. Die gartenarchitektonische Gliederung des Geländes bewies höchstes künstlerisches Formgefühl; hier war nicht nur für eine beschränkte Zeit, sondern mit Zukunftsperspektive gestaltet worden. Die Gartenanlagen der Ausstellung bleiben auch erhalten und wurden zum schönsten Erholungspark des Industriegebietes, mit breiten, feingekiesten Wegen, blankbunten Klinkermauern, an denen sich wasserüberrieselte Klettergewächse emporranken, mit übereinandergelagerten Wasserbecken, aus denen Kaskaden und Leuchtfontänen aufkronen, mit einer kiesweg-umrundeten Dahlien-Arena aus 12 000 blühenden Stauden, mit treppenflankierenden stilisierten Keramikpferden, mit neusachlichem Rundfunkmusik-Verbreitungsturm in einer Pergola aus Rosen (laut Prospekt 100 000 Blüten zur Rosenzeit), mit einem Hauptrestaurant und einem Café, die jedem Kurhaus Ehre machen würden – kurzum: das Versailles des Ruhrgebiets.

Auf dem Ausstellungsgelände gibt es heute noch Wochenendhäuser und Wochenendgärten zu sehen, die geradezu prächtig sind. Ich wäre mit dem kleinsten Modell zufrieden; aber auch das kostet Geld, und damit soll es bei den armen Leuten sehr knapp bestellt sein. Der eigene Fleck gartenbebauter Erde erinnert heftig an jenes sonntägliche Huhn, das alle großen Fürsten nie aufgehört haben, ihren treuen Untertanen in den Topf hinein zu wünschen. Es bleibt da eben ein Wunsch.

Wenn aber die Obrigkeiten des Ruhrgebietes fromme Wünsche hegen, so zeigen sie es, daher der Name Ausstellung. Und daß sie gerne des Guten ein wenig zu viel tun, das ist man von ihnen schon gewöhnt. Nicht umsonst ist im Ruhrgebiet die dicke Berta erfunden und garantiert geschoßundurchdringlicher Panzerstahl gegossen worden. Hier liebt man die Superlative jeder Art. Außerdem stumpfen ja mit der Zeit Übertreibungen und Überheblichkeiten immer mehr ab und können nur mit noch gröber-kalibrigen Geschützen überboten werden.

Trotzdem es im offiziösen Waschzettel von der Gruga hieß: »Die Ausstellung zeigt die Einrichtung von Treibgemüsezuchten. Die Erfahrungen, die dank der hochherzigen Förderung durch den preußischen Wohlfahrtsminister mit den Treibgemüsezüchtereien im Ruhrgebiet gemacht wurden, sind sehr günstig. Hier (auf der Gruga!) wurde bewiesen, daß der aus dem industriellen Arbeitsprozeß ausgeschiedene Arbeiter mit der Gemüsezucht ein neues lohnendes Tätigkeitsfeld und Dasein findet« – trotz diesen und ähnlichen großtönenden, menschenfreundlichen Versicherungen ist und blieb das Resultat der Gruga ein Park und nicht die Lösung eines sozialen Problems.

Daß die durch die kapitalstarke Ausstellung geführten Beweise für die günstigen Erfahrungen mit der Ruhrgemüsezucht sich nicht in die kapitalschwache Praxis des Gemüsegärtners übersetzen lassen, beweist eine Verlautbarung amtlichen Charakters, die ein Jahr später schon feststellte, daß die paar Dutzend Kumpel-Gärtner immer noch nicht auf dem richtigen Ast säßen. Die mit Staatskrediten erbauten Kaltlufthäuser genügen im Ruhrklima nicht, das Gemüse als Frühgemüse ernten zu können. Es kommt zu spät auf den Markt, um die kostspieligen Glashausanlagen rentabel zu machen. Auch die Warmhäuser sind eine Niete, weil sie soviel Brennstoff verbrauchen, daß der Erlös aus dem Frühgemüse nur um Geringes höher ist als die Gestehungskosten. Zu all den Schwierigkeiten aus Klima und Unerfahrenheit kommt noch die mangelhafte Verkaufsorganisation. Nicht nur zum Gärtnern, auch zum Handeln gehören Vorkenntnisse und zweckentsprechende Einrichtungen.

So sieht man heute nach jahrelangem Experimentieren und viel Schaumschlägerei in der Öffentlichkeit das Heil in neuen Versuchen mit leichttemperierten Gewächshäusern mit einer Temperaturgrenze von plus 20 Grad und in einer noch zu gründenden Verkaufsorganisation, die als Absatzgenossenschaft mit Liefer- und Sammelautomobilen, und natürlich von Staatsgeldern, eingerichtet werden soll.

Mißerfolge soweit das Auge reicht. Nichtsdestoweniger geht die offizielle Großrederei weiter. Und die verantwortlichen Stellen hoffen unentwegt, daß die Ruhrgemüsezucht »wichtigen Anteil an der Lösung einer sozialen und wirtschaftlichen Frage, die dem deutschen Volk gegenwärtig nicht geringe Sorgen bereitet, nehmen werde«.

Gott strafe Holland! Und her mit neuen Staatskrediten!

Mit den zur gleichen Zeit wie die Gemüseplantagen propagierten Geflügelfarmen, die auch nur von erwerbslosen Industrie- und Bergarbeitern mit mindestens 5 Morgen Landbesitz betrieben werden sollten, hat man nicht so viel schlechte Erfahrungen machen können, weil man höheren Ortes – im Reichsfinanzministerium – schon beizeiten den Schnupfen bekam und nicht so üppig mit Zuschüssen war wie beim Gemüsebau. Welch großes finanzielles Risiko auch mit der Hühnerfarm verbunden ist, davon können die Geflügelfarmer in den Nebentälern der Ruhr ein garstig Liedlein singen. Dänemark und Holland sind auch auf diesem Gebiet böse Konkurrenten, und mag das deutsche Frischei mit dem Adlerstempel noch so pathetisch und treuherzig propagiert werden – die Bergmannsfrau, wenn sie schon Eier kauft, was bei dem geringen Lohnanteil an der Produktion ohnedies nicht so häufig vorkommt, dann wird sie weniger auf die vaterländischen Gefühle als auf Güte und Billigkeit sehen. Man faßt sich an den Kopf und fragt sich, wo die offiziellen Stellen nur allen ihren Optimismus her haben. Manchmal ist man wirklich zu glauben versucht, die Herren haben sich vorgestellt, strammes Unteroffizierkommando genüge, um Gemüse zum Wachsen und Hühner zum Eierlegen zu veranlassen. Was in Deutschland regiert, übersieht eben nur zu leicht, daß Erfahrung, Können und Wissen niemandem befohlen oder amtlicherseits nahegelegt werden können.

Und so ist das Problem der Arbeitslosigkeit an der Ruhr trotz Gemüse, Hühnern und Seidenraupen noch immer nicht gelöst. Auf den Gedanken, seine Energien auf näherliegendem Gebiet zu verwerten, scheint der Herr Minister nicht zu kommen. Jedes Kind kann sich ausrechnen: die beste Methode, die Erwerbslosigkeit im Bergbaugebiet einzudämmen, wäre, die Schichtzeit zu verkürzen und keine Feierschichten mehr einzulegen. Fettleibigkeit infolge von Wohlleben und Müßiggang würden auch dann noch nicht zu den Berufskrankheiten der Kumpel zählen. Statt dessen aber läßt man es ruhig weiter geschehen, daß abbauwürdige Zechen stillgelegt werden. Heilig sind die Rechte des Unternehmers!

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